Chronik | Wien
29.11.2018

Nach U6-Vorstoß: "Ess- und Trinkverbot in allen Öffis"

Fahrgastvertreter wollen Pizza und Döner aber auch Limo und Kaffee verbannen und fordern Ausbau der Digitalanzeigen.

In der U6 ist das Essen bereits verboten, im neu besetzten Fahrgastbeirat der Wiener Linien kann man sich aber noch strengere Regelungen vorstellen.

15 Jahre lang war Verkehrsexperte Hermann Knoflacher das Sprachrohr der Fahrgäste. Am 1. Jänner folgt ihm nun Josef Michael Schopf, pensionierter Professor für Verkehrsplanung und -technik an der TU Wien, als Vorsitzender des Fahrgastbeirats nach.

Die aktuelle Regelung des Essverbots, leuchtet ihm jedenfalls nicht ein: „Ich fände es vernünftig, wenn es in allen Fahrzeugen gelten würde“, sagt er im KURIER-Interview. Immerhin sei es wahrscheinlicher, im Bus im Zuge eines überraschenden Bremsmanövers den Kaffee seines Gegenübers abzubekommen als in der U-Bahn. Davon abgesehen seien Geruchsbelästigung und Verunreinigungen in allen Öffis dieselben.

Auch seien Fahrgastbeschwerden wegen zu lauter Musik in den Öffis an den Beirat herangetragen worden. Ein entsprechendes Lautstärkenlimit würde er daher unterstützen. Schopf stellt aber klar: „Das müssten wir im Beirat erst diskutieren.“

Schnittstelle

Eingerichtet wurde das 16-köpfige Gremium 2003 als Schnittstelle zwischen Fahrgästen und Unternehmen. Erstere können so ihre Anliegen einbringen, die von den Wiener Linien behandelt werden. Und Letztere haben ein Ohr an der Kundschaft – was helfe, das Angebot weiter zu verbessern. Unter Knoflachers Ägide wurden einige Veränderungen umgesetzt, die auf Initiativen des Fahrgastbeirats zurückgehen. Zum Beispiel die Neuordnung der Ringlinien 1, 2 und 71, der Ausbau elektronischer Fahrgastinformationssysteme (das Anzeigen der Minuten bis zur Abfahrt des nächsten Fahrzeugs), spezielle Durchsagen für blinde Fahrgäste sowie Kampagnen für mehr Sauberkeit.

Wünsche

Obwohl die Wiener Linien „schon viel umgesetzt“ hätten, sieht Schopf weiteres Verbesserungspotenzial. Nicht zuletzt, was die Bekanntheit des Fahrgastbeirats betrifft. Diesen gelte es, mehr zu bewerben. Auch, weil dessen Mitglieder unter den Fahrgästen als Multiplikatoren dienen könnten.

 

Zudem strebt Schopf die bestmögliche Information an. Der Verkehrsplaner legt großen Wert auf Innovationen punkto Digitalisierung und will Mobilitäts-Apps forcieren. Wünschenswert seien auch „multimodale Haltestellen“ – also Stationen, an denen den Öffi-Fahrgästen ergänzende Fahrzeugarten, wie zum Beispiel Leihfahrräder zur Verfügung gestellt werden. Mit den beliebten E-Scootern kann sich Schopf dagegen kaum anfreunden.

Bei größeren Vorhaben, wie etwa der Einführung des Essensverbots in der U6 oder auch der Routensuche für den 13A, müssten die Kunden zeitgerecht in den Entscheidungsprozess eingebunden werden, meint Schopf. Der Fahrgastbeirat könne dann als Korrektiv tätig sein und Empfehlungen aussprechen.

Der arbeitet übrigens ehrenamtlich. Die einzigen Belohnungen, die die acht Frauen und acht Männer bekämen, seien „eine Suppe nach den Sitzungen und eine Weihnachtsfeier“.