┬ę Kurier/Juerg Christandl

Interview
02/09/2017

Aida-Chef: "Demos ja, aber nicht vor dem Stephansdom"

Aida-Chef Dominik Prousek wehrt sich gegen den Vorwurf, demokratiefeindlich zu agieren.

von Bernhard Ichner

Mit Punschkrapferln und Cremeschnitten hat man sich l├Ąngst einen Namen gemacht. Zuletzt kamen die Betreiber der Wiener Konditorei-Kette Aida allerdings eher mit einer Petition f├╝r Demozonen Schlagzeilen. Doch die goutiert nicht jedermann. Seit dem Protestzug gegen den Akademikerball sieht man sich auch mit harscher Kritik konfrontiert. Der KURIER sprach mit Junior-Chef Dominik Prousek.

KURIER: Warum haben ausgerechnet Sie diese Petition gestartet? Man nimmt doch an, dass Sie mit 29 Filialen in Wien punktuelle St├Ârungen des Betriebs leichter verkraften als andere City-Unternehmer, die nur ein Gesch├Ąft oder Lokal haben?
Dominik Prousek: Es geht uns dabei absolut nicht um wirtschaftliche Belange, sondern um die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter. Den Ausschlag waren die T├╝rken- und Kurden-Demos im Sommer 2016, die unmittelbar vor unserer T├╝r stattfanden (gemeint ist die Aida-Filale an der Ecke Stock-im-Eisen-Platz, Singerstra├če; Anm.). Da wurde der Schanigarten verw├╝stet, Sessel flogen durch die Luft, Kinder wurden von ihren Eltern getrennt und Kunden sperrten sich aus Angst stundenlang auf dem WC ein. Ein Problem ist bei so etwas nat├╝rlich auch, dass sich Touristen dann nicht mehr in die Stadt trauen. Die machen in der Innenstadt aber zirka 70 Prozent der Kundschaft aus. Das ist f├╝r viele Unternehmer ein Problem.

K├Ânnen Sie den finanziellen Schaden beziffern, den Sie an Demo-Tagen erleiden?
Wenn der Ring wegen einer Demo gesperrt ist, bewegt sich der Umsatz-R├╝ckgang in den Innenstadt-Filialen zwischen 30 und 40 Prozent. Von entstandenen Sachsch├Ąden reden wir da noch gar nicht. Viele Unternehmer wissen bereits, dass sie an Demo-Tagen zu Mittag zusperren k├Ânnen.

Mitte Oktober haben Sie ihre Petition gestartet und Anfang Dezember von mehr als 300 Gesch├Ąftsleuten und mehr als 2000 Privatpersonen berichtet, die sie unterst├╝tzen. Jetzt wird Ihnen pl├Âtzlich unterstellt, den Akademikerball zu unterst├╝tzen und demokratiefeindlich zu sein. Wie erkl├Ąren Sie sich das?
Uns wird irrsinnig viel unterstellt. Wir sind ja nicht gegen Demos ÔÇô aber m├╝ssen die etliche Mal pro Woche auf dem Stephansplatz stattfinden ÔÇô auch an langen Einkaufssamstagen? Im bin sehr froh, dass wir in einer Demokratie leben. Seit dem Sommer gab es mit der Petition ├╝berhaupt keine Probleme, wir bekamen viel Zuspruch. Aber nach der Akademikerball-Demo und angesichts der Gesetzesvorschl├Ąge des Innenministers wird auf einmal viel aus dem Zusammenhang gerissen und Aida wird verpolitisiert. Das sind aber immer dieselben Personen, die einander da auf Facebook und Twitter gegenseitig aufganseln, uns als Nazis beschimpfen und als demokratiefeindlich darstellen.

Merken Sie in der Folge denn Umsatzeinbu├čen beim Cremeschnitten-Verkauf?
├ťberhaupt nicht.

Wie stehen Sie denn nun zum Akademikerball?
Hier halte ich es mit unserem Bundespr├Ąsidenten Alexander van der Bellen.

Und wie stellen Sie sich das Demonstrationsrecht vor?
Es soll ja demonstriert werden. Aber sicher, und nicht ausgerechnet vor Wiens wichtigstem Wahrzeichen. Das kann ruhig auch im ersten Bezirk sein ÔÇô am Schwedenplatz, am Heldenplatz, am Karlsplatz, egal. Das Grundrecht auf Demonstrationen muss erhalten bleiben. Wir haben unsere Petition ja auch nicht wegen Demos gestartet, sondern ob gewaltt├Ątiger Ausschreitungen.

├ľVP-Innenminister Wolfgang Sobotka w├╝rde Demo partiell gern untersagen, wo sie Auswirkungen auf den Gesch├Ąftsbetrieb haben w├╝rden. Und er meint, sie m├╝ssten mindestens 72 Stunden vorher angemeldet werden, damit sich die Exekutive besser vorbereiten kann. W├Ąre das in Ihrem Sinne?
Das ist nat├╝rlich eine Basis, auf der man diskutieren kann. Wir empfinden es schon als Erfolg, dass wir da Ansto├č dazu geben konnten. F├╝r uns stellt sich halt die Frage: Muss man bei so einer Demo schon am Nachmittag Sperrzonen errichten oder reicht es nicht auch nach Gesch├Ąftsschluss? Da w├╝rde niemandem ein Schaden entstehen ÔÇô weder Unternehmern, noch Demonstranten. Nun ist die Politik gefragt ÔÇô aber alle Seiten m├╝ssen geh├Ârt werden.

Welche Pl├Ątze w├Ąren denn f├╝r partielle Demoverbote pr├Ądestiniert?
Alle neuralgischen Punkte, die wichtig f├╝r Handel und Tourismus sind. Da ist es egal, ob das am Graben oder in der Meidlinger Hauptstra├če ist.

Gibt eigentlich etwas, f├╝r das Sie demonstrieren w├╝rden?
Ja, gegen Demos in Tourismus- und Einkaufszonen (lacht). Nein, im Ernst: das ist nat├╝rlich ein wichtiges Thema. Es geht uns nicht darum, Grundrechte infrage zu stellen. Wir wollten blo├č einen Denkansto├č aus der Sicht der Unternehmer geben ÔÇô das ist unser Recht.

Sie haben vor Journalisten angek├╝ndigt, auch eine Petition f├╝r ein Bettelverbot starten zu wollen. Machen Sie das nun?
Nein, aber wir appellieren an die Stadt, mehr Initiativen zu setzen, um den Betroffenen aus der organisierten Bettelei herauszuhelfen.

Sie haben Sich bei der Demozonen-Petition mit der Wiener ├ľVP ins Boot gesetzt. M├Âchten Sie in die Politik gehen?
Nein, definitiv nicht.

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