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Chronik Wien
12/15/2021

Diese neuen Öffi-Linien könnten das Verkehrsproblem der Donaustadt lösen

Ob Tunnel oder nicht, es braucht Lösungen für die Verkehrsprobleme nördlich der Donau. Der KURIER hat sich die bestehenden Konzepte angesehen.

von Andreas Puschautz

Auch, wenn es SPÖ, ÖVP und FPÖ massiv gegen den Strich geht: Der S1-Lückenschluss mit dem Lobautunnel ist, zumindest vorerst, Geschichte. Im Asfinag-Bauprogramm 2022 ist die umstrittene Donauquerung nicht enthalten. Das entspricht dem Ergebnis der Evaluierung aller Schnellstraßenprojekte, die Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) beauftragt hatte.

Bei Neos und natürlich Grünen sorgte das Tunnel-Aus hingegen für Genugtuung, standen sie dem Projekt doch von Anfang an negativ gegenüber. Ihr Hauptargument: Die Schäden für Umwelt und Klima wären zu groß, vor allem aber brauche es den Tunnel überhaupt nicht. Die benötigte Verkehrsentlastung für die Tangente und die Donaustadt sei durch einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs viel eher zu erreichen.

Verkehrsreduktion und Klimaziele

Verkehrsforscher Ulrich Leth von der TU Wien ergänzt, dass dieser Ausbau - neben dem Aus für den Lobautunnel und einer kleinräumigeren Parkraumbewirtschaftung als derzeit vorgesehen - Grundvoraussetzung dafür ist, die selbst gesteckten Klima- und Verkehrsziele der Stadt Wien zu erreichen. Rot-Pink haben sich schließlich verordnet, die CO2-Emissionen aus dem Verkehrssektor wie auch die Zahl der motorisierten Einpendler bis 2030 zu halbieren.

Doch wie soll das gelingen? Welche neuen Verbindungen braucht es? Grüne und Neos haben detaillierte Konzepte für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs nördlich der Donau entwickelt. Der KURIER hat die Vorschläge nun erstmals zusammengeführt.

  • S-Bahn

Herzstück der Pläne beider Parteien ist die Reaktivierung des S-Bahn-Verkehrs auf der Laaer Ostbahn zwischen Erzherzog-Karl-Straße und Leopoldau bzw. Süßenbrunn und somit die Schaffung einer zweiten Stammstrecke.

Vorteil: Die Schieneninfrastruktur existiert großteils bereits. Jedoch müsste die Ostbahnbrücke, über die momentan bereits Güterverkehr, Fernzüge und S80 fahren, viergleisig ausgebaut werden.

Zusätzlich wünschen sich beide Parteien einen S-Bahn-Ring um Wien südlich der Donau (in der Grafik als S45 eingezeichnet), die Grünen wollen auch die S80 nach Raasdorf verlängern.

  • Straßenbahnen

Die Errichtung der Linie 27 von Strebersdorf nach Aspern Nord ist bereits projektiert, die Verlängerung der Linie 25 zumindest im Gespräch. In beiden Konzepten zentral ist jedoch die Schaffung neuer, tangentialer Straßenbahnen zwischen Floridsdorf und der Donaustadt.

Die Neos denken an eine Linie 22 (in der Grafik 22b, Anm.) von Floridsdorf über das Donaufeld, Kagran und den Gewerbepark Stadlau bis Essling, die Grünen an eine Ersatz-Bim 22 für den häufig überfüllten Bus 26A von Kagran nach Groß-Enzersdorf (Grafik: 22a). Die Neos favorisieren hingegen eine Lokalbahn, um Groß-Enzersdorf an Aspern anzubinden.

Das Donaufeld würden die Grünen über eine kleinere Streckenänderung der Linie 25 erschließen, zusätzlich wünschen sie sich eine neue Linie 28 von der Jochbergengasse über den Kagraner Platz nach Neuessling.

  • Expressbusse

In der Grafik war es aus Platzgründen nicht möglich, das darzustellen, aber sowohl Grünen als auch Neos schwebt ein neues Bussystem mit bevorrangten Schnellbussen vor. Diese sollen wichtige Verkehrsknotenpunkte nördlich der Donau komfortabel miteinander verbinden.

Beide Parteien wünschen sich auch einen massiven Ausbau der Radinfrastruktur, die Grünen haben bereits ein Schnellradwegenetz für die Donaustadt entworfen.

Auf dem Wunschzettel der Neos steht wiederum ein Logistikverteilzentrum mit Bahnanbindung im Norden der Stadt, um das bestehende Straßennetz zusätzlich zu entlasten.

Schnell umzusetzen

Sowohl Pink als auch Grün betonen, dass ihre jeweiligen Pläne – zumindest teilweise – relativ rasch umsetzbar wären. Der S-Bahn-Ausbau würde etwa großteils im Schienenbestand passieren und auch eine Neuordnung des Busverkehrs erfordert keine neue Infrastruktur. Der Lobautunnel wäre frühestens 2030 fertig gewesen, „mit unseren Vorschlägen wären wir jedenfalls wesentlich früher dran“, betonen die Neos.

„Alles, was wir uns ausgedacht haben, ist schnell machbar, vieles auch auf bestehenden Strecken. Die Vorschläge liegen seit zehn Jahren am Tisch“, betont auch die Grüne Mobilitätssprecherin Heidi Sequenz.

Die Grünen beziffern die Kosten ihrer Pläne mit rund 350 Millionen Euro, die Neos haben noch keine Gesamtkalkulation angestellt.

Durchzugsverkehr

Es brauche den Lobautunnel, um den Transitverkehr um die Stadt herumleiten zu können, lautet ein viel benutztes Argument der Tunnelbefürworter. Doch wie viel Transit fährt durch Wien?  

Alte Daten

Die aktuellsten Daten wurden 2008 erhoben. Damals wurde auf der Praterbrücke (A23) ein Transitanteil von neun Prozent, insgesamt donauquerend von acht Prozent festgestellt.

7 Prozent

machte bei der Zählung 2008 der Anteil des Schwerverkehrs (Lkw, Sattelzüge, Busse) aus. Welcher Anteil des Schwerverkehrs dem Transit zuzurechnen ist, wurde jedoch nicht erhoben.

Für ÖVP und FPÖ ist der Tunnel unterdessen durch öffentliche Verkehrsmittel nicht zu ersetzen. „Völlig unverständlich und verantwortungslos“ ist die Absage für ÖVP-Klubchef Markus Wölbitsch. Und FPÖ-Verkehrssprecher Toni Mahdalik sieht mögliche öffentliche Tunnel-Alternativen als „Scharlatanerie ohne jeglichen Bezug zur Realität“.

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