Deutschlehrer protestieren gegen Wertekurse des Integrations­fonds

Protest Deutschlehrer ÖIF Wertesymposium
Foto: /Lisbeth Kovacic Protest vor dem Wertesymposium

Werte-Symposium von Polizeieinsatz unterbrochen. Proteste sollen andauern.

Es brodelt schon länger bei den Lehrenden für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache (DaF/DaZ). Vergangenen Freitag kam es schließlich zu einem Polizeieinsatz. Bei dem Symposium "Werte im Sprachunterricht", das vom Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) veranstaltet wurde, wollten anwesende Deutschlehrende Zwischenfragen stellen. Das war jedoch nicht gewünscht. Die Stimmung heizte sich auf, die Zwischenrufe wurden lauter. Schließlich riefen die Veranstalter die Polizei, die wieder für Ruhe sorgen sollte.

Protest Deutschlehrer ÖIF Wertesymposium Foto: /Lisbeth Kovacic Im Vorfeld des Wertesymposiums wurde schon eine Demonstration veranstaltet. Rund 40 Deutschlehrende versammelten sich mit Bannern wie "Wenn wir unsere Werte wissen wollen, gehen wir ins Labor" und T-Shirts mit Aufdrucken wie "Ich bin Deutschlehrerin und keine Wertepolizistin". Dieser Satz bringt die Ausgangsproblematik auf den Punkt.

"Wir sind gegen die Einflussnahme des ÖIF auf die Inhalte der Deutschkurse", sagt Lehrerin Valentina (Name geändert) von der Basisgruppe IG DaF/DaZ . Hintergrund ist eine Gesetzesänderung, die Anfang Oktober in Kraft getreten ist. Demnach müssen Menschen aus Nicht-EU-Staaten innerhalb von zwei Jahren eine Integrationsprüfung absolvieren; sowohl die Sprach- als auch Wertekenntnisse werden abgeprüft. Deutschlehrer müssen ab nun in ihren Kursen also nicht nur Sprache, sondern auch Werte vermitteln. Diese Werte wurden vom ÖIF in einem Katalog festgelegt.

Katalog

"Uns wurde dieser konservative Katalog vorgesetzt. Niemand hat das mit uns besprochen. Wir sind mit den Inhalten aber nicht einverstanden. Was hat etwa Mülltrennung mit der österreichischen Verfassung zu tun?", fragt Valentina. Die Interessensgemeinschaft findet, dass Werte auf Augenhöhe ausverhandelt werden müssten. "Der ÖIF kann nicht die Deutungshoheit darüber haben, was österreichische Werte sind", sagt Valentina.

Bei dem Symposium hätten die Lehrenden darüber informiert werden sollen, wie die Wertevermittlung im Deutschkurs abgewickelt werden soll. "Jeder, der ÖIF-Veranstaltungen kennt, weiß, dass es dort nicht erwünscht ist, dass man sich zu Wort meldet", erzählt Valentina. ÖIF-Sprecherin Franziska Micheler erwidert, dass die Vortragenden beleidigt worden seien und deshalb eingeschritten worden sei.

"Wir finden es unangenehm, Drittstaatsangehörige behandeln zu müssen, als hätten sie überhaupt keine Kenntnisse", sagt Valentina. Der Plan der Basisgruppe sei es nun, solange zu protestieren, bis das Gesetz geändert wird: "Wir gehen nicht davon aus, dass es unter der neuen Regierung besser wird." Zu den Protesten sagt ÖIF-Sprecherin Micheler: "Es kann jeder demonstrieren."

(kurier) Erstellt am
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