Chronik | Wien
27.11.2018

Grüne Spitzenwahl: Wie die Zweite zur Nummer 1 wurde

Peter Kraus hatte im Wahlverfahren lange die Nase vorne, Birgit Hebein überholte ihn.

Birgit Hebeins Sieg im Rennen um die grüne Spitze kam für viele unerwartet. Zwar waren der Sozialsprecherin reale Chancen eingeräumt worden, als echte Favoriten galten jedoch Wirtschaftssprecher Peter Kraus und Klubchef Ellensohn. Nach der Auszählung ist klar: Mitverantwortlich für Hebeins Erfolg war das Wahlsystem.

Eine weitere Überraschung hatte bereits der interne Wahlkampf hervorgebracht: Die von vielen befürchtete Schlammschlacht war ausgeblieben. Diese Harmonie will Hebein offenbar fortführen: Köpfe sollen – zumindest vorerst – nicht rollen.

Birgit Hebein ist neue Spitzenkandidatin der Wiener Grünen

Auf die Expertise ihrer unterlegenen Mitstreiter wolle sie nicht verzichten, betonte Hebein am Dienstag: „Wir sind ein Team.“ Ob ihr Konkurrent Ellensohn demnach Rathaus-Klubchef bleibt? „Das werden wir gemeinsam entscheiden“, sagte sie. Diskutieren wird die grüne Fraktion diese Personalfragen bei einer Klausur, die für Dezember angesetzt ist.

Mehrere Wahlrunden

Für Kraus ist die Niederlage insofern bitter, als er die meisten Erststimmen (933) erzielte. Am Beginn der komplizierten Auswertung hatte er daher Platz 1 inne. Hebein lag mit 846 Erststimmen an zweiter Stelle, Ellensohn mit 598 dahinter.

Wie berichtet, hatten die Grünen einen neuen Wahlmodus angewendet: Das Instant-Runoff-System. Die Wähler könnten nicht nur ihren Favoriten auf den Wahlzettel schreiben, sondern auch die anderen vier Bewerber je nach Präferenz reihen.

Bei der Auswertung wurden zuerst die Erststimmen gezählt. Da es im ersten Auszählungsdurchgang keinen Gewinner gab (mehr als 50 Prozent der Stimmen, Anm.), schied jener Kandidat mit den wenigsten Erststimmen aus.

Von diesem bei Seite genommenen Stapel an Wahlzetteln kamen nun die Zweitstimmen zum Zug: Sie wurden je nach Nennung den verbliebenen Bewerbern als Erststimme zugerechnet.

Dieses Prozedere wurde so lange wiederholt, bis der Sieger feststand – am Montag brauchte es dazu vier Runden. Zuerst schied die Ärztin Marihan Abensperg-Traun aus, dann der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan – gefolgt von Ellensohn. Erst die Aufteilung der Reihung von dessen Wählern brachte die Wende: Kraus kam im Finale auf 1138 Stimmen, Hebein auf 1244.

Ihren ersten großen Auftritt vor den eigenen Parteifreunden hat die neue Spitzenkandidatin übrigens am Samstag. Bei der Landesversammlung der Wiener Grünen wird sie ihren weiteren Fahrplan vorstellen.

Die neue Spitzenkür

Der Wählerkreis

Stimmberechtigt waren erstmals  nicht nur 1548 Parteimitglieder, sondern auch 1849 Grün-Affine, die sich gegen Zahlung von 15 Euro registriert hatten.

Das Ergebnis

Gewählt wurde per Brief,  rund 2500 Personen haben  ihre Stimme abgegeben. Für Kurzentschlossene wurde am Montag ein Wahllokal eingerichtet. Die Auszählung startete um 17 Uhr und dauerte bis spätabends.