Wien
03/04/2016

Experte Sebastian Kummer fordert U7 und U4-Verlängerung

Neue U-Bahn könnte von der Erzherzog-Karl-Straße zum Hauptbahnhof verlaufen.

von Julia Schrenk

"Wien braucht ein bis zwei weitere U-Bahn-Linien." Mit dieser Aussage im Donnerstag-KURIER erregte Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwissenschaft an der WU Wien, viel Aufsehen. Aber ist der Ausbau des bestehenden Netzes überhaupt notwendig?

Ja – sagt zumindest Kummer. Er hält zwar den von der Stadt Wien geplanten Bau der U5 (in der ersten Stufe vom Karlsplatz bis zum Alten AKH, später bis zum Elterleinplatz) und die Verlängerung der U2 (über Neubaugasse, Pilgramgasse und Bacher Platz zum Matzleinsdorfer Platz) für "sehr sinnvoll", diese Maßnahmen seien aber nicht ausreichend. Laut Kummer habe das Wiener U-Bahn-Netz nicht genug Kapazitäten. Die Wiener Linien müssten ihre Kapazitäten steigern, die Netzplanung müsse für 2,5 Millionen Menschen erfolgen.

U4 über ÖBB-Schienen

"Eine neue U-Bahn-Linie in die Donaustadt wäre sinnvoll, weil die Stadt dort stark wachsen wird", sagt Kummer. Konkret kann er sich vorstellen, dass die U7 von der Erzherzog-Karl-Straße im 22. Bezirk über die Krieau, die U3-Stationen Rochusgasse oder Kardinal-Nagl-Platz bis zum Hauptbahnhof führt. "Um Kosten zu sparen, könnte man über die Donau auch die U2 nutzen", sagt Kummer.

Darüber, wo eine U8 verlaufen könnte, ist er sich noch unschlüssig, nur: "Die U6 muss entlastet werden."

Handlungsbedarf sieht der Verkehrswissenschaftler auch wegen der Pendler aus Niederösterreich: "Der Speckgürtel wächst. Vor allem die Pendler, die über den Westen Wiens kommen, sind eine Herausforderung." Deshalb schlägt Kummer vor, die U4 sowohl nach Purkersdorf als auch nach Klosterneuburg zu verlängern. Allerdings müsse hier nicht unbedingt neu gebaut werden: "Man könnte die bestehenden ÖBB-Schienen nutzen."

Bei den Wiener Linien zeigt man sich ob der Aussagen des Verkehrswissenschaftlers verblüfft. "Wir haben zum Beispiel erst vor eineinhalb Jahren die Intervalle der U6 von drei auf zweieinhalb Minuten verkürzt und damit Kapazität für 20 Prozent mehr Fahrgäste geschaffen", sagt Sprecher Dominik Gries. Er verweist auch auf die Entlastung der Buslinie 13A mit dem Umstieg von normalen auf Gelenksbusse.

Öffi-Paket

Und: "Mit dem Ausbau der U5 und der Verlängerung der U2 entlasten wir nicht das angeblich überlastete Netz, sondern wir bauen das Angebot aus", sagt Gries.

Auch die für die Öffis zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) sagt: "Ich tue mir schwer, die Vorschläge zu kommentieren, weil ich nicht weiß, auf welcher Grundlage sie basieren. Die Kapazität der U-Bahn ist ausreichend. Wir investieren jedes Jahr 500 Millionen Euro in die Öffis. Das macht keine andere europäische Stadt."

Sima kann nicht nachvollziehen, warum Kummer eine Netzplanung für 2,5 Millionen Menschen fordert: "Laut unseren Prognosen wächst Wien bis 2030 auf zwei Millionen Einwohner an. Aber Herr Kummer ist herzlich eingeladen, uns seine Unterlagen zu übermitteln." Auch im Büro von Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) will man die Vorschläge nicht kommentieren. Man verweist auf das geplante Öffi-Paket. Demnach ist geplant, vor allem die bestehenden Straßenbahnlinien zu verlängern. "Man darf den Blick nicht immer nur auf die U-Bahn richten. Genauso wichtig ist der Ausbau des Straßenbahnnetzes und die Attraktivierung der S-Bahn."

Beifall für die Vorschläge Kummers kommt von der Wiener ÖVP: "Wir fordern seit jeher den Ausbau der U-Bahn bis an die Stadtgrenzen und darüber hinaus", sagt Landesparteiobmann Gernot Blümel.