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Chronik Wien
01/28/2021

"Gegen soziale Kälte": Vollmond-Schwimmen in der Seestadt

Am späten Donnerstagabend wurde in der Seestadt gegen "soziale Kälte" demonstriert. Die Teilnehmer schwammen dafür im kalten Wasser.

von Nina Oezelt

Der Trend der Randsportart „Eisschwimmen“ (Wassertemperatur unter 5 Grad) hält auch oder vor allem im Lockdown an.

Mitverantwortlich dafür ist Josef Köberl. Der 44-jährige Extremsportler steht dem österreichischen Eis- und Winterschwimmverband vor. 2018 waren es noch 50 Eisschwimmer österreichweit, heuer sind es bereits Tausende.

Schwimmen in der Seestadt

Eigentlich waren etwa 100 Eisschwimmer angekündigt, wurden aber wohl von dem regnerischen Wetter abgeschreckt. Rund 20 Menschen kamen dann dennoch am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr zu einer angemeldeten Demonstration unter dem Titel „Eisschwimmen gegen soziale Kälte“ zusammen. Bei 3 Grad Außentemperatur und 1 Grad Wassertemperatur schwammen sie dafür im Asperner See in der Seestadt. 

Vor Ort war auch der Samariterbund, um für die Sicherheit der Teilnehmer zu sorgen. Eine Frau erlitt ein Blackout und konnte sich nicht mehr erinnern, wo sie ihr Auto abgestellt hatte. Josef Köberl selbst sorgte dafür, dass sie sicher nach Hause kam. Die Polizei war ebenfalls anwesend, um die angemeldete Demonstration zu kontrollieren.

Scheinwerfer am Badeteich

Der künstliche Badeteich wurde mit Akku-Scheinwerfer ausgeleuchtet. Nach einem Rundgang um das Gelände und einer kurzen Begutachtung der Teilnehmer gingen die Eisschwimmer ins Wasser.

"Es ist die einzige Möglichkeit, jetzt mehrere Menschen legal zu versammeln", erklärte Extremsportler Köberl vor Ort. Hinter der Demonstration versteckte sich eben prinzipiell ein Eis-Schwimmevent. Aufgrund der derzeitigen Lockdown-Situation können diese „Schwimm-Veranstaltungen“ sonst nicht stattfinden. Man demonstriere gegen "soziale Kälte", die im Lockdown immer größer werde. Bei der Kundgebung wurden auch etwa 500 Euro an Spenden für das Neunerhaus gesammelt. Der Verein bietet Hilfe für obdachlose Menschen an, die dort Wohnraum und medizinische Hilfe bekommen.

Rund um den See wurde darauf geachtet, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Rund um das Seegelände wurden Masken getragen. Die Teilnehmer erhielten eine Urkunde, bevor das kühle Event zu Ende ging.

Josef Köberl machte sich einen Namen als der "Ice-Man" aus Österreich. Er durchschwamm 2014 den Ärmelkanal. Und brach zweimal den Weltrekord, als Mensch, der am längsten in Vollkörper-Kontakt mit Eis stehen konnte (Longest Duration Full Body Contact With Ice“).

Das erste Mal brach er den Rekord im August 2019 am Hauptbahnhof. Er blieb damals zwei Stunden, acht Minuten und 47 Sekunden in einer Eiskabine. Das zweite Mal verbesserte er seinen eigenen Rekord im September 2020 in Melk. Dabei harrte er zwei Stunden, 30 Minuten und 57 Sekunden in der Eiskabine aus. 

 

Neuer Rekord geplant

Im Dezember brach jedoch der Franzose Romain Vandendorpe in der nordfranzösischen Stadt Wattrelos den Rekord von Josef Köberl (Zwei Stunden, 35 Minuten und 43 Sekunden). Noch dieses Jahr will der "Eis-Mann" den Rekord erneut brechen.

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