Die Österreichische Nationalbank

© dapd/Ronald Zak

Cyber-Angriff
09/13/2016

Hacker attackierten Österreichische Nationalbank

Türkische Gruppe hatte schon den Angriff auf den Flughafen Wien-Schwechat gestartet.

von Michaela Reibenwein, Dominik Schreiber

Eine türkische Hackergruppe hat ihre Drohung wahr gemacht: Nachdem sie vor eineinhalb Wochen den Flughafen Wien-Schwechat angegriffen hatten, attackierten sie Freitagnacht die Österreichische Nationalbank. Doch auch diesmal hielt sich der Erfolg in Grenzen. "Unsere Website war kurzfristig nicht verfügbar. Die Hacker hatten aber keinerlei Zugang zu unseren sensiblen Daten", bestätigt Nationalbank-Sprecher Christian Gutlederer.

Millionen Mails

Das Hacker-Kollektiv mit dem Namen Aslan Neferler hatte Attacken gegen österreichische Institutionen angekündigt – als Vergeltung für die "anti-türkische Politik" Österreichs. Beide Male griffen sie am Freitag Abend mit DoS-Attacken an – wenn die meisten IT-Techniker im Wochenende sind.

Und sie fuhren erneut große Geschütze auf: "Das war der größte Angriff seit drei Jahren", sagt Gutlederer. Mit fünf Millionen Mails pro Minuten versuchten die Angreifer, den Server in die Knie zu zwingen. Dennoch habe keine Gefährdung bestanden.

Gutlederer: "Wir sind sehr gut gegen solche Angriffe geschützt, IT-Sicherheit hat bei uns höchste Priorität." Cyber-Angriffe gebe es jede Woche. Die österreichische Nationalbank dürfte übrigens nicht die einzige gewesen sein, die die Hacker im Visier hatten. Zeitgleich sollen auch weitere europäische Notenbanken und österreichische Firmen angegriffen worden sein. Auch in diesen Fällen ohne Erfolg, wie es hinter vorgehaltener Hand heißt.

Türkische Nationalisten

Die türkischen Nationalisten haben auch diesmal ihren "Erfolg" auf diversen sozialen Netzwerken vermeldet. "Der Zugang zur österreichische Zentralbank wurde für eine Weile von uns gesperrt. Die Angriffe werden weiter zunehmen", vermeldeten sie. Höhnischer Nachsatz: "Ihr könnt uns beim Innenministerium melden." Gemeint ist der Verfassungsschutz. Der ermittelt nämlich nach dem Angriff auf den Flughafen Wien Schwechat. Auf KURIER-Anfrage wusste man dort von der jüngsten Hacker-Attacke allerdings noch nichts.

Was die türkischen Hacker antreibt, ist in erster Linie ein Vorfall vom 1. September: Damals musste eine British-Airways-Maschine auf dem Weg von Istanbul nach London in Wien wegen technischer Probleme notlanden. Ein Großteil der 249 Passagiere wurde über Nacht in Hotels untergebracht. Doch 49 türkische Staatsangehörige durften den Flughafen nicht verlassen – sie brauchen für die Einreise nach Österreich ein Visum.

British Airways

Zwar gibt es bei derartigen Fällen die Möglichkeit, Not-Visa auszustellen – dem müssen aber die Fluglinie und der Flughafen zustimmen. In dem Fall ließen die British Airways das nicht zu. Die 49 gestrandeten Passagiere mussten die Nacht auf dem Flughafen verbringen und konnten erst am Nachmittag darauf weiterfliegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Hacker in Erscheinung treten – auch der deutsche Grün-Politiker Cem Özdemir geriet bereits in ihren Fokus. Nachdem er kritische Aussagen über den Völkermord an den Armeniern durch die Türken im Jahr 1915 tätigte, wurde die Homepage des Politikers lahmgelegt.

Auch armenische Regierungsseiten hatten die Cyber-Kriminellen schon angegriffen. Ebenso brüsten sie sich mit Attacken auf belgische Behörden, die Hacker-Kollegen von Anonymous und auf die Seite des rechten holländischen Politikers Geert Wilders. Unklar ist, ob die Computer-Kriminellen eine Rückendeckung der aktuellen Machthaber haben. Zumindest wirken sie wie ein verlängerter Arm der Regierung.

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