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Chronik Wien
12/22/2019

Ein Jahr Hausbesetzung: Die „Nele 35“ steht nicht mehr leer

Für leistbares Wohnen besetzten Aktivisten ein Haus. Ein Jahr später sind soziale Vereine eingezogen.

von Birgit Seiser

„Nele bleibt“. Das war die Parole der Hausbesetzer, die sich im November 2018 in einem leer stehenden Haus in der Neulerchenfelder Straße 35 („Nele 35“) in Wien-Ottakring verschanzt hatten.

Den Aktivisten ging es um den Kampf für leistbaren Wohnraum in der Bundeshauptstadt. Und gegen die Gentrifizierung, also den Strukturwandel in Stadtteilen zum Nachteil der ärmeren Bewohner.

Nach etwa einer Woche wollte der Hauseigentümer damals nicht mehr zuschauen und ließ die Nele räumen.

100 Polizisten trugen die 17 Hausbesetzer schließlich aus dem Gebäude oder holten sie mit dem Kran vom Dach. Dorthin hatte sich der „harte Kern“ der Aktivisten zurückgezogen.

Besetzungen wie diese gab es in der vergangenen Jahren viele in Wien. Am bekanntesten war wohl die Besetzung der „Pizzeria Anarchia“ in der Leopoldstadt. Punks hatten gegen die Vertreibung der Altmieter gekämpft. Die Polizei räumte das Haus schließlich mit 1.500 Beamten.

Außer viel Aufruhr hatte diese Hausbesetzung aber keine Folgen: Heute ist das Wohnhaus aufgestockt und besteht aus mehreren hochpreisigen Eigentumswohnungen. Im Fall der Nele 35 ist das anders.

Sozialprojekte

In dem Haus in Wien-Ottakring haben sich zwei Vereine eingemietet, die das Gebäude nun mehr oder weniger im Sinne der Hausbesetzer nutzen – nämlich für soziale Arbeit. Der Verein „MUT“ ist ein Kollektiv, das sich für Menschen, Tiere und Umwelt einsetzt. „SOCIUS“ setzt sich für Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Zwecke wie Armutsbekämpfung ein. „Wir wollten das Haus schon als Büro nutzen, bevor es besetzt war“, erzählt Laura Lobensommer, Sprecherin von MUT.

Zu dieser Zeit hätte es von dem Besitzer aber eine Absage gegeben. „Das war damals preislich nicht zu stemmen“, sagt Lobensommer. Nach der spektakulären Besetzung habe es dann schlussendlich doch geklappt mit dem Büro in der Nele 35.

Bei der Besichtigung sei aber schnell klar geworden, dass viel Zeit und Arbeit investiert werden muss: „Die Wände waren alle mit Schriftzügen bemalt. Wir haben gestrichen und die Räume neu hergerichtet. Einige Andenken haben wir aber gelassen“, sagt Lobensommer und zeigt dabei schmunzelnd auf einen Sticker auf dem Klorollenhalter.

Rundherum sehe man laut Lobensommer die Penthousewohungen, die vermutlich auch in der Neulerchenfelder Straße 35 geplant gewesen waren: „Da kann man die Gentrifizierung des 16. Bezirk sehen.“

Es sei für die Vereine „definitiv toll, dass Gebäude wie dieses mit Sinn erfüllt“ sind.

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