Vandalismus: Die eben fertig sanierte Engel-Statue wurde beschmiert.

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Wien
05/25/2014

Erneut Farbbeutel-Anschlag auf die Karlskirche

Rufe nach Videoüberwachung werden laut. ÖVP-Bezirksrat will Resolutionsantrag dazu einbringen.

von Nihad Amara

Johannes Pasquali vom Verein „Freunde und Gönner der Wiener Karlskirche“ gibt sich kämpferisch. „Morgen, Montag, beginnen wir wieder mit der Restaurierung.“
Zum zweiten Mal wurde die Wiener Karlskirche zu einem Tatort: Unbekannte schleuderten am Samstag gegen 23.45 Uhr mit grauer Farbe befüllte Ballons – laut Pasquali waren es Kondome – gegen die Mauern des Gotteshauses beim Resselpark in Wien-Wieden. Zeugen gab es keine.

Am Sonntag bot sich den Touristen ein getrübtes Postkarten-Bild von einem der beiden weiß-leuchtenden Engel, die die Steintreppe zum Gotteshaus flankieren. Nach dem ersten Anschlag dauerte die Sanierung bis vor wenigen Tagen an. Nun sind erneut Farbflecken zu sehen.

Von den Täter fehlt wie im ersten Fall noch jede Spur. Unbekannte hatten damals vom 2. auf den 3. Mai mit gelber Lackfarbe, Sprays und Teer einen Sachschaden in der Höhe von 17.000 Euro angerichtete. Für die Reinigung der beiden Statuen musste ein Spezialist anrücken. Damals hinterließen die Unbekannten einen Spruch an der Wand: „Auf Repression folgt Widerstand“, war zu lesen.

Abends menschenleer

Pasquali, der auch ÖVP-Bezirksrat in Wien-Wieden ist, glaubt, dass der abends menschenleere Standort geradezu zu solchen Aktionen einlade. Er will Mitte Juni einen Resolutionsantrag für eine Videoüberwachung des Gotteshauses in der Bezirksvertretungssitzung einbringen. „In und rund um die Passage hängen 69 Kameras. Die Kameras könnten im Verbund mit den Wiener Linien und der Polizei betrieben werden“, erklärt der 38-Jährige.

Eine dieser Kameras dürfte die Verdächtigen gefilmt haben. Polizei-Sprecher Thomas Keiblinger bestätigt aber nur, dass „die Video-Überwachung in der Umgebung ausgewertet wird“.

Die Erzdiözese Wien war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Heuer kam es vermehrt zu Vandalenakten in oder auf Gotteshäuser. Erst im März hatte ein 37-Jähriger mehrere Kirche verwüstet und 150.000 Euro Schaden verursacht. Die Diözese kündigte deshalb „diskrete Maßnahmen“ zum Schutz von Einrichtungen an.