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Chronik | Wien
03/18/2019

Giftkrimi in Wien: 190 Justiz-Beamte müssen zum Harntest

Die Mitarbeiter der Justizanstalt Wien-Simmering sollen auf Spuren des toxischen Antimon untersucht werden.

Zwei Jahre nachdem in der Justizanstalt Graz-Karlau sechs Wachebeamte Besorgnis erregende Rückstände des giftigen Halbmetalls Antimon in ihrem Körper aufwiesen, hat der Giftkrimi das Gefängnis Wien-Simmering erreicht. Ein zweiter Bluttest hat die Vergiftung bei einem der Mitarbeiter nun bestätigt.

Wie vom KURIER berichtet, wurde im Blutkreislauf des Betroffenen mit 43,5 Mikrogramm Antimon pro Liter der medizinische Grenzwert um mehr als das 40-fache überschritten. Aus Sicherheitsgründen werden nun alle 190 Mitarbeiter der Strafanstalt zum Harntest gebeten, bestätigt die Sprecherin des Justizministeriums, Britta Tichy-Martin. Was mit den 450 Insassen des Gefängnisses passiert, ist noch nicht entschieden.

Antimon ist ein krebserregendes Halbmetall, bereits die Einnahme von 200 Milligramm kann für den Menschen tödlich enden. Erstmals Bekanntschaft hat man in Justizkreisen mit der Substanz 2017 gemacht, als in Graz-Karlau einige Wachebeamte positiv darauf getestet wurden. Weil die meisten von ihnen auch Schießtrainer waren, führte man die Belastungen auf Rückstände der bleihaltigen Munition zurück. Bei einer Überprüfung des Schießkellers der Anstalt durch einen Sachverständigen wurden allerdings keine erhöhten Antimonwerte festgestellt. „Der Fall wurde niemals aufgeklärt. Man hat die Sache einfach einschlafen lassen und es fand keinerlei Ursachenforschung mehr statt“, so ein betroffener Justizbeamter.

Daran änderte sich auch nichts, als ein Wachebeamter und Schießtrainer aus Wien-Simmering – nachdem er an Schlafstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und starkem Husten litt – positiv auf Antimon getestet wurde, heißt es von Seiten der blauen Personalvertretung (AUF). Der Mann wurde damals nicht einmal krank geschrieben und später in ein anderes Gefängnis versetzt – seine Werte sind mittlerweile in Ordnung.

Ständige Ermüdung

Der neue Vergiftungsfall betrifft allerdings dieselbe Abteilung wie damals. Die Beschwerden des Betroffenen sind ähnlich, der Mann klagt außerdem über ständige Ermüdung. Er befindet sich seit ein paar Tagen im Krankenstand.

Der Arbeitsmediziner der Justizanstalt informierte per Brief die gesamte Belegschaft. Was die Ursache für die Belastung betrifft, wird seither nur spekuliert. Da die Abteilung der Justizanstalt unmittelbar an einen Schrottplatz grenzt, wurde dies vom Arbeitsmediziner als mögliche Quelle der Kontamination genannt. „Direkt neben dem Fenster einiger Abteilungen lagern Tonnen alter Bremsbeläge, Bremsscheiben und ein riesiger Haufen eines unbekannten Pulvers. Metallischer Feinstaub aus Bremsbelägen gilt als krebserregend. Das ist eine Gefahr für die Mitarbeiter und die Gefangenen“, heißt es von Seiten der blauen Gewerkschaft.

Laut Britta Tichy-Martin können sich nun alle Bediensteten des Gefängnisses auf Kosten des Dienstgebers testen lassen. „Außerdem wird ein Büro für Ziviltechnik beauftragt Überprüfungen durchzuführen“, erklärt die Sprecherin. Ob in weiterer Folge auch die körperliche Verfassung der Haftinsassen überprüft wird, ist im Justizministerium noch nicht entschieden.