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Amtsmissbrauch-Verdacht
06/23/2014

Fall Kampusch: Auf eigene Faust ermittelt

Polizist wollte an die DNA eines Schulkindes herankommen.

Ein Wiener Polizist wollte im Entführungsfall Natascha Kampusch berühmt werden, ermittelte auf eigene Faust und überschritt dabei sämtliche Grenzen. Der 63-Jährige ermittelte illegal in einer Volksschule, um das haltlose Gerücht zu beweisen, wonach Kampusch in ihrer Gefangenschaft ein Kind bekommen habe. Seit Montagfrüh steht der suspendierte Beamte in Wien wegen Amtsmissbrauchs und Urkundenunterdrückung vor Gericht.

Der Polizist stellt gar nicht in Abrede, seine Amtsgewalt missbraucht zu haben. Laut Staatsanwaltschaft wollte er Anfang 2012 im Bezirk Mödling an die DNA eines Mädchens gelangen, um zu überprüfen, ob es sich dabei um die leibliche Kampusch-Tochter handle. Mit dem DNA-Beweis hätte er sich als "kleiner Inspektor" einen Namen machen und ein "Mediengetöse" auslösen wollen, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Der Polizist war Anhänger der These, Wolfgang Priklopil sei kein Einzeltäter gewesen. Mit dem "neuen Beweis" wollte der 63-jährige Angeklagte weitere Ermittlungen ins Rollen bringen, und beweisen, dass dieses Kind von Mittätern von Wolfgang Priklopil sexuell missbraucht werden würde.

Kontakt mit Rzeszut

Ein Auslöser für die illegalen Aktionen des Polizisten war ein Kontakt mit dem pensionierten Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Johann Rzeszut. Der war damals Mitglied einer Evaluierungskommission, die Versäumnisse im Entführungsfall Kampusch nachgehen sollte. Rzeszut zweifelte die Einzeltätertheorie an und unterstellte Kampusch eine verheimlichte Schwangerschaft.

"Wirklich tätig geworden" sei der Polizist aber erst nach einem Vortrag eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten, der dabei über zahlreiche Ungereimtheiten in dem Fall berichtete. Zunächst ermittelte er in einer Wiener Klinik, wo das Kind auf die Welt gekommen war. Nachdem der Polizist herausfand, dass Kampusch nicht die Mutter des Kindes sein konnte und ein Vater bei der Geburt nicht angegeben wurde, versuchte er an die DNA des Kindes heranzukommen.

In einer Volksschule versuchte er an ein Taschentuch des Kindes zu gelangen. Das flog auf. Im Prozess, der im August fortgesetzt wird, wird Ex-Präsident Rzeszut nicht aussagen. Ihm droht in der Causa Kampusch selbst ein Verfahren. Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage.

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