Chronik | Wien
11.01.2019

Fünf Wege, den Christbaum loszuwerden: Zum Beispiel aufessen

Die städtischen Sammelstellen sind nur eine Möglichkeit, den Christbaum zu entsorgen: Vom Badesalz bis zum Tannen-Dinner.

Dem Kirchenkalender zufolge dürften sie bis Mariä Lichtmess (2. Februar) stehen bleiben. De facto wird es den meisten Christbäumen, die bis jetzt in den Wiener Wohnzimmern überdauert haben, aber in den nächsten Tagen an den Kragen gehen. 

Denn die 534 städtischen Sammelstellen für ausgedienten Bäume haben nur noch bis Sonntag geöffnet. Es gibt allerdings auch kreative Alternativen.

1. Grünes Badevergnügen

Aus klein geschnittenen Tannen- oder Fichtennadeln und grobkörnigem Meersalz lässt sich etwa auch ein wohlriechender Badezusatz mischen.

500 Gramm Fichtenzweige und vier Liter Wasser ergeben einen duftenden Sud zum Baden. Zutaten aufkochen, dann 20 Minuten zugedeckt weiterköcheln lassen. Anschließend abseihen und ins Badewasser gießen.

2. Den Christbaum essen

Fichten, Tannen und Kiefern können bedenkenlos verzehrt werden. Da Christbäume mit Dünger und Pestiziden behandelt sein können, sind allerdings nur Bio-Bäume für kulinarische Experimente geeignet.

Inspirationen für ein nadeliges Menü können sich neugierige Köche bei der mobilen Bäckerei "The Bread Companion" holen. Sie veranstaltet jährlich die Dinner-Reihe "How to eat your Christmas tree", auf ihrer Website ist ein Rezept für Eis mit Nordmann-Tanne und Ingwer abrufbar. 

Im Netz finden sich viele weitere Christbaum-Rezepte, zum Beispiel für Zander mit Tannen-Rosmarin-Aroma, Fichtennadel-Hollandaise oder Lammkrone auf Fichten-Jus.

Weniger versierte Köche können sich an Tannensalz versuchen. Dazu eine Handvoll Nadeln ca. fünf Minuten bei 180 Grad im Backrohr rösten und anschließend fein mahlen. Einen Teelöffel des Tannenpulvers mit zwei Teelöffeln Salz - und je nach Geschmack mit anderen Gewürzen, zum Beispiel Paprikapulver - mischen. Tannensalz passt zu Fleischgerichten oder Pommes.

Ein Teelöffel Tannen- oder Fichtennadeln mit heißem Wasser aufgegossen ergibt einen Tee, der gegen Husten hilft. Das Gemisch muss ca. zehn Minuten ziehen und schmeckt am besten mit Honig gesüßt. 

3. Waldduft in die Wohnung holen

Tannen- oder Fichtenzweige in eine saubere Flasche stecken und mit neutralem Öl (etwa Oliven- oder Sonnenblumenöl) aufgießen und mindestens fünf Wochen ziehen lassen. Das Öl kann in Duftlampen verdampft werden, eignet sich aber auch als Badezusatz.

Mit Zimtstangen, getrockneten Orangen und Anissternen vermischt ergeben Tannen- und Fichtennadeln ein duftendes und dekoratives Pot­pour­ri.

4. Zurück ins Freie

Garteninhaber decken mit den Zweigen des Christbaums Beete ab und schützen so die Pflanzen vor Frost.

Mit Futterknödeln und -ringen behängt und im Freien aufgestellt, erhält der Christbaum eine Existenz als Futterstelle für Singvögel.

5. Mistplatz

Die Sammelstellen können über den Online-Stadtplan abgerufen bzw. beim Misttelefon unter 01/546 48 erfragt werden. Wer es nicht rechtzeitig dorthin schafft, muss den weiten Weg zum Mistplatz antreten - in der Restmülltonne haben Tanne, Fichte und Co. nämlich nichts verloren.

Mitarbeiter der MA48  liefern die ausgedienten Exemplare an die Wiener Müllverbrennungsanlagen, wo Strom und Fernwärme daraus erzeugt werden. 2017 konnten beispielsweise 2470 Haushalte einen Monat mit der Christbaum-Energie heizen und 1060 Familien einen Monat Strom beziehen. 

Ein Teil der Christbäume wird außerdem zum Festmahl für tierische Stadtbewohner. Etwa für die Ziegenherde, die seit den 90ern auf der Mülldeponie Rautenweg in der Donaustadt lebt und dort als "natürlicher Rasenmäher" dient.

Die Elefanten im Tiergarten Schönbrunn bekommen traditionell ebenfalls eine nadelige Mahlzeit. Sie stammt allerdings nicht von den Sammelstellen der MA 48, sondern vom Schloss Schönbrunn. Der Christbaum vom dortigen Weihnachtsmarkt wird ihnen heute Vormittag vorgesetzt.

Den Baum anstatt bei der Sammelstelle "wild" im nächst gelegenen Park oder auf der Straße zu entsorgen, kann übrigens teuer kommen: Laut Wiener Reinhaltegesetz sind dafür 50 Euro fällig, im Wiederholungsfall drohen eine Anzeige und bis zu 2000 Euro Strafe.