Chronik | Wien 13.03.2014

Diesel-Mafia im Visier der Kripo

Der Granaten-Anschlag vom 11. Jänner kostete zwei Männern das Leben. Die Täter sind flüchtig. © Bild: Deutsch Gerhard

Tankstellen entlang der Lkw-Routen unter Beobachtung.

Das Kriminalrätsel rund um die in einem BMW X5 explodierte Handgranate in der Odoakergasse 27 in Wien-Ottakring verlangt von den Kriminalisten minutiöse Kleinstarbeit. Wie berichtet, wurde in der Nacht zum Samstag, den 11. Jänner, Zlatko N., 45, durch Kopfschüsse in dem SUV regelrecht hingerichtet. Der bulgarisch-stämmige Familienvater war in Mondsee (OÖ) Gemeinderat. Ein deutscher Staatsbürger, der in dem BMW am Beifahrersitz aufgefundene Waldemar W., 57, kam durch die Explosion der Handgranate ums Leben.

Die laufenden Ermittlungen bestätigten jetzt, dass beide Männer Geschäftspartner waren. Neben der Spedition Trans Norix KG in Wals-Siezenheim (Sbg.) hat Zlatko N. ein weiteres Transportunternehmen (GNR s.r.o.) in Bratislava geleitet. Mit einem Innviertler (Name der Redaktion bekannt) hat er eine Million Slowakische Kronen (ca. 33.000 Euro) als Stammkapital in diese GmbH eingebracht. Gesichert ist, dass die Lkw in Spanien, Deutschland, Österreich, Ex-Jugoslawien und Bulgarien unterwegs waren. Aktuell legen die Ermittler Zeit-Weg-Diagramme an, um die Routen der Fahrzeuge zu belegen. Dabei liegt ein Fokus auf den Tankstellen.

Steuerhinterziehung

Denn in dem BMW wurden mehrere unbenutzte Benzinkanister sichergestellt. Diese wurden laut Kripo in einem Baumarkt in Salzburg nahe des Firmensitzes der Trans Norix gekauft. Womit der in die Luft gesprengte Waldemar W. in das Zentrum der Erhebungen rückt. Denn gegen den Deutschen lief seit Dezember 2013 ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung in der Höhe von etwa 700.000 Euro. Er soll von Rotterdam aus Mineralöl nach Österreich gebracht haben, und dieses, ohne Steuern abzuführen, an Tankstellenbetreiber entlang der Lkw-Routen verkauft haben.

Somit recherchieren Kriminalisten im Bereich der international tätigen Diesel-Mafia. Denn die Kopfschüsse und die kaltblütige Granaten-Sprengung deuten in Richtung Mafia. Dem oder den Tätern ist es dadurch gelungen, in dem BMW so gut wie alle verwertbaren Spuren vollständig zu vernichten.

Erstellt am 13.03.2014