┬ę Nina Oezelt

Chronik Wien
02/24/2022

Demonstrationen in Wien gegen den Krieg: "Stoppt Putin!"

Nachdem Russland in den Morgenstunden mit einem Angriff auf die Ukraine begonnen hat, wird auch in Wien gegen das Vorgehen demonstriert.

von Nina Oezelt

Seit den fr├╝hen Morgenstunden am heutigen Donnerstag passiert nun das, was die meisten bereits bef├╝rchtet haben, aber niemand wirklich glauben wollte: In Europa herrscht Krieg. Russland startete eine Milit├Ąroffensive gegen die Ukraine. Mehr zu diesem Angriff lesen Sie hier. Die aktuellsten Entwicklungen finden Sie in unserem Live-Ticker.

Unterdessen meldet sich die ganze Welt zu Wort und verurteilt das Vorgehen von Russlands Pr├Ąsidenten Wladimir Putin. Auch in Wien wird gegen den Kriegsbeginn durch Russland demonstriert.

Zahlreiche Demonstranten haben sich am Vormittag vor dem Au├čenministerium am Wiener Minoritenplatz versammelt, um gegen Krieg, Russland und vor allem Putin zu demonstrieren. "Putin sagt, er will die Menschen unterst├╝tzen, die Russisch in der Ukraine sprechen. Aber es stimmt nicht, dass es einen Konflikt mit den Russisch Sprechenden in der Ukraine gibt. Das ist nur Propaganda von Putin", sagt die 18-J├Ąhrige Mariia Feshchenko, die seit einem halben Jahr an der Wirtschaftsuniversit├Ąt studiert.

Ebenfalls WU-Student ist der 19-J├Ąhrige Volodymyr Shyianov aus Kiew: "Meine Grosseltern sind genau dort in der Ostukraine. ├ľsterreich blockiert die Sanktionen. Wir sind hier vor dem Au├čenministerium, weil Putin weg muss."

"Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen, dass unser Volk gesund bleibt. Ich bin hier, um mein Volk zu unterst├╝tzen. Schon 2014 hat alles angefangen. Und wir wollen nicht, dass sich unsere Mitb├╝rger im Keller verstecken m├╝ssen", sagt der 26-J├Ąhrige Nikita Murlian. Er arbeitet als Barista und lebt seit acht Jahren in Wien: "Meine Familie lebt bei Odessa. Die haben sich heute zusammengesammelt, um eine Entscheidung zu treffen, wie sie weiter machen."

Auch ein junges russisches Paar ist unter den Demonstranten zu finden. Arina Kravchenko (27) und Dmitry Sereda (27) demonstrieren bereits seit zehn Jahren gegen Putin: "Er macht alles falsch. Wir sind hier, um die Ukrainer zu unterst├╝tzen. Wir Russen sind die Aggressoren und es ist klar, dass die Ukraine sich selbst verteidigen soll und ich glaube, alle m├╝ssen jetzt der Ukraine helfen. Sereda studiert Politik in Wien.

Ab 14 Uhr versammelten sich Demonstranten auch am Maria-Theresien-Platz. Vor allem viele junge Menschen folgten dem Aufruf der ukrainischen Gemeinschaft. Viele haben in Wien studiert. Die meisten haben ihre gesamte Familie in der Ukraine. Die Stimmung war bedr├╝ckt, alle verfolgten die aktuellen Entwicklungen auf ihren Handys. Anrufe in der Heimat sollen hingegen weitgehend unterlassen werden, um das Telefonnetz nicht zu ├╝berlasten, appellierte das ukrainische Au├čenministerium.

Sorge um Familien

"Schade, dass wir so lange gewartet haben und unsere Familie nicht zu uns geholt habenÔÇť, sagt eine Demonstrantin. Die Sorge ist gro├č, was passiert ist, w├╝nsche man niemandem: "Dass man aufwacht und de facto umzingelt ist und bombardiert wird."

Gleichzeitig wollen die Menschen auch nicht fl├╝chten, sagt eine andere Demonstrantin: "Es ist unser Land."

"Befreit die UkraineÔÇť waren die Schlachtrufe - auf Ukrainisch. Auch Putin wurde beschimpft und die ukrainische Hymne gesungen. Bis 16 Uhr demonstrierten die Menschen. Gemeinsam sangen sie au├čerdem auch ein Lied von Okean Elzy: Na nebi.."Es geht um die LiebeÔÇť, sagt ein Demonstrant.  Es ist ein beliebtes Liebeslied einer ukrainischen Rockband.

 

"K├Ąmpfen bis zum bitteren Ende"

"Heute hat sich die Welt ge├Ąndert und sie wird nicht mehr so sein wie sie davor war", sagte eine der Rednerinnen. Sie appellierte an die Menschen und die Politiker, ├╝berall auf der Welt: Niemandem sei es jetzt erlaubt, ihr Gehirn auszuschalten. Heute sei es die Ukraine, morgen k├Ânne es jeder anderer Staat sein. "Es ist jetzt die Zeit, zu agieren: Wir haben einen verr├╝ckten Feind und er sitzt in Moskau", fuhr die Frau unter tosendem Applaus fort. Jeder solle jetzt gegen den Feind k├Ąmpfen: "Wir werden k├Ąmpfen bis zum bitteren Ende."

Am Abend startete eine weitere Demonstration vor der russischen Botschaft im 3. Bezirk. Am Samstag findet eine weitere Kundgebung auf dem Platz der Menschenrechte im 7. Bezirk geplant. Hier werden au├čerdem ├Âsterreichische Politiker der Gr├╝nen, ├ľVP, Neos und SP├ľ als Redner erwartet. 

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