Dürre und Hitze bringen Donau an Grenze: Experten entwickeln Konzept
Die nicht nur für Österreich so prägende Donau gerät durch den Klimawandel und steigende Wasserentnahme zunehmend unter Druck. Die durch Hitze und Trockenheit stark gesunkenen Flusspegel illustrieren das momentan eindrucksvoll.
Ein weitverzweigtes Forschungsteam zeigt nun, dass Tage mit Einschränkungen des Schiffverkehrs bis 2050 um rund 80 Prozent zunehmen könnten, konkret 40 Tage mehr. Die Stromerzeugung kann eher sinken.
Sinkender Donau-Pegel: Versenkte Nazi-Schiffe tauchen in Serbien wieder auf.
Die Forschenden untersuchten laut eigenen Angaben erstmals, wie Klimawandel, Wasserentnahmen und Veränderungen des Flussbetts gemeinsam auf zentrale Funktionen der Donau bis 2050 wirken.
Gegenmaßnahmen „nicht nur für die Fische“
Ohne Gegenmaßnahmen könnte der „sichere Handlungsspielraum“ für wichtige Nutzungen des Flusses künftig deutlich kleiner werden, sagt Helmut Habersack vom Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien gegenüber der APA. Mit einem gezielten Bau- und Renaturierungsprogramm könne man aber gegensteuern.
Fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen sorgen derzeit für historisch niedrige Pegelstände an der Donau.
An einem umfassenden „integrierten Ansatz“, wie der Strom, sein Gewässerbett und die Umgebung gestaltet werden könnten und sollten, arbeiten Forschende unter Habersacks Leitung im Rahmen des EU-geförderten Projekts „DANUBE4all“. Das Ergebnis soll nicht „nur für die Fische“, sondern auch wirtschaftlich relevant sein.
Stromproduktion ging signifikant zurück
Welche Rolle die Donau mit ihrem großen Einzugsgebiet als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Wasserstraße und Stromlieferant für die Wirtschaft, als Tourismusfaktor sowie vielerorts auch als Trinkwasserreservoir spielt, wird dieser Tage angesichts extrem niedriger Pegelstände einmal mehr bewusst.
So mussten in Osteuropa zuletzt Kraftwerke an der Donau aufgrund des Wassermangels abgeschaltet werden, die Stromproduktion in Österreich ging signifikant zurück.
Ausbleibender Regen lasse sich auch durch bauliche Maßnahmen und den abnehmenden Abfluss von den massiv schrumpfenden Gletschern nicht ausgleichen, wie Habersack erklärte. Man könne aber Anpassungsmaßnahmen setzen, um den Fluss und möglichst viele seiner Funktionen bestmöglich zu erhalten.
Ein Faktor, der in Österreich oft vergessen wird, ist auch die Trinkwasserversorgung aus der Donau, wie Habersack betonte. Hierzulande ist die Wasserentnahme dafür zwar recht gering, in Bratislava, Budapest oder Belgrad ist das aber anders.
Was helfen kann
Besondere Sorge bereitet seit Jahrzehnten die Eintiefung der Donau: Durch die vielen Sperren und Kraftwerke im Verlauf des Stromes ist der Transport der Sedimente unterbrochen.
Das gibt dem Fluss die Chance, sich weiter in die Landschaft einzuschneiden, was den Pegel zusätzlich sinken lässt und dazu führen kann, dass Nebenarme oder Zubringer vom Hauptstrom abgetrennt werden und der Grundwasserspiegel absinkt.
Es zeigt sich, dass das Wiederanbinden von Seitenarmen und Überflutungsflächen viele positive Effekte für die Natur, aber auch für den Schutz vor Hochwasser und Dürre bringen. All das muss geplant und umgesetzt werden, was wiederum Arbeitsplätze bedeutet, erklärte Habersack.
Man arbeitet an einem Sedimentmanagement- und einem Flussrenaturierungsplan. Gerade das politisch so umstrittene Wort „Renaturierung“ treffe den Kern des Vorhabens aber nicht wirklich, so Habersack: Es gehe nicht darum, den Zustand des 19. Jahrhunderts nachzuahmen, sondern eine Art „Bauprogramm für die kommenden 20 bis 25 Jahre zu entwickeln, das die Resilienz der Donau und der Zubringer u.a. gegen Hochwässer und Dürren stärkt“.
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