Der Tatort in der Odoakergasse in Wien-Ottakring.

© Deutsch Gerhard

Ermittlungen
04/08/2014

Handgranatenmord: Motiv wird immer konkreter

Hintergrund sollen illegale Diesel-Geschäfte gewesen sein. Über die drei Verdächtigen wurde die U-Haft verhängt.

von Michael Berger, Raffaela Lindorfer

Sonntagabend verhängte der Haftrichter über die drei Verdächtigen des Wiener Handgranaten-Mordes die U-Haft. Bei der zuvor durchgeführten Einvernahme war nur noch der Haupttäter, Kristijan H. (34) geständig. Er soll Zlatko N. (45) erschossen und den deutschen Staatsbürger Waldemar W. (57) mit einer gezündeten Handgranate getötet haben. Beide Männer saßen in dem BMW in der Odoakergasse in Wien-Ottakring.

Seine Schwester Renata H. (42) und der Serbe Dejan V. (29) zogen indes ihre Teilgeständnisse zum Doppelmord vom 11. Jänner zurück. Tenor: "Wir wussten nicht, dass es zu diesem Blutbad kommen hätte sollen."

Kristijan H. gestand auch, die in einem Keller in Wien-Landstraße gefundene Rohrbombe versteckt zu haben. Er wollte sie anstatt der Handgranate am 11. Jänner zum Einsatz bringen. Warum er sich schließlich für die Granate entschied, blieb unbeantwortet. Die Staatsanwaltschaft Wien gibt sich bedeckt.

Auch weil das vermutete Motiv des Doppelmordes – illegale Dieselgeschäfte – immer konkreter wird. So ist bekannt, dass der getötete deutsche Staatsbürger W. einen Handel mit Schmier- und Treibstoffen betrieb. Im BMW konnten, wie berichtet, Kanister sichergestellt werden. Dem Vernehmen nach soll W. verschiedenen Spediteuren in Österreich illegal importierten Diesel angeboten haben. Es dürfte einen Zeugen geben. Von Rotterdam aus soll W. den Diesel nach Österreich gebracht, aber weder Umsatz- noch Mineralölsteuer abgeführt haben. Somit kam ihm der Liter Diesel um 49 Prozent billiger. Allerdings ist die kriminelle Konkurrenz – wegen der hohen Margen – unerbittlich.

Scheinfirma in Salzburg

Auch Kristijan H. soll Geschäfte mit Diesel und Brennstoffen betrieben haben, heißt es aus seinem Umfeld. Der 34-jährige Salzburger war bis vor zwei Jahren Jugendtrainer beim SV Grünau. "Er hat sich damals zurückgezogen, weil er sich auf den Aufbau eines Handelsgewerbes konzentrieren wollte. Er ist viel herumgereist", sagt Norbert Bauer, Obmann des Fußballvereins, der mit H. bis zuletzt in freundschaftlichem Kontakt stand.

Neben Diesel-Geschäften haben H. und der Tote Zlatko N. noch etwas gemeinsam: Ihre Firmenadressen in Wals-Siezenheim, beides mutmaßlich Scheinfirmen. Für die Gebäudereinigungsfirma von H. wurde im Februar ein Konkursverfahren eingeleitet.

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