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Chronik Wien
03/15/2021

Ein Bezirk trötet Widerstand, wieder einmal

Die Bezirkspolitik wehrt sich gegen ein neues Elefantengehege des Tiergarten Schönbrunn.

von Stefanie Rachbauer

Der 13. Bezirk und Elefanten haben so einiges gemeinsam. Zum Beispiel wirken beide auf den ersten Blick etwas schwerfällig. Das wird momentan an einem Streit um ein Bauprojekt deutlich, bei dem es um selbige geht: um Hietzing und um Elefanten – konkret um jene im Schönbrunner Tiergarten.

Die sollen nämlich mehr Platz bekommen. Aktuell ist ihr Gehege – im Vergleich mit anderen Zoos – klein. Da eine Erweiterung am bestehenden Standort nicht möglich ist, wird gleich der ganze Tiergarten vergrößert. Der Bund werde dafür 23,5 Millionen Euro und ein Grundstück südlich vom Tirolerhof zur Verfügung stellen, verkündeten Finanzminister Gernot Blümel und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) im Herbst.

Rund 40.000 Quadratmeter ist das vorgesehene Areal groß. Es befindet sich mitten im Wald – und genau das ist aus Sicht des Bezirks das Problem: Man stört sich am „Abtausch von Flora gegen Fauna“ und verlangt ein Verkehrskonzept. So steht es jedenfalls in einem Resolutionsantrag der SPÖ. Vor Kurzem wurde er im Bezirksparlament von allen Fraktionen angenommen.

Erholungsraum

Bezirkschefin Silke Kobald (ÖVP) erklärt das dem KURIER so: „Es kann nicht sein, dass der Tiergarten in einen Safaripark umgestaltet wird.“ Der Wald beim Tirolerhof sei ein „wichtiger Erholungsraum“. Als dort im Dezember Bäume markiert wurden, hätten sich viele besorgte Bürger gemeldet.

Außerhalb der Bezirksgrenzen mag sich die Aufregung nicht jedem erschließen. Überhaupt kann man zunehmend den Eindruck gewinnen, dass die Hietzinger und ihre (ÖVP-)Politiker grundsätzlich jede Veränderung verweigern. Man ist gegen ein Reha-Zentrum im Hörndlwald. Gegen die Pläne für die neue Westausfahrt. Und gegen den Ausbau der Verbindungsbahn. Ein bisschen schwerfällig eben.

Der Eindruck entstehe, weil in Hietzing eben viele Infrastrukturprojekte zusammenkämen, meint Kobald. „Das sind alles Projekte, die wir uns nicht ausgesucht haben.“ Aber selbst die Bezirkschefin gibt zu, dass Hietzing einem gallischen Dorf ähnle: „Hin und wieder ist es schon so, dass wir nicht dem Mainstream folgen.“

Widerstand

Die Bevölkerung goutiert Kobalds Kurs: Bei der Bezirksvertretungswahl holte sie satte 44,3 Prozent. Das Grundproblem ist aus ihrer Sicht, dass die Bezirke zu wenig in Großprojekte eingebunden seien: „Vieles schlägt erst bei uns auf, wenn alles fertig geplant ist.“

Der Widerstand zahle sich aus: „Bei der Verbindungsbahn haben wir etwa erreicht, dass es einen Gestaltungswettbewerb gibt.“ Was aber könnte die Lösung im Streit um das Gehege sein? Vize-Bezirkschef Matthias Friedrich (SPÖ) kann sich vorstellen, ein Stück Schlosspark an den Tiergarten abzutreten (weil dort weniger Bäume gefällt werden müssten). Und Kobald wäre es am liebsten, wenn der Tiergarten so bliebe, wie er ist (auch wenn sie das nicht so direkt sagt). Immerhin habe der Zoo in der Vergangenheit bereits sehr viele Flächen dazubekommen. Hietzing und Elefanten haben eben auch die Eigenschaft gemein, nicht zu vergessen.

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