Die Handgranate exsplodierte in der Odoakergasse 27 in Ottakring.

© Deutsch Gerhard

Das Geständnis
04/11/2014

Handgranaten-Mord war lang geplant

Mutmaßlicher Haupttäter fühlte sich von "den beiden Trotteln" bei Diesel-Deal ausgenutzt.

von Ricardo Peyerl

Der Handgranaten-Mord vom 11. Jänner in Wien-Ottakring war von langer Hand vorbereitet. Motiv: Der Streit um die Aufteilung der fetten Gewinne aus illegalen Diesel­geschäften. Das ergibt sich aus den Protokollen der Einvernahmen mit dem mutmaßlichen Haupttäter Kristijan H., die dem KURIER vorliegen.

Die späteren Opfer Zlatko N., 45, und Waldemar W., 57, hatten Diesel von Deutschland nach Österreich geholt und ohne Abfuhr der Mineralölsteuer an kleinen Tankstellen verkauft. Kristijan H. kümmerte sich um das Onlinesystem beim Finanzamt (um nicht so schnell aufzufliegen) und bekam von den binnen Monaten erzielten 700.000 Euro Gesamtgewinn für etwa 40 Tankwagenladungen rund 120.000 Euro, den Rest teilten sich N. und W. auf.

Streit ums Geld

Es gab ständig Streit ums Geld, die beiden anderen verdächtigten H., für sich etwas abzuzweigen. Als sich der 34-Jährige aus dem Geschäft zurückzog, wurde er seinen Angaben nach von den beiden anderen bedroht und aufgefordert, 160.000 Euro zurückzuzahlen. Man werde seiner Frau und seinem einjährigen Sohn etwas antun und ihn bei Finanz und Zoll anzeigen.

Im Dezember 2013 fasste H. den Entschluss, N. und W. zu ermorden. Zuerst dachte er an Salzburg als Tatort (wo er wohnte) und an eine Autobombe mit Plastiksprengstoff, dann ließ er sich von seinem Freund Dejan V. eine Rohrbombe besorgen. "Nachdem ich die Wirkung gegoogelt habe und keine Unbeteiligten verletzen wollte" (aus der Vernehmung), gab er die Bombe zuerst seiner Schwiegermutter und dann seinem Vater zur Aufbewahrung.

Schließlich besorgte er sich im Heimatort des Vaters in Kroatien zwei Handgranaten zum Preis von je 300 Euro und lagerte sie bei seiner Schwester Renata. Um N. und W. "zu einem geeigneten Ort für den Mord zu locken" erfand H. ein Dieselgeschäft und gab Dejan V. als Abnehmer namens "Eddy" aus.

In der Nacht auf den 11. Jänner brachte er seine Frau und seinen Sohn im Hotel Kempinski in Wien unter, schabte die Spitzen der Projektile eines von V. organisierten Revolvers ab, "um die Wirkung zu verstärken." Dann steckte er Revolver und Handgranaten ein und fuhr mit V. und seiner Schwester zum Treffpunkt mit den Geschäftspartnern. H. stieg zu ihnen in ihren BMW X 5 und dachte, "dass die beiden Trottel mit den illegalen Geschäften 400.000 Euro verdient haben, ich kam mir ausgenutzt vor." Plötzlich habe er den Revolver in der Hand gehabt und zwei Mal auf Zlatko N. geschossen, der furchtbar laut geschrien habe. "Irgendwie nahm ich die Handgranate aus der Jackentasche und zog den Splint heraus."

Er warf die Granate Richtung Waldemar W., sprang aus dem Wagen, riss den daneben stehenden Dejan V. mit (der durch die Explosion verletzt wurde), dann fuhren sie mit Renata in deren Wagen weg. Irgendwann tauchte die Polizei hinter ihnen auf, schaltete sogar Blaulicht ein, überholte sie aber nur. Verhaftet wurden die drei erst Anfang April.

Dejan V., der von Marcus Januschke und Ernst Schillhammer verteidigt wird, will "einfach aus Freundschaft" zum Tatort mitgefahren sein. Von dem geplanten Mord habe er nichts gewusst.

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