© Georges Schneider

Chronik Wien
09/30/2020

Erbe der Rothschilds: Der nächste Gerichtskonflikt

Enkel Geoffrey R. Hoguet will endlich Einsicht in die Akten.

von Martin Gebhart

Bedingt durch die Corona-Krise war es in den vergangenen Monaten um den Konflikt des Rothschild-Erben Geoffrey R. Hoguet (69) mit der Stadt Wien ruhig geworden. Doch jetzt kommt wieder Fahrt in den Kampf um die „Nathaniel Freiherr von Rothschild’sche Stiftung“, die die Nervenheilanstalt am Rosenhügel in Wien errichtet hat. Die Stadt will mithilfe einer Expertenkommission die Vergangenheit der Stiftung untersuchen. Der in New York lebende Rothschild-Enkel will mit einer Beschwerde an das Landesverwaltungsgericht erreichen, dass die 2017 neu gestalteten Statuten der Stiftung geändert werden.

In einer Videokonferenz erläuterte nun diese Woche Geoffrey R. Hoguet die nächsten Schritte. So wurde von der Rechtsanwaltskanzlei Hauser Partners bereits ein 80 Seiten dicker Schriftsatz am Landesverwaltungsgericht eingebracht. Die entscheidenden Punkte darin: Geoffrey R. Hoguet war an den neuen Statuten nicht beteiligt gewesen, „obwohl er in diesem Verfahren Parteistellung genießt“. Weiters unterliege die Rothschild’sche Stiftung nicht dem Wiener Landes-Stiftungs- und Fondsgesetz, sondern dem Bundesstiftungsgesetz. Die Nervenheilanstalt wäre von den Vorfahren für alle Österreicher, nicht nur für die Wiener errichtet worden. Und nicht zuletzt wären bei den Satzungsänderungen im Jahr 2017 Bestimmungen der Rothschild’schen Stiftung nicht eingehalten worden.

Im Hintergrund schwingt immer der Verdacht mit, dass die Stadt Wien seit dem Jahr 1956 – damals wurde die Stiftung nach dem Zweiten Weltkrieg wieder errichtet – daran arbeitet, sich dieses Rothschild-Erbe einzuverleiben. Auf den Plan getreten ist Nachfahre Geoffrey R. Hoguet aber erst im Vorjahr, als der Verdacht bestand, dass der Rosenhügel einer neuen Verwertung zugeführt werden soll.

Name verschwunden

Im Vorjahr hatte sich das Bezirksgericht Hietzing damit zu beschäftigen. Da forderte der Rotschild-Enkel, dass der Stifterwille seines Urgroßvaters wieder hergestellt wird. Dazu zählt, dass wieder ein Kuratorium gemäß den Vorgaben des Stifters eingesetzt wird. Mit Persönlichkeiten sowie Vertretern der Stadt Wien und des Landes Niederösterreich.

Zu dieser Verhandlung gibt es noch keinen Spruch der Richterin. Es sollen auch seitens der Stadt Unterlagen nicht geliefert worden sein.

Was der zuständige Stadtrat Peter Hacker (SPÖ) aber in die Wege geleitet hat: Eine Expertenkommission, der unter anderem Oliver Rathkolb, Roman Sandgruber und Ilse Reiter-Zatloukal angehören, wird die Geschichte der Stiftung untersuchen. Allerdings nur bis zum Jahr 1956.

Deswegen erwartet sich Geoffrey R. Hoguet nichts Entscheidendes davon. Ihm gehe es mehr darum, endlich in die Akten – Bilanzen, Protokolle, Abrechnungen etc. – nach 1956 Einsicht nehmen zu können. Die hält die Stadt noch immer zurück. Für den Rothschild-Enkel auch der Grund, dass er bisher Gesprächsangebote der Stadt ausgeschlagen hat.

Was ihn noch ärgert: Als er bei seinem Wien-Besuch über den Rosenhügel spazierte, musste er feststellen, dass der Name Rothschild fast überall entfernt worden ist.

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