Extremsportler Josef Köberl beim Eisschwimmtraining.

© Privat

Chronik Österreich
01/26/2021

Eisschwimmen: Warmduscher sind hier fehl am Platz

Die Eisläufer trauern um nicht zugefrorene Kärntner Seen, die Eisschwimmer freut’s. Eine 61-Jährige und ein Athlet gewähren Einblicke in einen eisigen Sport.

von Anja Kröll

Knapp vor ihrer Sporteinheit erreicht man Anneliese Waldburg am Telefon. „Ich gehe jeden Tag Schwimmen“, erzählt die 61-Jährige. Wer jetzt an einen angenehm temperierten Pool denkt, irrt. Waldburg zieht ihre Runden selbst im Jänner in den Kärntner Seen. „Der Flatschacher See hat momentan etwa drei Grad“, berichtet die Eisschwimmerin.

Während die Eisschwimmer über die nicht zugefrorenen Gewässer jubeln, herrscht unter den Eisläufern auf Kärntens Natureisflächen trübe Stimmung. Die warmen Temperaturen machen Kufenspaß fast unmöglich.

Rund 1.000 Eisschwimmer und -bader soll es in ganz Österreich geben. Der wohl berühmteste ist Josef Köberl. Der Extremschwimmer hat schon den Ärmelkanal in der Badehose durchquert und steht dem österreichischen Eis- und Winterschwimmverband vor. „Zur Vorbereitung auf den Ärmelkanal habe ich mit dem Eisschwimmen begonnen“, erzählt der gebürtige Steirer.

Eisiges Schnuppern

Nicht am Ärmelkanal, aber vor dem Schlosshotel in Velden bietet Waldburg wöchentlich am Sonntag Interessierten die Möglichkeit auf eisige Ersterfahrungen. „Wer Eisschwimmen auf eigene Gefahr ausprobieren will, ist herzlich willkommen“, sagt die 61-Jährige. Mitzubringen sei eine Kopfbedeckung, Badebekleidung, sowie warmes Gewand und heiße Getränke für danach. Die gebürtige Kärntnerin will niemanden etwas vormachen: „Man zittert danach verdammt viel.“

Vor drei Jahren erst kehrte Waldburg in ihre Heimat zurück, davor lebte sie 25 Jahre in Ecuador. „Ich habe mich richtig vor dem Winter gefürchtet, als ich aber selbst im Oktober noch im See geschwommen bin, habe ich gedacht, ich schwimme dem Winter einfach entgegen.“ Dies sei auch ihr Tipp für Eisschwimm-Neulinge. Am besten solle man nicht in der ganz kalten Jahreszeit mit seinen ersten Tempi beginnen, sondern bereits im Herbst und „sich dann langsam vortasten. Von zehn Grad Wassertemperatur, auf neun, auf acht und so weiter“.

Extremsportler Köberl empfiehlt vorab einen medizinischen Check. Weitere Ratschläge: Nie allein in eisigen Gewässern unterwegs sein, für den Notfall eine Boje mit sich führen, Haube tragen.

Dass Eisschwimmen gut für die Gesundheit ist, haben mehrere Studien bewiesen. So würden sich die Minusgrade positiv auf Kreislauf, Durchblutung und sogar die Libido auswirken. Das Immunsystem sei durch die blitzartige Abkühlung dazu gezwungen, eigene Reserven so rasch wie möglich in Wärme umzuwandeln. Ähnlich wie bei einer kalten Dusche. Hinzu kommt, das Adrenalin und Endorphine freigesetzt werden. Und: Die Haut bleibt im wahrsten Sinn des Wortes frisch. „Herr Kneipp hat uns im Prinzip alles vorgemacht, was an diesem Sport positiv wirkt“, erklärt Eisschwimmer Köberl.

Das Leben voll spüren

Eisschwimmen ist für die gebürtige Kärntnerin Waldburg deswegen so toll, weil sie das Leben voll spüre. „Ich finde es einen Wahnsinn, was mein Körper alles schafft, wie er sich innerhalb kürzester Zeit erwärmt“, berichtet die begeisterte Barfußläuferin. Und Köberl fügt hinzu: „Das kalte Wasser gibt Energie. Alles Negative fließt raus. Ich möchte nach dem Schwimmen am liebsten jeden Umarmen.“

Schock und Fotos

Wie Außenstehende auf das Hobby reagieren? „Meist mit einem ersten Schock und dann mit dem Handy für ein Foto. Aber die Leute sind interessiert und stellen Fragen“, erzählt die vierfache Mutter Waldburg. Zwei ihrer Söhne würden ebenfalls ihre Leidenschaft teilen. „Die Altersverteilung ist bunt gemischt, es gibt auch einige ältere Damen, die sich durch das Eisschwimmen wohl frisch halten wollen,“, erzählt Waldburg. Ihr Ex-Mann würde mit knackigen 80 Jahren regelmäßig in Wien in die Alte Donau steigen.

Wie lange es die Kärntnerin im kalten Nasse aushält? „Meine Grundregel lautet: Mindestens so viele Minuten, wie das Wasser Grad hat.“ Köberl empfiehlt Neueinsteigern, die Uhr beiseitezulegen. „Es geht darum, die Kälte zu spüren, nicht um die Zeit.“

Und dann kommt ein Geständnis, das bei einer 61-jährigen Frau, die täglich ins Eiswasser steigt, doch zum Schmunzeln anregt: „Aber eines sag ich ihnen. Ich bin ja ein Weichei, weil ich ziehe immer Neopren-Handschuhe zum Schwimmen an.“

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