Chronik | Wien
16.08.2018

Nicht nur U6: Wiener Linien verhängen generelles Essverbot

Nicht nur die U6 ist betroffen. Ab 15. Jänner wird das Essverbot auf alle Linien ausgeweitet.

Man werde kleinen Kindern "nicht das Keksi aus der Hand reißen", sagt Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Prinzipiell wird Essen in der Wiener U-Bahn demnächst aber generell untersagt. Gemeint ist nicht nur stark riechendes Fast Food, wie Kebab, Pizza, Burger oder Leberkäs'semmeln, sondern wirklich alles Essbare. Zunächst wird der Verzehr von Speisen ab Anfang September in der am stärksten belasteten U6 verboten. Und ab 15. Jänner wird der Essensbann dann auf alle weiteren Linien ausgeweitet.

Damit werde man dem Wunsch der Fahrgäste gerecht, die in den vergangenen Tagen online über die Maßnahme abstimmen konnten, erklärten Sima und Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer am Donnerstag vor Journalisten. Insgesamt nahmen 51.216 Personen am Voting teil, 37.453 davon plädierten dezidiert für ein Essensverbot auf allen Linien. 28.431 sprachen sich für die Verbannung aller Speisen aus der U6 aus. Hauptmotive seien zum einen die Geruchsbelästigung, zum anderen die Verunreinigung von Sitzen und Zugsböden durch Saucen, Salate und Essensreste.

Noch keine Strafen

Eine Weltneuheit ist das Verbot freilich nicht. In Berlin, Hamburg oder auch Singapur sind Speisen in der U-Bahn schon seit Langem untersagt. Für die U6 ist es nach Klimatisierungs- und Deo-Offensive sowie dem neuen Leitsystem auf Bahnsteigen aber bereits die dritte Neuerung binnen kürzester Zeit.

Bekannt machen werde man das Novum mittels Durchsagen und Plakaten auf den Bahnsteigen und in den U-Bahnen, kündigt Sima an. Zudem werden Mitarbeiter der Wiener Linien darauf hinweisen. Strafen seien in der ersten Phase zwar noch keine vorgesehen - man setze viel mehr auf eine Schärfung des allgemeinen Problembewusstseins. Für alle Zeiten ausgeschlossen seien Konsequenzen bei Missachtung aber nicht. Über die Höhe einer möglichen Geldstrafe möchten sich Sima und Steinbauer noch nicht auslassen. Ein Strafausmaß, wie etwa bei Ignorieren des Rauchverbots sei aber eine Möglichkeit, erklärt der Wiener-Linien-Chef. Wer die Hausordnung des Verkehrsunternehmens ignoriert, muss derzeit mit 50 Euro Pönale rechnen.

Ebenfalls verboten ist in der Wiener U-Bahn (schon seit Längerem) auch der Konsum alkoholischer Getränke. Auf Bim und Bus werde das Essensverbot jedenfalls nicht ausgeweitet.

Protest an "Simas Verbotspolitik" kommt von den Wiener Neos. „Mit dem absoluten Essverbot in den Wiener U-Bahnen greift Stadträtin Ulli Sima die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger erneut an und schränkt sie massiv ein", meint Christoph Wiederkehr, designierter Klubobmann von NEOS Wien. Dass es grundsätzliche Richtlinien im Miteinander brauche, sei klar – hier aber ein generelles Verbot zu erlassen, gehe aber definitiv einen Schritt zu weit. „Dieses Verbot ist nicht zu Ende gedacht, es entspricht beispielsweise nicht den heutigen Lebensrealitäten vieler Berufstätiger und nimmt auch keinerlei Rücksicht auf Kinder und ihre Bedürfnisse. Diese unerträgliche Sima-Verbotspolitik muss gestoppt werden“, sagt Wiederkehr.