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FPÖ
02/10/2016

Johann Gudenus: Heringsschmaus mit Häupl

Was macht eigentlich der Ressort-lose Vizebürgermeister Gudenus? Eine Spurensuche.

von Josef Gebhard, Jeff Mangione

Mit einer Premiere klang dieses Jahr der Fasching für Johann Gudenus aus. Der Vizebürgermeister der FPÖ hat zwar kein eigenes Ressort zu verwalten, dafür durfte er am Dienstagabend beim Heringsschmaus im Rathaus dabei sein, zu dem Michael Häupl die Mitglieder der Stadtregierung traditionell einlädt.

Seit knapp drei Monaten hat der 39-Jährige das Amt inne, das der FPÖ nach ihrem Wahlerfolg automatisch zusteht. Der Job ohne Kompetenzen ist mit rund 9400 Euro brutto dotiert. "Der teuerste Arbeitslose Österreichs", ätzt der grüne Nationalrat Peter Pilz.

Stimmt das wirklich? Der KURIER hat Gudenus einen Tag lang begleitet. Neben dem abendlichen Heringsschmaus stehen an diesem Dienstag etliche andere Termine auf seiner Agenda. Allerdings gehören sie vorwiegend zu den klassischen Aufgaben des Oppositionsführers: Um 11 Uhr lässt er sich von Funktionären über die anstehenden Themen und Termine im Rathaus-Klub berichten. Anschließend trifft er die (ebenfalls nichtamtsführenden) FPÖ-Stadträte. Zu Mittag geht es nach Liesing zum Info-Stand der FPÖ, die Unterschriften gegen das Flüchtlingszentrum Ziedlergasse sammelt.

Danach steht noch ein Essen mit Simmerings FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler auf dem Programm. Der erzählt Gudenus, wie er den Bezirk in fünf Jahren schuldenfrei machen möchte. "Das ist die blaue Handschrift", erklärt Stadler selbstbewusst.

Doch wo bleibt die Handschrift des Vizebürgermeisters? In den vom KURIER befragten Stadtrat-Büros der rot-grünen Regierung will man davon noch nicht viel mitbekommen haben. Eine Kritik, die Gudenus nicht auf sich sitzen lässt: "Als Mitglied des Stadtsenats habe ich wesentlich mehr Kontrollmöglichkeiten", betont er. "Außerdem bin ich ständig im Kontakt mit den Bürgern. Nach der Wahl, als ich noch nicht einmal als Vizebürgermeister angelobt worden war, sind die Anfragen von Bürgern enorm gestiegen."

Ombudsstelle

Um sie alle beantworten zu können, will Gudenus demnächst eine Ombudsstelle im Rathaus eröffnen. "An sie können sich Menschen wenden, die unter die Räder gekommen sind."

Quasi als Vorläufer hat Gudenus eine umstrittene Anti-Islamismus-Hotline eingerichtet. Damit gieße die FPÖ nur weiter Öl ins Feuer, kritisierten etwa die Neos. Bemängelt wurde auch, dass am Telefon keine speziell geschulten Mitarbeiter sitzen. "Wir verstehen die Hotline als Ergänzung zur bestehenden Extremismus-Hotline des Familienministeriums, manche Anrufe werden auch dorthin verwiesen", sagt Gudenus. Zwei Fälle wurden am die Polizei weitergeleitet. Viele (der oft anonymen) Anrufer würden aber einfach nur ihren Frust abladen. Nachdem anfangs die Leitungen wegen Scherzanrufen heiß liefen, zähle man derzeit rund zwölf Anrufe pro Tag.

Wenig gut in der Stadtregierung kommen auch Gudenus’ außenpolitische Auftritte als Vizebürgermeister an – etwa als er zuletzt bei einer Sicherheitstagung in Belgrad gegen die "Islamisierung Europas" wetterte.

"Hier verwendet Gudenus seinen Amtstitel, um Werbung für die FPÖ zu machen", heißt es aus einem Stadtrat-Büro. Nichtsdestotrotz will Gudenus schon demnächst weitere Einladungen aus ost- und südosteuropäischen Städten annehmen.

Zuvor gilt es aber noch etwas profanere Konflikte mit der Stadtregierung zu lösen: Bis heute wartet Gudenus vergeblich auf eine offizielle städtische eMail-Adresse und eine Visitenkarte mit Wappenprägung, wie sie auch die amtsführenden Regierungsmitglieder haben.

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