Nach Förderskandal: Erste Schritte für Kindergarten-Reform

Bettina Emmerling hielt ihre Grundsatzrede tzur Elementarbildung
Negativmeldungen bringen Neos-Bildungsstadträtin Bettina Emmerling unter Zugzwang. In einer „Grundsatzrede“ kündigt sie Reformen an, jedoch ohne konkret zu werden.

Private Kindergärten, die Fördergelder im großen Stil zweckentfremden und immer mehr Schulanfänger, die kaum Deutsch sprechen, obwohl sie einen heimischen Kindergarten besucht haben. Die Missstände in Wiens Bildungseinrichtungen bringen die „Bildungspartei“ Neos unter Druck.

Zu spüren bekam den vor allem Bildungsstadträtin und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling, die den Posten vom jetzigen Bildungsminister Christoph Wiederkehr übernahm. 

Zu den Prüfberichten des Stadtrechnungshofes, die den Fördermissbrauch und das Kontrollversagen der Stadt aufdeckten, schwiegen anfangs beide, Emmerling versuchte gestern mit ihrer „Grundsatzrede“ zur Elementarbildung in die Offensive zu gehen.

Aufräumen mit dem Alten

Zu erwarten sei unter dem Motto „Kindergarten neu denken“ ein mutiger Schritt nach vorne und ein neues Gesamtkonzept, wie zu hören war. Wer tatsächlich Großes erwartete, wurde gestern jedoch enttäuscht. Stattdessen gab es viele Schlagworte und Überschriften.

Dass in die Bildungsdenkfabrik „Education Lab“ im 4. Bezirk statt ins Rathaus geladen wurde, konnte als Zeichen dafür gesehen werden, dass mit alten Strukturen gebrochen werden soll.

Vor voll besetzten Reihen hob Emmerling die Leistung von Elementarpädagoginnen und -pädagogen sowie Wiens hohe Betreuungsquote und die wenigen Schließtage hervor. Trotzdem sei die Zeit gekommen, um über eine Modernisierung nachzudenken.

Wir geben heute den Startschuss für eine umfassende Reform, ohne Denkverbote und Tabus.

von Bettina Emmerling

Neos-Bildungsstadträtin

„Die Wiener Kindergärten stehen vor großen Herausforderungen“, räumte Emmerling ein. Punktuelle Änderungen würden da nicht mehr reichen. Verkündet wurde der Startschuss für eine „umfassende Reform ohne Denkverbote und Tabus“, eine „Neuaufstellung des Systems.“

Umfrage in Kindergärten ab März

Teil der Reform soll ein neuer Bildungsplan sein, inklusive einer Öffnung der Kindergärten für neue Berufsgruppen. Sorgen soll das für eine individuellere Förderung der Kinder sowie Entlastung des Personals.

Das müsse heute nämlich mehr leisten, als noch in der Vergangenheit: Deutsch, Inklusion und Respekt lehren sowie die Betreuung von Kindern mit Fluchterfahrungen, um nur ein paar Aspekte zu nennen. 

Der Kindergarten könne dafür nicht alleine Sorge tragen, warnte sie. Freigespielt werden soll das Personal auch von administrativen Tätigkeiten.

Erarbeitet werden soll der Bildungsplan gemeinsam mit den Pädagoginnen und Pädagogen sowie den Assistentinnen und Assistenten. Ihnen will Emmerling die Wertschätzung geben, die sie verdienen.

Durchgeführt werden soll dafür ab März auch eine groß angelegte Umfrage, die die Bedürfnisse der Berufsgruppe abfragt. Kritiker könnten an dieser Stelle anmerken, dass diese nicht neu und doch längst bekannt sein sollten.

Eltern verstärkt in der Pflicht

Viel zu tun gibt es für Emmerling bei den Sprachkenntnissen der Kinder. Die hohe Zahl an außerordentlichen Schülern, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um dem Unterricht zu folgen, bestätige das.

Auch die engagiertesten Pädagoginnen und Pädagogen stoßen an ihre Grenzen, wenn Bildung zuhause aufhört.

von Bettina Emmerling

zum Ausbau der Elternarbeit

In die Pflicht nehmen will Emmerling dabei verstärkt auch Eltern: „Auch die engagiertesten Pädagoginnen und Pädagogen stoßen an ihre Grenzen, wenn Bildung zuhause aufhört.“ Eltern hätten nicht die Option, sondern die Pflicht, sich hier einzubringen.

Streichung von Förderungen 

Man wolle sie dabei künftig verstärkt unterstützen. Auch bei den Trägern soll genauer hingeschaut werden, ob sie sich ausreichend um Sprachförderung kümmern. Kommen sie dem Auftrag nicht nach, drohen Subventionskürzungen.

Umsetzten will Emmerling auch eine effizientere Verwaltung und eine „komplett neue Förderstruktur. Jeglicher Fördermittelmissbrauch wird geahndet. Die Reform wird uns die nächsten Jahre begleiten und bedarf vieler Gespräche“, schloss Emmerling.

Was sich wann konkret ändern soll, wird auf Nachfrage nicht beantwortet. Kein wirklich großer, aber zumindest der erste Schritt.

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