Probleme bei Polizei-E-Funkstreifen: "Völliger Ersatz unmöglich"

Polizei, Feuerwehr und Rettung testen seit Jahren Elektro-Fahrzeuge. Doch die Mobilitätswende bei Blaulicht-Organisationen scheitert momentan an teilweise kuriosen Details.
46-197591513

In den Jahren 2023 und 2024 starteten Feuerwehr, Rettung und Polizei die Blaulicht-Mobilitätswende. Es wurden testweise insgesamt rund 30 Elektro-Fahrzeuge angeschafft - vom Löschfahrzeug bis zum Polizei-Porsche

Doch die Probleme erweisen sich als groß. Die Wiener Rettung und die Feuerwehr setzen bei aktuellen Neueinkäufen ausschließlich auf Verbrenner, das Innenministerium verlängerte einen laufenden Test um ein weiteres Jahr.

Elekto-Löschfahrzeuge für Feuerwehr sind extrem teuer 

Blaulicht und Elektro führen weiterhin eine komplizierte Beziehung, wobei die Schwierigkeiten sehr unterschiedlich sind. Für die Feuerwehr sind vor allem die Kosten abschreckend. Aktuelle E-Löschfahrzeuge kosten über eine Million Euro, das doppelte bis dreifache eines herkömmlichen Verbrenners.

46-197817942

Feuerwehr-E-Löschfahrzeuge sind extrem teuer 

"Nach mehr als zwei Jahren Einsatz unserer Elektro-Löschfahrzeuge – überwiegend auf den Hauptfeuerwachen Döbling und Floridsdorf - konnten zahlreiche wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden", erklärt Jürgen Figerl von der Wiener Feuerwehr. "Die Entwicklung dieses Fahrzeugtyps stellt eine grundlegende Neuinterpretation des Feuerwehrlöschfahrzeugs dar. Die aus dieser Testphase gewonnenen Erkenntnisse wurden und werden laufend mit dem Hersteller, der Firma Rosenbauer, erörtert."

Allerdings: "Die derzeit im Beschaffungsprozess befindliche neueste Löschfahrzeugreihe wird wieder mit verbrennungsmotorischem Antrieb ausgestattet sein." Aktuell befinden sich aber elektrisch betriebene Pkw als Wirtschafts- und Kommandofahrzeuge sowohl im laufenden Betrieb als auch im Beschaffungsprozess, heißt es.

Rettung steigt noch nicht auf Elektro um

Ähnlich ist die Lage bei der Berufsrettung, auch hier sind E-Farzeuge praktisch nicht in der Hauptflotte.  "Es gibt keine großen Änderungen bei den E-Fahrzeugen", erklärt Rettungssprecher Andreas Huber. "Im Einsatz haben wir unverändert den ID Buzz als Einsatzleiter-Fahrzeug und den eVito als Notarzt-Einsatz-Fahrzeug (NEF). Wir haben Anfang des vergangenen Jahres neue NEF bekommen, die sind aber Verbrenner. Bei den RTW gibt es noch keine Pläne eines Umstiegs auf Elektro."

46-185463326

Polizei testet den ID-3 und den ID-4 von Volkswagen 

Bei der Polizei ist die einstige Ankündigung für den Ankauf von 400 E-Funkstreifen auch in weite Ferne gerückt: "Der eigentliche Praxistest unter dem Projektnamen TRON startete 2024 und läuft insgesamt noch bis Ende 2027. Auf Grund organisatorischer und internationaler Entwicklungen wurde er ein Jahr verlängert", heißt es im Innenministerium.

Und weiter: "Begleitend werden technische Daten evaluiert, Nutzer laufend befragt und organisatorische Fragen wie die laufenden Verbesserungen im Bereich der Ladeinfrastruktur untersucht. Die Ergebnisse sollen dann die Entscheidungsgrundlage über die Möglichkeit eines breiteren Einsatzes der E-Mobilität im Polizeieinsatz liefern."

Polizei-Gewerkschaft

Walter Strallhofer von der Polizei-Gewerkschaft

Polizeigewerkschafter Walter Strallhofer (FSG) sieht in der Kollegenschaft zwar "eine generelle Bereitschaft für einen Umstieg auf Elektro", aber auch viele Probleme. So würde die gesamte Ausrüstung im ID-4 keinen Platz im Kofferraum finden. "Teilweise werden die Einsatzmittel am Rücksitz gelagert".

Für Verfolgungen eignen sich die aktuellen Modelle kaum, sie würden sogar bei 160 km/h abriegeln. "Die Instrumente sind meistens Touch, sprich bei Einsatzfahren nicht so gut. Das Fahrzeug ist sehr schwer und sehr groß für kleine Gassen in Wien", so Strallhofer. 

Auch seien die Bremsen angeblich für schnelle Fahrten zu unterdimensioniert. Ein Hindernis wäre außerdem die Ladekapazität, denn derzeit müssten die E-Funkstreifen, um die Streifentätigkeit durchgehend zu gewährleisten, mit einem anderen E-Mobil immer wieder getauscht werden. Im jetzigen Probebetrieb wird auf den Verbrenner umgestiegen. 

Das Fazit des Gewerkschafters: "Fakt ist, die E-Funkstreifen sind als zusätzlicher Streifenkraftwagen geeignet, aber als völliger Ersatz unmöglich aufgrund der Batterieleistung. Dann bräuchte man immer einen zweiten Wagen als Ersatz."

Kommentare