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Wiener Notquartier
03/04/2016

Erste Flüchtlinge ziehen nach Liesing

Am Donnerstag übersiedelten die ersten 51 Asylwerber. Gegner bereiten Petition vor.

von Bernhard Ichner

Es ist nicht Wiens größte Flüchtlingsunterkunft. Die Notquartiere in der Vorderen Zollamtsstraße und im Geriatriezentrum Hietzing sind größer. Zurzeit gibt es aber keine Einrichtung dieser Art, die in der Stadt umstrittener wäre, als die in der Liesinger Ziedlergasse. 750 Asylwerber sollen hier maximal untergebracht werden – zumindest einmal bis März 2017. Kritiker befürchten allerdings, dass sich das ehemalige Bürogebäude in "ein zweites Traiskirchen" verwandeln könnte. Am Donnerstag zogen die ersten 51 Flüchtlinge ein. 20 davon sind Kinder.

Noch im März folgen 270 bis 300 weitere Personen. Mit der Vollbelegung ist spätestens im Mai zu rechnen. Um den Sorgen der Anrainer gerecht zu werden, richteten die Johanniter, die die Ziedlergasse in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariterbund betreiben, eine Hotline ein (0676/83 112 842).

Die Flüchtlinge, die am Donnerstag einzogen, waren bis dato in einem Quartier in der Mariahilfer Straße untergebracht. Hauptsächlich sind es Familien mit Kindern – aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

Ihr Einzug erfolgte zwar "nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion", wie Robert Brandstetter, Bundesgeschäftsführer der Johanniter, betont. An die große Glocke hängen wollte man ihre Ankunft aber auch nicht. Einerseits, "um die Privatsphäre der Schutz Suchenden zu respektieren". Andererseits wohl auch, um den Kritikern des Asylquartiers keine Angriffsfläche zu bieten.

Protestkundgebung

Wie berichtet, gibt es in Liesing massive Widerstände gegen das Projekt. Die Bürgerinitiative um Anrainerin Doris Cuchy sammelte mit Unterstützung der FPÖ bis dato mehr als 6500 Unterschriften gegen die Unterbringung der Flüchtlinge. (Ende März soll die Petition der Stadt vorgelegt werden.) Die Freiheitlichen organisieren zudem am 14. März eine Protestkundgebung am Liesinger Platz. Eine Pro-Flüchtlings-Gegendemo ist ebenfalls bereits angekündigt.

Seitens der Johanniter versucht man, zu beruhigen. Bei voller Belegung des Hauses würden 56 hauptberufliche Mitarbeiter sowie Zivildiener und Ehrenamtliche die Flüchtlinge betreuen. Zudem sei rund um die Uhr ein Security-Dienst für die Ein- und Ausgangskontrolle zuständig.

"Wir haben Erfahrungen aus anderen Flüchtlingsquartieren – dort gab es so gut wie keine disziplinären Probleme", erklärt Robert Heindl, Geschäftsführer der Wiener Johanniter. Daher teile man die Sorgen der Anrainer zwar nicht – man müsse sie aber ernst nehmen.

Dennoch sei man von der Emotionalität der Debatte überrascht worden, gibt Brandstetter zu. Denn in Wien-Neubau und in Währing, wo die Johanniter mitten in dicht besiedelten Gebieten 100 bzw. 200 Flüchtlinge unterbrachten, habe es keinerlei Aufregung gegeben. Und auch keine Probleme.

Die Asylwerber selbst zeigen für die Besorgnis der Bevölkerung zum Teil durchaus Verständnis. "Wäre ich noch zu Hause und kämen Flüchtlinge zu uns, wäre ich auch verunsichert", sagt Yassir Sheikhomar, der mit seiner Frau und fünf Kindern mehr als vier Jahre lang vor den Schrecken des Krieges in Syrien über den Libanon und Ägypten bis nach Österreich flüchtete. "Die Angst", meint er, "würde bei mir so lange anhalten, bis der, der da kommt zeigt, wie gut er sich integrieren kann."

Wien ist zurzeit übrigens das einzige Bundesland, das die Flüchtlingsquote erfüllt. Am Freitag waren 21.300 Asylwerber in der Grundversorgung untergebracht.

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