Chronik | Wien
07.12.2018

Hausbesetzung in Wien-Ottakring: Räumung in luftiger Höhe zu Ende

Hausbesetzer wurden von Spezialkräften über einen Feuerwehrkran widerstandslos vom Dach und aus dem Haus geholt.

Die Polizei hat am Freitag ein seit mehreren Taqen besetztes Haus in der Neulerchenfelder Straße 35 in Wien-Ottakring geräumt. Zu Mittag wurden die am Dach des Hauses befindlichen Aktivisten mittels Drehleiter-Gondel von Beamten auf den Boden gebracht. Widerstand gab es dabei laut Polizeisprecher Harald Sörös nicht.

Freitagfrüh wurde mit der Vorbereitung der Räumung begonnen. Die Verordnung zur freiwilligen Auflösung der Besetzung sei zwei Mal kundgetan worden, sagte Sörös. Die 17 Aktivisten haben auf diese Kontaktversuche der Polizei nicht reagiert. Stattdessen kletterten um zirka 9:30 Uhr sechs von ihnen auf das Dach des zweistöckigen Gebäudes.

Der KURIER-Livestream von der Räumung in Wien-Ottakring:

0:42:15 – Diskussion mit Polizisten
1:38:00 – Gerangel mit Kamerateam
2:13:00 - Einsatz mit Feuerwehrkran beginnt
3:03:00 - Kurze Aufregung bei Räumung am Dach

Die ursprüngliche Zahl von 90 Beamten wurde auf mehr als hundert erhöht, da ein längerer Einsatz erwartet wurde. Auch sei die genaue Anzahl der Besetzer zunächst unklar gewesen, "da bei Aufklärungsflügen Personen nicht nur am Dach, sondern auch im hinteren Teil des Gebäudes gesehen wurden", sagte Sörös.

Gegen 11.15 Uhr kam dann die Räumung in Gang. Kräfte der Wega betraten das Haus, laut Sörös arbeiteten sich die Beamten "von unten nach oben durch Barrikaden".   

Über einen Feuerwehrkran haben Polizisten dann das Dach betreten. Die dort postierten sechs Aktivisten wurden einer nach dem anderen über diesen Weg nach unten gebracht. 

Bilder vom Polizeieinsatz in der Neulerchenfelder Straße

Hausräumung in Wien-Ottakring

1/36

Der erste Aktivist wird nach unten gebracht

46-135130373

47c7eeff-86e4-465e-9de4-f6e541f9acce.jpg

1da7c2cf-60bf-458a-9caa-49f55ef52124_1.jpg

Polizeisprecher Sörös zum Verlauf der Räumung

Laut Sörös waren Aktivisten nicht nur am Dach, sondern auch im Wohnhaus zugegen. Sie wurden allesamt aus dem Gebäude gebracht. Insgesamt seien 17 Personen an der Hausbesetzung beteiligt gewesen.

Es wurden lediglich Verwaltungsübertretungen begangen, die zur Anzeige gebracht werden, sagte Sörös zum KURIER. Strafrechtliches Delikt lag zu diesem Zeitpunkt keines vor. Nach einer Feststellung der Identitäten behalten sich die Behörden allerdings vor, sich Kosten für den Einsatz zurückzuholen.

Beim heutigen Einsatz war die Polizei mit mehr als 100 Beamten samt Panzer und Hubschrauber im Einsatz.

Vor den Polizeiabsperrungen haben sich einige Demonstranten eingefunden, die sich mit den Hausbesetzern solidarisierten. Sie skandierten unter anderem "Nele bleibt" oder: "Die Häuser denen, die drin wohnen!“ Einzelne Polizisten ließen sich auch auf Diskussionen mit den Demonstranten ein.

In Wien kommt es immer wieder zu Besetzungen alter, nicht mehr bewohnter Häuser durch meist linke Aktivisten. Für Aufsehen sorgte die Räumung der "Pizzeria Anarchia" im Bezirk Leopoldstadt im Jahr 2014. Damals waren fast 1.500 Beamte im Einsatz.

"Nele 35": Das besetzte Haus von innen

"Nele 35": Das besetzte Haus von innen

1/28

Aufgeheizte Stimmung unter den Schaulustigen

Neulerchenfelder Straße nach Sperre wieder frei

Um ein ungestörtes Handeln der eingesetzten Polizeikräfte zu ermöglichen und Gefährdungen von Zivilpersonen zu vermeiden, gab es in der Neulerchenfelder Straße eine Totalsperre für den öffentlichen Verkehr sowie für den Individualverkehr zwischen Brunnengasse und Kirchstetterngasse. Es kam zu Einschränkungen für den Morgenverkehr.

Am Freitagnachmittag ist die Sperre wieder aufgehoben worden. Der Bereich um den Einsatzort "ist für den Fußgängerverkehr wieder freigegeben", schrieb die Polizei auf Twitter. Auch die Straßenbahn konnte kurz darauf an der betroffenen Stelle beim Brunnenmarkt wieder durchgängig fahren.

„Nele bleibt!“

Die Aktivisten hatten das leer stehende Haus nach Eigenangaben Mitte November besetzt. Vergangenen Mittwoch wurden sie entdeckt. Seit diesem Tag sind am Haus auch Transparente zu sehen, auf denen unter anderem gefordert wird, dass "leer stehende Gebäude keine Spekulationsobjekte darstellen oder gar dem Erdboden gleichgemacht werden sollten, um schwer leistbaren Wohnungsbauten, Büros oder Einkaufszentren Platz zu machen".

Unterstützer der Hausbesetzer

"Wir sind gekommen, um zu bleiben!", hatten die Besetzer von "Nele 35" – beim Lokalaugenschein des KURIER am Mittwoch waren zumindest acht Personen zu sehen -  noch gemeint. Das Gründerzeit-Haus in der Neulerchenfelderstraße 35 ist seit rund einem Jahr ungenutzt. Die ehemalige Druckerei im Herzen von  Ottakring steht seit dem Konkurs leer.

Laut Aussendung der Polizei waren mehrere Versuche, mit den Besetzern in Dialog zu treten, gescheitert. Weshalb für den Freitagvormittag die Auflösung der Besetzung gemäß § 37 SPG durch die Sicherheitsbehörde verordnet worden sei.