Sinkender Donau-Pegel: Versenkte Nazi-Schiffe tauchen auf
Zusammenfassung
- Der anhaltend niedrige Donau-Pegel in Serbien hat nahe Prahovo versenkte deutsche Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt.
- Die Wracks behindern seit Jahren die Schifffahrt, verursachen Verzögerungen im Güterverkehr und führen laut EIB zu jährlichen wirtschaftlichen Einbußen von rund fünf Millionen Euro.
- Der historische Tiefstand der Donau verschärft in Nordserbien die Wasserkrise, bedroht das Donau-Theiß-Donau-Kanalsystem und belastet Landwirtschaft sowie Wasserqualität.
Die anhaltende Hitze in Europa hat den Wasserstand der Donau so stark sinken lassen, dass in Serbien nahe der Stadt Prahovo im Osten des Landes die Überreste deutscher Kriegsschiffe freigelegt wurden.
Vor 82 Jahren, im Jahr 1944, befand sich die deutsche Wehrmacht auf dem Rückzug vor der Roten Armee. Um keine einsatzfähigen militärischen Güter dem Feind zu überlassen, erhielten Hitlers Soldaten den Befehl, die Schiffe auf Anordnung eines Admirals absichtlich in der Donau zu versenken. Sie sollten die Route flussaufwärts blockieren und so den Vormarsch der sowjetischen Truppen bremsen.
Die Wracks, die jahrzehntelang auf dem Grund der Donau lagen, sind nun an der Oberfläche sichtbar, berichtet NTV. Bis heute bereiten die Kriegsschiffe auch bei normalen Wasserständen der örtlichen Schifffahrt Probleme. Laut der Europäischen Investitionsbank (EIB) führen die Überreste regelmäßig zu Verzögerungen im Güterverkehr. Dadurch entgehen der serbischen Wirtschaft jährlich rund fünf Millionen Euro, schreibt NTV.
Trotz der ungewöhnlichen Wrackteile, die aus dem Wasser ragen, schwimmen Einheimische weiterhin in der Donau. Kreuzfahrten gibt es laut Vladimir Batalovic vom Verkehrsministerium wegen des niedrigen Wasserpegels zurzeit jedoch praktisch keine mehr.
Donau-Theiß-Donau-Kanalsystem droht auszutrocknen
In Nordserbien führte der historische Tiefstand der Donau zu einer massiven Krise des regionalen Wassersystems. Das für die Wasserversorgung der Region und die Landwirtschaft wichtige Donau-Theiß-Donau-Kanalsystem droht auszutrocknen. In mehreren Städten der Vojvodina – darunter Sombor, Kula und Vrbas – wurde in den vergangenen Tagen der Ausnahmezustand ausgerufen. Die Provinzregierung stellte 270 Millionen Dinar (2,3 Mio. Euro) für Notmaßnahmen bereit.
Serbische Landwirtschaftsexperten verwiesen auf die Schäden, die vor allem im Maisanbau zu erwarten sind. Konkrete Angaben über das Ausmaß liegen derzeit jedoch noch nicht vor.
Das Institut für Öffentliche Gesundheit wies wegen des niedrigen Wasserpegels auf die erhöhte Flussverschmutzung hin und riet vom Verzehr von Donaufischen ab, solange der Wasserstand so niedrig bleibt.
In der Ortschaft Bezdan, unweit der ungarischen und kroatischen Grenze, wurde am Montag mit minus 163 Zentimetern der niedrigste Donau-Pegelstand seit 1909 gemessen. Damals war ein Stand von minus 143 Zentimetern unter dem Pegelnullpunkt notiert worden.
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