Friedhof Meidling: Diese neuen Angebote gibt es jetzt für Besucher
In erster Linie ist der Friedhof ein Ort der Trauer und der Totenruhe. Er ist aber auch ein Ort der Lebenden, ein Ort der Begegnung und der Erholung. Das gilt umso mehr in einer Großstadt wie Wien, wo er für Menschen und Tiere wertvollen Grünraum darstellt. Schließlich umfassen die 46 von den Friedhöfe Wien betreuten Grabanlagen eine Fläche von 5,2 Quadratkilometern. Zu ihnen gehört auch der Friedhof Meidling. Wie vielfältig sein Raum genutzt werden kann, zeigt das neue Nutzungskonzept, das am Donnerstag vor Ort vorgestellt wurde.
Gleich nach dem Eingang zum neuen Teil des Friedhofs führt der Silent-Walk-Rundweg die Besucher auf eine rund 800 Meter lange Spazierstrecke. Die Allee führt im Halbkreis zwischen den locker in der Wiese gesetzten Grabsteinen und hohen Bäumen an allen Neuerungen vorbei. „Es gibt auch am Zentralfriedhof die Laufstrecke, die so gelegt ist, dass sie für die Besucher nicht störend ist. So haben wir das auch hier gemacht“, erklärt Ulli Sima, Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke. Mit dem neuen Angebot, das bewusst als Walking-Strecke definiert ist, sollen besonders ältere Besucher angesprochen werden. Schließlich ist der durchschnittliche Friedhofsbesucher 68 Jahre alt, wie Renate Niklas, Geschäftsführerin der Friedhöfe Wien sagt. Mehrere Plauderbankerl entlang des Weges laden nicht nur zum Rasten ein, sondern sollen auch bei Einsamkeit und Gesprächsbedarf Entlastung bringen und das Knüpfen neuer Kontakte erleichtern.
Die Silent-Walking-Strecke ist rund 800 Meter lang.
Silent-Fit und Hamster
Entlang der Walking-Strecke gibt es nun auch einen kleinen Fitnessbereich mit inklusiven Trainingsgeräten, darunter beispielsweise ein Balanceboard. „Es gibt hier bewusst keine Kletterstangen, sondern Geräte für Leute, die ihre Mobilität erhöhen wollen. Die Eiben rundherum werden schnell wachsen und einen Sichtschutz bieten“, sagt Niklas.
Direkt hinter dem Silent-Fit-Bereich liegt ein zersägter Baumstamm zwischen Sträuchern in der Wiese. Er ist eine von fünf sogenannten Hamsterinseln, die am Friedhof der hier lebenden Population des streng geschützten Europäischen Feldhamsters Rückzugsräume bieten sollen. Das Wildbienenhaus daneben wird bereits umsummt.
In zwei neuen, von Staketenzäunen begrenzten Friedhofswäldchen wachsen 140 neue Bäume, die auf kleiner Fläche einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas leisten sollen.
Auch das Grabangebot am Meidlinger Friedhof wurde erweitert: In der neuen Strauchgrabanlage ermöglichen 60 Grabstellen für bis zu 120 Urnen eine naturnahe Ruhestätte. Damit ist der Meidlinger Friedhof bereits der zehnte in Wien mit einem Naturgrabangebot. Gleichzeitig bleibt die Strauchgrabanlage die einzige Erweiterung des Grabangebots im neuen Friedhofsteil. Weitere neue Gräber werden dort nicht vergeben, wodurch Raum für zusätzliche Nutzungen und ökologische Maßnahmen entsteht. Platzproblem schafft das jedoch keines, wie der KURIER auf Nachfrage erfährt. Der aktuelle Trend zeigt, dass deutlich mehr Gräber aufgelöst, als neu vergeben werden.
Stadtklima
Das neue Nutzungskonzept des Meidlinger Friedhofs ist Teil der 2020 von den Friedhöfen Wien ins Leben gerufenen Kampagne „Gemeinsam. Sorgsam. Ins Leben“. Diese soll den Umwelt- und Klimaschutz, die Artenvielfalt und das Ressourcenbewusstsein nachhaltig stärken.
Die Bedeutung des Grünraums für das Stadtklima ist immens, wie eine auch am Friedhof Meidling des Austrian Institute of Technology durchgeführte Studie zeigt. Die Areale verfügen über ein Versickerungspotenzial von 70 Prozent und können die Umgebungstemperatur lokal um bis zu drei Grad senken.
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