© Privat

Chronik Wien
05/04/2021

Ein Mordversuch "in Gottes Auftrag"

Patrick S. wollte eine Kindergärtnerin töten, weil sie "vom Teufel besessen" sei. Die Mutter des psychisch Kranken glaubt, das hätte verhindert werden können und erzählt vom Leidensweg.

von Markus Strohmayer

Ihr Sohn war 30 Jahre alt, als Agnes S. bemerkte, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Der junge Mann hortete plötzlich Bibeln und hatte Angst vor dem Teufel. Bei der Frau schrillten die Alarmglocken, denn bereits ihr Schwager hatte im Erwachsenenalter eine psychische Krankheit entwickelt. Sie überredete ihren Sohn Patrick, zum Psychiater zu gehen. Rasch war klar: ihr Kind ist schizophren.

Für Agnes S. stand fest, dass sie nun mehr denn je für Patrick da sein musste. Ihr Sohn, der bis dahin als Kellner arbeitete, verfiel immer mehr dem „Wahn“, schildert die Frau. Sie redete auf ihn ein, sich behandeln zu lassen. Manchmal nahm er seine Medikamente, manchmal nicht. Der zurückhaltende, höfliche Mann eckte in Folge immer häufiger an. Strafrechtlich relevant war sein Verhalten aber nie.

„Es hat sich abgezeichnet, dass etwas passieren wird. Mein Sohn ist aber nicht böse, sondern einfach krank“

Agnes S. | Mutter des Betroffenen

Bis Februar dieses Jahres. Da marschierte Patrick S. in einen Kindergarten in Wien-Penzing, wo er eine junge Kindergärtnerin mit einem Messer bedrängte. Der psychisch kranke Mann war ihr zufällig über den Weg gelaufen und danach überzeugt, sie sei vom Teufel besessen. Er soll nur mehr 20 Zentimeter von der Frau entfernt gewesen sein, als ein vierjähriger Bursch den Raum betrat und schrie. S. kam daraufhin wieder zu sich und flüchtete. Minuten später wurde er widerstandslos festgenommen.

Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, S. musste sich am Montag jedoch vor Gericht dafür verantworten.

Einweisung

Dort war rasch klar, dass für den Mann nur eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Frage kommt. „Es geht hier nicht um eine Strafe, sondern darum, einem kranken Menschen zu helfen“, sagte der Staatsanwalt. Hilfe, die zu spät kommt, findet Agnes S.: „Es hat sich abgezeichnet, dass irgendwann etwas passiert.“ Tatsächlich war ihr Sohn vor der Tat zweimal in dem Kindergarten, um vor der „vom Teufel Besessenen“ zu warnen. Auch die Polizei war da, schickte den geistig Verwirrten aber einfach weg.

„Ich hatte eine Eingebung, dass ich sie töten muss“, erzählt der 37-Jährige bei dem Prozess und fügt hinzu, dass er die Frau in Freiheit wieder „aufsuchen“ würde. Von der Polizei heißt es, dass bis zur Messerattacke keine strafbaren Handlungen gab. Auch der Richter sagt am Montag: „Es ist traurig, dass erst etwas passieren muss, damit etwas passiert.“

„Hände gebunden“

Ein Dilemma, mit dem sich die Mutter des Mannes seit Jahren herumschlägt: „Wenn ich Patrick Medikamente ins Essen mische, mach ich mich strafbar. Und zu einer Behandlung kann ich ihn nicht zwingen.“ Es sei das Schlimmste, dass ihr als Mutter die Hände gebunden seien und sie ihrem Kind nicht helfen könne – trotz Gefahr in Verzug.

So sei ihr Sohn in der Vergangenheit in Venedig nackt in den Kanal gesprungen und vor der Polizei geflüchtet, am Westbahnhof habe er sich im Streit vor Moslems entblößt und in der Mauerbachstraße hätte er sich einfach auf die Fahrbahn gelegt, berichtet sie von eher harmlosen Episoden. Ebenso sei es aber vorgekommen, dass er in Ungarn in einer Kirche einen Rollstuhlfahrer als „unrein“ beschimpft habe oder sich mit einem Stein auf den Kopf geschlagen habe, um „Satan zu vertreiben“.

Dass ihr Sohn künftig in einer geschlossenen Anstalt untergebracht sein wird, hat sie akzeptiert: „Es ist das Beste für ihn“, sagt sie weinend. „Ich hoffe einfach, dass es der Kindergärtnerin gut geht und sie weiß, dass mein Patrick nicht böse, sondern einfach nur krank ist.“

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.