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„Stadt wird zum Backofen“: Wiener Grüne kritisieren fehlenden Hitzeschutz

Die Opposition kritisiert die bisherigen Maßnahmen der Stadt als unzureichend und verlangt konkrete Maßnahmen.
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Während die kommenden Hitzetage die Bevölkerung erneut belasten werden, erhöhen die Wiener Grünen den Druck auf die Stadtregierung. Parteichef Peter Kraus sprach am Dienstag von einer Stadt, die bei jeder Hitzewelle wieder und wieder „zum Backofen“ werde. Die bisherigen Maßnahmen von SPÖ und Neos seien unzureichend, Wien brauche rasche Soforthilfe und einen verbindlichen Hitzeschutzplan.

„Nach der Hitzewelle Ende Juni war genügend Zeit, zusätzliche Maßnahmen umzusetzen“, so Kraus. Doch aus Sicht der Grünen habe die Stadt aus den Erfahrungen nichts gelernt. Erst am Dienstag hatte die Stadt ihren Hitzeschutzplan für die kommenden Tage präsentiert. Dieser sieht unter anderem verlängerte Öffnungszeiten in vier Wiener Freibädern sowie zwei zusätzlich „coole Zonen“ vor. Für Kraus sind das jedoch lediglich „kosmetische Korrekturen“. 

Die beiden zuletzt angekündigten zusätzlichen Cool-Zonen im Wien Museum und im Europahaus seien aus Sicht der Grünen zudem keine echten Neuerungen, da beide Gebäude bereits zuvor öffentlich zugänglich gewesen seien. Auch die verlängerten Öffnungszeiten in lediglich vier der insgesamt 30 städtischen Bädern seien aus Sicht der Grünen unzureichend.

Gesundheitsrisiko

Aus dem Büro von Bäderstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) heißt es hingegen, man arbeite „laufend an der Optimierung des Angebots für die Wiener“. Erst am Dienstag seien die verlängerten Öffnungszeiten in vier Freibädern angekündigt worden. Einen Gratis-Eintritt an Extremhitzetagen lehnt die Stadt indirekt ab: Wien verfüge bereits über 63 Kilometer frei zugängliche und konsumfreie Badeplätze an der Donauinsel, der Alten Donau und Badeteichen. Zudem setze die Stadt auf eine „sozial gestaffelte Tarifpolitik“ mit zahlreichen Ermäßigungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen. 

Die Stadt verweist außerdem auf das im europäischen Vergleich einzigartige Bäderangebot“ mit 30 städtischen Bädern und betont, dass trotz angespannter Budgetlage alle Standorte auch heuer geöffnet bleiben.

Dass Hitze längst nicht mehr nur ein unangenehmes Sommerphänomen ist, sondern ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt, betonen auch Experten immer wieder. Besonders ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen gelten während extremer Hitzeperioden als gefährdet. Klimaforscher warnen seit Jahren, dass Hitzewellen durch den Klimawandel häufiger, länger und intensiver werden.

1.400 Einsätze in 72 Stunden

Besonders aussagekräftig seien die Zahlen der Berufsrettung Wien während der vergangenen Hitzewelle. Laut Berufsrettung Wien habe diese die arbeitsreichste 72-Stunden-Phase ihrer 144-jährigen Geschichte verzeichnet. Mehr als 1.400 Einsätze innerhalb von drei Tagen seien „rund 50 Prozent mehr als üblich“ gewesen.

Scharfe Kritik übte Kraus auch an SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig. Während die Wiener unter der nächsten Hitzewelle leiden würden, sei die Stadtregierung „in der Sommerpause abgetaucht“. Ludwig beschäftige sich stattdessen damit, „seinem Freund Walter Ruck als letzter Unterstützer die Stange zu halten“. 

Auch die aktuellen Plakate des Bürgermeisters, auf denen die Wiener dazu aufgerufen werden, den Sommer in der Stadt zu genießen, kritisierte Kraus scharf. Diese seien angesichts der bevorstehenden Hitzewelle „geradezu deplatziert und zynisch“. „Diese Hitze kann man nicht genießen“, so der Grünen-Chef.

Forderungen

Konkret verlangen die Grünen einen stadtweiten Hitzekrisenstab, längere Öffnungszeiten und Gratis-Eintritt in allen Wiener Freibädern an Extremhitzetagen sowie mehr geöffnete Cooling-Zonen – insbesondere auch an Wochenenden. Denn von den 37 Cool-Zonen der Stadt sollen kommenden Sonntag nur vier geöffnet haben. „Die Hitze hält sich nicht an unsere Öffnungszeiten. Sie ist das ganze Wochenende da“, so Kraus.

Darüber hinaus fordern sie zusätzliche Trinkbrunnen, mehr Beschattung im öffentlichen Raum sowie rasch umsetzbare Hitzeschutzmaßnahmen in Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Mit der Forderung nach kostenlosen Bädern stehen die Grünen nicht allein: Auch die KPÖ Wien verlangte am Mittwoch Gratis-Eintritte in städtische Freibäder - allerdings für die gesamten Sommermonate Juni bis August.

Kooperationen in Margareten

Rückendeckung erhält Kraus von Margaretens Bezirksvorsteher und Parteikollegen Michael Luxenberger. „Hitze ist längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine Katastrophe der Gegenwart“, sagte er. Im 5. Bezirk habe man deshalb unter anderem Kooperationen mit der Kirche St. Josef und der VHS Polycollege geschlossen, um zusätzliche Coole Zonen anzubieten.

Doch genau darin sieht Luxenberger das Problem: „Wir brauchen nicht 23 verschiedene Einzellösungen, sondern ein stadtweites Konzept.“ Mehr als diese Kooperationen seien auf Bezirksebene kaum möglich. Damit etwa das Amtshaus auch in den Abendstunden und am Wochenende als Coole Zone geöffnet bleiben könne, brauche es zusätzliches Personal der MA 34.

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