© Birgit Seiser

Geständnis
11/28/2019

Fünffache Mutter tot: Sohn bat schon vor Mord um Hilfe

Auslöser für die Tat sollen Streitereien wegen der schwierigen finanziellen Situation der Familie gewesen sein.

von Birgit Seiser

Es ist trist in der Katharinengasse 9. Das Wohnhaus in Wien-Favoriten ist heruntergekommen. Hier wurde am Mittwochabend eine Frau getötet. Ein 62-jähriger Familienvater gab zu, seine zwölf Jahre jüngere Ehefrau mit einem Messer erstochen zu haben. Auslöser sollen Streitereien wegen der schwierigen finanziellen Situation der Familie gewesen sein.

Er habe seine Frau aber nicht töten wollen, gab der Mann bei der Polizei zu Protokoll. Die Einvernahme gestaltete sich schwierig, der Mann sprach kaum Deutsch.

Das Paar, das aus Afghanistan stammt, hatte eine große Familie. Vier der fünf Kinder hielten sich während der Bluttat in der Wohnung auf. Das Jüngste kam erst vor drei Wochen zur Welt.

Mädchen holte Hilfe

Die Kinder dürften die Bluttat jedenfalls in Bruchteilen mitbekommen haben. Die 13-jährige Tochter lief zu einer Nachbarin und bat sie verzweifelt um Hilfe. Im Stiegenhaus sind beim KURIER-Lokalaugenschein noch Blutspuren zu sehen, die zur Nachbarwohnung führen.

Ihre Mutter sei schwer verletzt, sagte das Mädchen. Die Wiener Berufsrettung konnte wenige Minuten nach der Alarmierung aber nur mehr den Tod der 50-Jährigen feststellen. Ihr Mann ließ sich von der Polizei widerstandslos festnehmen.

Die Familie war erst vor einem dreiviertel Jahr nach Wien gekommen und lebte seither an der Adresse in Favoriten. Gleich beim Eingang stehen viele Kinderwägen, die nicht in die Szenerie passen wollen. Überall im Haus fehlen Teile der Wände. Durch eingeschlagene Fenster zieht kalte Luft herein. Es ist feucht.

Die Nachbarn, die es sich leisten konnten, haben die alten Gründerzeit-Türen durch Sicherheitstüren ersetzt. Viele andere haben dafür nicht die finanziellen Mittel. Gesprochen wird im Haus kein Deutsch und wenn, dann gebrochen.

Sohn wollte Hilfe

Auch untereinander dürften die Menschen im Haus nicht viel Kontakt haben. Und es schließlich auch die Schule war, die vor der Tat schon einmal Alarm. Laut KURIER-Informationen habe es nämlich eine Gefährdungsmeldung bei der Behörde gegeben. Der 17-Jährige habe laut Andrea Friemel von der Kinder- und Jugendhilfe Wien von Schwierigkeiten in der Familie erzählt. Er habe Hilfe zur Ablösung von den Eltern und für seine berufliche Entwicklung gesucht. Von Gewalt sei aber nie berichtet worden.

  • Kinder- und Jugendhilfe
    Die Einrichtung der Stadt Wien (MA 11) betreibt insgesamt 15 Krisenzentren in verschiedenen Bezirken, an die sich Familien wenden können. Wer Beratung braucht, kann sich beim Servicetelefon melden, unter:   0043 1 4000 80 11 (Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr).
  • Frauenhelpline
    Seit 1998 gibt es in Österreich die Frauenhelpline.  Bei Gewalt in der Familie oder gegen Frauen können Betroffenen rund um die Uhr anrufen. Beratungen auch in Arabisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Englisch, Rumänisch, Türkisch und Ungarisch: 0800 222 555.
  • Frühe Hilfe-Netzwerk
    Aktuell sind 26 Netzwerke der „Frühe Hilfen“ in Österreich beratend und begleitend aktiv.    Entwicklungsmöglichkeiten und Gesundheitschancen von Kindern und Eltern sollen durch die Initiativen verbessert werden. Informationen unter www. fruehehilfen.at.

Die Geschwister der Familie sind 17, 15, 13, zwei Jahre beziehungsweise wenige Wochen alt. Es handelt sich dabei um drei Buben und zwei Mädchen. Sie sind traumatisiert und wurden vorerst in unterschiedlichen Krisenzentren untergebracht.

Der Säugling muss auch medizinisch betreut werden, weil er keine Mutter mehr hat, der ihn versorgen kann. Verletzt wurden die Kinder nicht.

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