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Chronik Wien
03/19/2020

Döbling: Begegnungszone statt Schleichweg in Neustift am Walde

Anrainer wollen weniger Verkehr in dem Wiener Heurigenort. Der Bezirk ist für eine „größere Lösung“.

von Stefanie Rachbauer

Die Probusgasse ist bereits eine Begegnungszone. Der Sonnbergplatz folgt bis Ende des Jahres. Und bald soll im Zentrum des Heurigenorts Neustift am Walde die dritte Begegnungszone Döblings entstehen. Zumindest, wenn es nach der lokalen Kulturinitiative Neustift/Salmannsdorf geht.

Hintergrund: „In dem Bereich sind viele Fußgänger unterwegs“, sagt Sprecher Wolfgang Burkart im Gespräch mit dem KURIER. Eine Begegnungszone würde das Ortszentrum für sie attraktiver machen – wovon nicht zuletzt die ansässigen Geschäfte und Lokale profitieren könnten.

Vor allem verspricht sich Burkart von einer Begegnungszone aber weniger Verkehr: „Wir haben in Neustift sehr viel Durchzugsverkehr aus Westösterreich und aus dem südlichen Wien“, sagt er. Der Lärm des Autos sei für die Anrainer eine große Belastung.

Mit all jenen, die dem Vorstoß der Kulturinitiative etwas abgewinnen können, will Burkart nun konkrete Pläne für eine Begegnungszone ausarbeiten. Sein Vorschlag: Der verkehrsberuhigte Bereich könnte bei der Hameaustraße beginnen und nach der Gabelung bis zur Agnesgasse und bis zur Kirche reichen.

Bezirkschef skeptisch

Dass die Route über die Höhenstraße und Neustift am Walde ein nur allzu beliebter Schleichweg in die Stadt ist, räumt auch Bezirksvorsteher Daniel Resch (ÖVP) ein. Ihm zufolge fahren täglich bis zu 35.000 Autos durch den Heurigenort.

Die Idee der Kulturinitiative ist ihm bereits bekannt – abgewinnen kann er ihr aber nicht viel. „Das wäre eine reine Symptombekämpfung“, sagt er auf Nachfrage. Um den Verkehr in den Griff zu bekommen, braucht es aus Sicht des Bezirkschefs eine „große Lösung“.

Was das konkret bedeute? Nötig sei ein großes Parkhaus an der Westeinfahrt, „damit die Leute erst gar nicht hereinfahren“.

Die Regeln

In einer Begegnungszone teilen sich Autolenker, Radfahrer und Fußgänger eine Fläche – sie müssen aufeinander Rücksicht nehmen. Die Höchstgeschwindigkeit  darf maximal 30 km/h betragen, in den meisten Begegnungszonen sind aber nur 20 km/h erlaubt. Möglich wurde die Schaffung von Begegnungszonen mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung im Jahr 2013. 

Die Beispiele

Die wohl bekannteste Begegnungszone Wiens ist die Innere Mariahilfer Straße, die umgebaut und 2015 eröffnet wurde. Darauf folgten unter anderem die Herrengasse, die Lange Gasse und die Rotenturmstraße. Aktuell wird die Neubaugasse in eine Begegnungszone umgestaltet.  

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum Resch gegenüber einer Begegnungszone im Neustifter Zentrum skeptisch ist: die Busse 35A und 43B, die dort fahren. Der Widerstand der Wiener Linien sei daher programmiert.