In Gedenken an Jenni: Hunderte bei Mahnwache für Opfer von Femiziden
Die Mahnwache für Jenni fand am Heldenplatz in Wien statt
Es sind 218 Namen. So viele Frauen sind seit Jänner 2018 – das war der Zeitpunkt des Verschwindens der 21-jährigen Jennifer Scharinger – in Österreich Opfer eines Femizids geworden. "Jede dieser Frauen hatte eine Familie, Freunde, eine Geschichte, einen Namen und eine Zukunft“, erklärt die Sängerin OSKA.
Die Künstlerin hat am Sonntag bei einer Mahnwache und einem Lichtermeer auf dem Wiener Heldenplatz für Jenni und die vielen Opfer von Femiziden gesungen.
Das Leid von Jenni und ihrer Familie
"Ich habe im Jahr 2019 bei Jennis Verabschiedung gesungen. Ein Begräbnis gab es ja nicht. Die Geschichte von Jenni und das Leid ihrer Familie berühren mich, und ich wollte etwas zur Sichtbarkeit beitragen. Weil Jennis Leben kostbar war. Und weil ihr Fall zeigt, dass man mehr hätte tun können. Mehr hätte tun müssen. Für Jenni", so die Künstlerin.
Am Sonntag war auch Jennis Mutter Brigitta Scharinger am Heldenplatz, um ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.
Mahnwache für Jenni am Sonntag
Skelett im Wald
Acht Jahre nach ihrem mysteriösen Verschwinden sind am vergangenen Montag die sterblichen Überreste von Jennifer Scharinger – einer 21-jährigen Jus-Studentin aus Hollabrunn – auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel entdeckt worden.
Ihr heute 32-jähriger Ex-Freund, der als dringend Tatverdächtiger jahrelang im Visier der Mordermittler stand, hat gestanden, Jenni im Jänner 2018 in ihrer Wohnung in Brigittenau erwürgt zu haben.
Gesellschaft ist gefragt
Die Leiche versteckte er anschließend in einem Grüngürtel in Großweikersdorf (Bezirk Tulln), bevor er die Tote ins Waldviertel brachte. Dort blieb ihre Leiche bis diese Woche unentdeckt. Eine Initiative, die Jennifer Scharingers Geschichte und Schicksal von Anfang an verfolgte, wollte mit der Mahnwache und dem Lichtermeer am Heldenplatz auf die vielen Opfer von Femiziden aufmerksam machen und der Frauen gedenken.
"Wir wollen den Angehörigen zeigen, dass wir als Gesellschaft so ein Verhalten nicht dulden und dass wir Veränderung brauchen. Jeder Femizid ist einer zu viel“, heißt es vonseiten der Initiative, die recherchiert und die 218 Namen der Opfer auf Plakaten verewigt hat.
Rosa Logar, die Gründerin des ersten Frauenhauses in Österreich, hat bei der Mahnwache in Erinnerung gerufen, dass es eine ganze Reihe von Einrichtungen und Anlaufstellen gibt, die Frauen Schutz und Hilfe bieten, falls ihnen Gewalt widerfährt.
Kommentare