Chronik | Wien
13.08.2018

Glaubensgemeinschaft verbietet radikalem Imam das Predigen

IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun verurteilt radikale Predigten und kündigt interne Untersuchungen an.

Ein "präventives Predigtverbot" verhängt die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) über einen jener drei Vortragenden, die in der Favoritner Attaysir-Moschee mit radikalen Predigten auffielen. Wie der KURIER berichtete, ist auf Handyvideos zu sehen, wie sich drei Prediger – Sheik El-Said F., Aiman M. und besagter Zakaria M. – positiv über einen islamischen Staat und Salafismus äußern. Letzterer hetzt zudem gegen "Ungläubige". Christen zu kirchlichen Festen zu gratulieren, sei etwa „haram“ – also verboten. „Es ist wie die Niederwerfung vor dem Kreuz. Für Allah schlimmer als Alkohol trinken oder töten“, sagt der auch innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) höchst umstrittene Zakaria M.

Der Verfassungsschutz nahm bereits Ermittlungen auf, die FPÖ erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Nun nimmt auch IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun Stellung. Er hielt sich Ende vergangener Woche, als mehrere Medien über den Missstand berichteten, im Ausland auf und war ebenso wenig für ein Statement erreichbar wie seine beiden Vizepräsidenten.

"In den Moscheen, die der islamischen Glaubensgemeinschaft zugeordnet sind, darf es zu keinen radikalen Aussagen kommen", stellt Olgun am Montag klar. Die Glaubensgemeinschaft habe bereits "entsprechende Schritte eingeleitet" und Zakaria M. ein präventives Predigtverbot erteilt, bis die genauen Umstände abgeklärt seien.

Obwohl die betreffende Moschee zur IGGÖ gehört, handle es sich bei M. um keinen bei der IGGÖ offiziell gemeldeten Imam. Das deckt sich mit Aussagen eines IGGÖ-Insiders vom vergangenen Freitag. Diesem zu Folge habe die Attaysir-Moschee kaum eigenes theologisches Personal, sondern lade regelmäßig Gastprediger ein. Zu den Gläubigen sprechen dürfe, wer gerade Zeit habe, berichtet der Insider.

"Könnte aus dem Kontext gerissen sein"

"Auf den ersten Blick gibt es aber auch Diskrepanzen, was die Übersetzung der jeweiligen Aufnahmen betrifft", sagt nun Olgun. (Bei den KURIER-Recherchen stellte sich das allerdings nicht so dar. Zwei Arabisch-sprechende Wiener bestätigten die Korrektheit der Übersetzung.) Außerdem handle es sich um Ausschnitte, "die entsprechend zugeschnitten wurden und daher aus dem Kontext gerissen sein könnten." Dazu versichert der Präsident der IGGÖ: "Wir werden das gesamte Videomaterial sichten und den Sachverhalt umfänglich ermitteln. Sollten radikale Inhalte, Äußerungen und Tendenzen tatsächlich festgestellt werden und sich die Vorwürfe erhärten, wird die Glaubensgemeinschaft sofort reagieren und als logische Konsequenz derjenigen Person ein dauerhaftes Predigtverbot in allen IGGÖ-Moscheevereinen erteilen."

In diesem Zusammenhang weist Olgun darauf hin, dass die IGGÖ derzeit an einem österreichischen Ausbildungsprogramm für Imame arbeitet. Eines der zentralen Ziele sei es, "dass Imame, die unsere Moscheevereine betreuen, auch in Österreich ausgebildet werden. In der Ausbildung sollen neben religiösen Inhalten natürlich auch demokratische Grundwerte und Menschenrechte ihren Platz finden. Die Umsetzung wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, jedoch sind wir davon überzeugt, dass dies der richtige Weg für die Zukunft ist."