Beatmete Intensivpatienten in Nöten: "Unhaltbare Zustände"

Millionenausgaben ohne Kontrolle. Der Grüne Ralph Schallmeiner fordert nun Aufklärung im Parlament.
Keine Pflegestufe 6, Carering, Curaplus, Grubauer

Zusammenfassung

  • Beatmete Intensivpatienten in Österreich finden kaum adäquate Nachbetreuung und blockieren deshalb monatelang Intensivbetten in Spitälern.
  • Pflegefirmen, die diese Patienten zuhause betreuen, werden von den Ländern nicht kontrolliert, was zu Missständen und Patientengefährdung führt.
  • Der Grüne Ralph Schallmeiner fordert im Parlament Aufklärung von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) und eine österreichweit einheitliche Regelung für die außerklinische Intensivpflege.
Bei der Intensivpflege in Österreich liegt vieles im Argen. Mittlerweile werden die per Tracheostoma beatmeten Menschen von vielen Spitälern abgelehnt, weil es anschließend kaum Betreuungsmöglichkeiten gibt und die Patienten oft monatelang teure und dringend benötigte Intensivstationsbetten blockieren. 
 
Im November berichtete der KURIER über einen Fall, wo eine Intensivpatientin sogar vor die Wahl gestellt worden ist, entweder in ein nicht ausgerüstetes Pflegeheim verlegt zu werden oder Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Dem Niederösterreicher Dejan V. wird etwa trotz OGH-Urteils seit Monaten überhaupt keine adäquate Versorgung finanziert.

Hunderte Patienten, aber nur wenige in außerklinischer Intensivpflege

Von geschätzten 500 bis 3000 Patienten mit Dauerbeatmung werden nur gut hundert von Spezialfirmen zuhause betreut (und etwa ebensoviele in gut ausgestatteten Heimen). Doch diese Pflegefirmen in der außerklinischen Intensivpflege werden von den Ländern nicht kontrolliert, weshalb immer wieder Patienten einfach vor die Tür gesetzt oder in Spitäler gebracht und nicht mehr abgeholt werden, wenn wieder einmal Pfleger in größerer Zahl kündigen. 
Intensivpflege, Curaplus, Carering

Schallmeiner stellt Anfrage zu Intensivpflege

„Menschen, die rund um die Uhr auf invasive Beatmung angewiesen sind, dürfen in Österreich nicht länger zwischen Institutionen hin- und hergeschoben werden", kritisiert der Grüne Pflegesprecher Ralph Schallmeiner.

Intensivpflege: "Jeder Fehler ist lebensbedrohlich"

"Es geht um hochkomplexe Intensivpflege, bei der jeder Fehler lebensbedrohlich ist. Dennoch fehlt es an klaren Zuständigkeiten und verlässlichen Versorgungsstrukturen. Wenn beatmete Patient trotz höchster Pflegestufe ohne adäquate Betreuung entlassen oder abgewiesen werden, ist das ein unhaltbarer Zustand", so Schallmeiner. "Wir brauchen dringend eine ordentliche und zielführende Lösung für die außerklinische Intensivpflege."
Schallmeiner hat deshalb eine parlamentarische Anfrage (siehe hier) an Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) gestellt, um zu klären, was gegen die Missstände unternommen wird. Die Sozialfonds und die ÖGK finanzieren hier jährlich immerhin einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
 
Doch die Regelungen in den neun Bundesländern sind völlig unterschiedlich. Seit Jahren versuchen die Länder eine österreichweite Regelung zu finden - bisher vergeblich. 

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