Favoriten ist für Strache kein gutes Pflaster mehr.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Chronik Wien
11/26/2020

Erster Bezirksrat tritt aus dem Team HC Strache aus

In Favoriten zeigt das Team HC nur einen Tag nach der Angelobung der Bezirksvertretung bereits Auflösungstendenzen.

von Bernhard Ichner

Das war's mit dem Klubstatus für das Team HC Strache (THC) in Favoriten. Wie der KURIER bereits vorige Woche in Aussicht stellte, stolpert die nur mehr auf Bezirksebene existente Kleinpartei des ehemaligen Vizekanzlers Heinz Christian Strache im 10. Bezirk über einen internen Streit um den Posten des Klubobmanns. Nach der konstituierenden Sitzung der Bezirksvertretung am Mittwochabend, bei der beide THC-Bezirksräte ihr Mandat angenommen hatten, trat am Donnerstag einer der beiden - Ex-FPÖ-Bezirksrat Wolfgang Cadilek - aus der Partei aus.

Da Cadilek sein Mandat jedoch nicht zurücklegt und wilder Abgeordneter bleibt, kann das THC keinen anderen Bezirksrat nachnominieren. Der zweite Mandatar - Ex-FPÖ-Gemeinderat Günter Kasal - bleibt damit als einsamer THC-Bezirksrat in Favoriten übrig. Zur Gründung eines Klubs wäre zumindest ein zweiter Bezirksrat nötig.

"Gebrochene Versprechen"

Grund für seinen Parteiaustritt seien gebrochene Versprechen, erklärt Cadilek. Strache und die Parteiführung hätten "keine Handschlagqualität": „Vor der Wahl war mit HC ausgemacht, dass Kasal das Mandat in Favoriten nur annimmt, wenn wir den Bezirksvorsteher oder einen Stellvertreter schaffen. Wegen seiner Gemeinderat-Erfahrung, hat es geheißen.“

Nun habe sich Kasal aber auch ohne derartigen Wahlerfolg zum Obmann erklärt – ohne von der restlichen THC-Bezirksorganisation gewählt worden zu sein, zürnt Cadilek. Weil es ihm "nur um die Gage des Klubobmanns" gegangen sei. Der Unmut im Bezirk sei deshalb groß. Daher treten mit Cadilek auch die beiden ehemaligen THC-Bezirksrätinnen Maria Fuchs und Ilse Weber aus der Partei aus.

Die Gage sei ihm egal, kontert Kasal. Und zum Klubobmann erklärt habe er sich auch nicht, behauptet er. Er sei bloß der Überzeugung, dass der, der das meiste für die Partei arbeite, auch Klubobmann sein sollte.

THC verliert kein Geld

Finanziell hat das aber keine Auswirkung auf die wirtschaftlich angeschlagene Kleinpartei, die den Einzug in den Gemeinderat (und somit den Bezug einer Klubförderung) bei der Wien-Wahl mit 3,27 Prozent der Wählerstimmen klar verfehlte. Die Parteienförderung richtet sich bloß nach dem prozentuellen Bezirksergebnis, aber nicht nach der Anzahl der Bezirksräte. Insgesamt rechnet THC-Generalsekretär Christian Höbart Wien-weit mit 230.000 bis 250.000 Euro pro Jahr.

Mittel, die man dringend brauche - zum einen müsse ein Kredit, der zur Deckung von Wahlkampfkosten aufgenommen wurde, getilgt werden, sagt Höbart. Zum anderen zahle man noch Miete für ein kleines Parteibüro in der Dorotheergasse, wo sich ein einziger verbliebener Mitarbeiter mit der Parteikommunikation beschäftige. Die Parteiführung inklusive Strache sei nur noch ehrenamtlich aktiv.

Die beiden einzigen finanziellen Verlierer sind Kasal und Cadilek. In Ermangelung eines Klubs, dem man vorsitzen könnte, gibt's auch keine Klubobmann-Gage - immerhin 1420,20€ brutto monatlich. Beiden bleibt nun das Gehalt eines Bezirksrats: 463,90€ monatlich. Wegen der Gage wären sie aber ohnehin nicht Bezirksrat geworden, erklären Kasal und Cadilek. Es gehe einzig um die politische Arbeit.

Ursprünglich schaffte das THC bei der Wien-Wahl 17 Bezirksräte sowie Klubs in Favoriten, Meidling, Floridsdorf, in der Donaustadt und in Liesing. Jetzt sind es 16 Bezirksräte und vier Klubs.

 

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