Chronik | Wien
20.08.2018

Grüne Kandidatenwahl: Konkurrenz für Peter Kraus lauert

Bewerbung von Klubchef Ellensohn ist absehbar, Bundesrätin Dziedzic könnte folgen.

Einen fixen und einen inoffiziellen Bewerber als grüne Nummer eins gibt es bereits. Der Gemeinderat Peter Kraus machte schon am Sonntag öffentlich, dass er sich als Spitzenkandidat für die nächste Wien-Wahl bewirbt. Lediglich als Frage der Zeit gilt, bis das auch Klubchef David Ellensohn tut. Die beiden könnten allerdings noch weibliche Konkurrenz bekommen – wohl aber nicht von Maria Vassilakou.

Heute, Montag, startete das neue Auswahlverfahren zur Kür des Spitzenkandidaten – den erstmals nicht nur Parteimitglieder, sondern alle Stadtbewohner, die sich online registrieren, mitwählen dürfen.

Akribisch hat sich drauf offensichtlich der 31-jährige Kraus vorbereitet. Denn er machte seine Kandidatur per professionellem Online-Video öffentlich – mit dem er den langjährigen Klubobmann Ellensohn, der offenbar nichts Derartiges in petto hat, kalt erwischt hat. „Die Grünen brauchen eine Veränderung – vor allem was die inhaltliche Aufstellung betrifft“, deutet Ellensohn gegenüber dem KURIER seine Kandidatur an.

Äußern wolle er sich frühestens am Mittwoch, betont er. Da gerade alle Aufmerksamkeit auf Kraus gerichtet ist – am Dienstag, findet im Ateliertheater der Auftakt seiner Kampagne statt – bleibt Ellensohn strategisch gesehen auch nichts anderes übrig.

 

Um die innerparteiliche Beziehungspflege hat sich Ellensohn etwas besser gekümmert. Dem Vernehmen nach hat er die Hand in Richtung der Heumarkt-Gegner rund um City-Klubchef Alexander Hirschenhauser ausgestreckt, indem er seinen Einsatz als Klubchef für die Hochhaus-Widmung ihnen gegenüber als Fehler bezeichnete.

Neue Frontfrau?

Die Wunschkandidatin der Parteirebellen heißt aber Ewa Dziedzic. Die grüne Bundesrätin und Sprecherin der Grünen Frauen Wien hält sich derzeit noch bedeckt: „Ich möchte bis Mitte der Woche eine Art Erklärung abgeben.“ Gegenüber Parteifreunden zeigte Dziedzic bisher wenig Ambitionen auf eine Kandidatur. Aber: „Sie tritt an, wenn sie nur genug Leute fragen“, sagt ein Insider. Und das tun laut Dziedzic viele.

Im Weg stehen könnte ihr, dass sie aufgrund enden wollender Beliebtheit innerhalb der Grünen im Bundesrat „geparkt“ worden sein soll. Dziedzic selbst rechnet jedenfalls mit genug Unterstützung: „Sonst würde ich ja nicht überlegen.“

Ihre Kandidatur würde wohl insofern goutiert werden, als sich die Grünen traditionell für sichtbare Frauen stark machen – und die bisherige Front-Frau Maria Vassilakou eher nicht mehr zur Verfügung steht. Dass sie sich nicht bewirbt, ließ sie bei Parteifreunden bereits durchklingen, wie zu hören ist. Offiziell befindet sie sich noch in einem „Nachdenkprozess“, erklärt ihr Sprecher.

Nach Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen hatte Vassilakou im vergangenen Herbst das Ruder zwar noch herumreißen können. Statt Köpferollen einigte sich die Landesgruppe auf eine Parteireform. Über die Hintertür wurde damals wohl der Weg für eine Übergabe an ihren Vertrauten Kraus geebnet. Denn die neue Spitzenwahl – das erste Reform-Ergebnis – ist auf ihn zugeschnitten, heißt es aus grünen Parteikreisen.

Mit anderen Worten: Aus Sorge, dass er bei den Mitgliedern alleine keine Mehrheit erreichen könnte, wurden die neuen, registrierten Wähler geschaffen.