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Feiern im ESC-Village: „Wien hat sich selbst übertroffen“

Hunderte Menschen kamen am Finaltag zum Rathausplatz zum Public Viewing. Vom Regen ließ sich keiner die Stimmung vermiesen.
ESC Finale Wien 2026 Rathausplatz Fans

Von Franziska Trautmann

Schon Stunden vor dem großen Finale des Eurovision Song Contests drängen sich zahlreiche Menschen am Wiener Rathausplatz vor zur Bühne, um die Musik zu genießen. Neben alten ESC-Klassikern spielt es aktuelle Lieder aus dem heurigen Jahr. Vor allem das österreichische Lied „Tanzschein“ von Cosmó kommt gut an, zwischen den Tischreihen und Essensständen tanzt die Menge mit.

Darunter auch die 27-jährige Justine mit ihren drei Freunden. Sie sind aus Australien für den ESC nach Wien gekommen. „Wir lieben das Lied von Cosmó, aber unser Favorit ist Australien“, sagt Justine. Sie sind am Rathausplatz, um das Finale beim Public Viewing zu verfolgen. „Die Stimmung hier ist großartig. Wien hat sich selbst übertroffen.“ Besonders die liebevollen Details, wie die mit Flaggen geschmückten Straßenbahnen seien ihnen aufgefallen. Die Tage verbringen sie damit, neue Freundschaften mit Menschen aus anderen Ländern zu knüpfen. „Es geht darum, trotz aller Unterschiede zusammenzukommen.“

Rathausplatz Reportage ESC 2026 Wien Finale

Diese Freundesgruppe ist extra aus Australien angereist.

Glitzerjacken im Regen

Ein paar Meter weiter stehen Sophie und Geo. Sie haben sich für das Eurovision-Village extra aufgestylt. Mit Glitzerjacken tanzen sie in der Menge mit. „Wir lieben den Eurovision Song Contest, wir schauen ihn schon seit unserer Kindheit“, erzählen sie. Sie sind aus Großbritannien angereist. „Früher haben wir es immer mit unseren Müttern geschaut, da schwingt Nostalgie mit“, sagt Sophie.

Lange bleiben sie aber nicht, denn sie zählen zu den Glücklichen, die Tickets für das heutige Finale in der Wiener Stadthalle im 15. Bezirk ergattern konnten. Ihre Favoriten sind Finnland und Australien, die Länder sind in den Quoten auf den ersten beiden Plätzen. Trotz des leichten Regens zeigen sich die Fans freudig. Unter den überdachten Bereichen finden viele Schutz – trinken, essen und feiern weiter.

Rathausplatz Reportage ESC 2026 Wien Finale

Polnische ESC-Fans mit Ferto-Hauben.

„Ferto-Haube“

An einem Tisch sitzen Bartosz und Andrzej aus Polen. Beide haben eine orangene Haube mit dem Wort „Ferto“ auf – das diesjährige Lied von Griechenland. Sie seien große Fans des Lieds, sagt Bartosz. Sie sind seit Freitag hier und lieben die Stimmung in Wien. „Es ist fantastisch, mit so vielen Leuten feiern zu können.“ Für die beiden steht der ESC seit Jahrzehnten für Gemeinschaft. „Ich schaue den Song Contest seit 26 Jahren, das ist für mich mittlerweile ein Fixpunkt“, sagt Andrzej.

Auch für Verena und Miriam ist der ESC mittlerweile Pflichtprogramm, diesmal aber zum ersten Mal live. Sie sind aus Deutschland angereist. „Wir haben uns heute extra schick gemacht“, sagen die beiden.

Mit ihren bunten Hosen, pinken Regenjacken und glitzerndem Make-up ziehen die beiden Damen fast mehr Aufmerksamkeit auf sich als die auftretenden Künstler. Dieses Jahr haben sie aber keinen Favoriten: „Wir sind einfach für den ESC, egal wer gewinnt.“ Denn ihnen, so wie vielen anderen am Rathausplatz, sei insbesondere die Musik und das gemeinsame Feiern wichtig.

Mitgesungen

Immer mehr verwandelt sich der Rathausplatz in einen riesigen Karaoke-Saal. Zu ESC-Klassikern wie „Fairytale“, „Waterloo“ oder „Wadde hadde dudde da“ singt die Menge lautstark mit. Auch bei den heurigen Liedern „Fire“ von Deutschland und „Ferto“ von Griechenland bleibt niemand stumm. Menschen in Regenponchos tanzen zwischen den Essensständen, fast jeder trägt eine Flagge oder einen Schal seines Heimatlandes. Selbst im angrenzenden Park verfolgen Fans das Geschehen auf großen Bildschirmen. 

Beccy ist zum ersten Mal mit ihrer Familie aus Griechenland live beim ESC dabei. „Ich schaue den ESC seit meiner Kindheit“, erzählt sie. Seit Donnerstag verbringt die Familie ihre Tage beim Eurovision Village und verfolgt am Abend das Public Viewing am Rathausplatz. Besonders hofft Beccy auf einen Sieg Griechenlands, das spiegelt auch ihr dekorierter Tisch wider. Eine große Griechenland-Flagge liegt auf dem Tisch, umrandet von ESC-Schals. Die Familie selbst hat „Ferto“-Hauben auf, Glitzer und kleine herzen mit der griechischen Flagge zieren ihre Wangen. Die strengeren Sicherheitsmaßnahmen rund um das Village empfindet Beccy trotz kleiner Umstände als sinnvoll: „Die No-Bag-Policy ist ein bisschen kompliziert, aber berechtigt. Man fühlt sich sicher.“

Begeistert von Wien

Seit 2015 reisen Matthias, Frank und Boris aus Deutschland jedes Jahr zum Eurovision Song Contest – damals ausgelöst durch den Sieg von Conchita Wurst 2014. „Seitdem bemühen wir uns immer dabei zu sein“, erzählen sie. Heuer zeigen sie sich besonders begeistert von Wien: „Die Stadt hat unglaublich viel für uns Fans gemacht. Das ist alles nicht selbstverständlich.“ Für sie verkörpert das Motto „United by Music“ genau den Geist des ESC: „Es geht nicht um Politik, sondern darum gemeinsam zu feiern und Musik zu genießen.“ Ihre Favoriten sind Australien, Finnland und Zypern. Angezogen sind sie aber in den Farben der Deutschland-Flagge. Mit farbigen Sakos und glitzernden Hosen machen sie Stimmung mit ihren Plüsch-Mikros in der Hand. Die Outfits haben sie sich extra für heute gekauft. Nach dem Public Viewing des Finales soll der Abend für die drei noch nicht vorbei sein: „Heute wird bis zum Ende zelebriert – danach gehen wir noch in den Euroclub.“ Der findet im Praterdome im 2. Bezirk statt. 

Mit glitzernden Sternenkronen stehen Marina und Julia mitten in der Menge. Die beiden stammen ursprünglich aus der Ukraine, leben mittlerweile aber in der Schweiz. Für den ESC haben sich mit ukrainischen Freunden extra in Wien getroffen. Für die beiden hat der Song Contest längst Tradition: „Jedes Jahr warten wir darauf, es ist uns sehr wichtig dabei zu sein.“ Die Sternenkronen tragen sie bewusst als Symbol für die Ukraine und erinnern damit an einen früheren ESC-Auftritt aus dem Jahr 2007. Auch sie bleiben bis zum Ende am Rathausplatz: „Danach gehen wir kaputt vom ganzen Feiern nach Hause.“ 

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