Chronik | Wien
31.07.2018

Das "Stöckl im Park" wurde bewilligt

Heiß umkämpftes Projekt im Schwarzenberggarten darf den Betrieb aufnehmen. Im Oktober 2019 soll es eröffnet werden.

Eines der umstrittensten Gastroprojekte Wiens darf den Betrieb aufnehmen: Für das „Stöckl im Park“, das Salm-Bräu-Inhaber Walter Welledits im Schwarzenberggarten betreiben will, liegt die Betriebsanlagengenehmigung vor. Der entsprechende Bescheid sollte ihm heute, Dienstag, per Post zugestellt werden. Die Baubewilligung für Veränderungen am denkmalgeschützten Belvedere-Stöckl wurde ja bereits im Mai 2017 erteilt (der KURIER berichtete).

Der Genehmigung nach der Gewerbeordnung sei ein umfassendes Prüfverfahren vorausgegangen, betont die Leiterin des zuständigen Magistratischen Bezirksamtes, Eva Schantl-Wurz. So entfallen im Akt 580 der insgesamt 1300 Seiten auf Einwendungen aus der Bevölkerung. Weil sie unter anderem Lärm- und Geruchsbelästigungen sowie mehr Verkehr auf der Prinz-Eugen-Straße und weniger Parkplätze in der unmittelbaren Umgebung befürchten, beteiligten sich 45 Anrainer-Vertreter am Verfahren.

66 Auflagen

Die von ihnen eingereichten Privatgutachten wurden durch unabhängige Amtssachverständige „überbegutachtet“, erklärt Schantl-Wurz – und alle amtlichen Gutachten seien positiv ausgefallen. Mit anderen Worten: die Behörde kam zu dem Schluss, dass die Nachbarn weder von Lärm noch von Gerüchen belästigt werden. Um dies zu gewährleisten, wurden der Familie Welledits 66 Auflagen erteilt. Auch das Bundesdenkmalamt hat keine Einwände.

Versagt wurde dem Betreiber von der Baupolizei allerdings die Errichtung einer Holzterrasse im Garten. Gegen das Aufstellen von Tischen und Sesseln im Park spricht nach der Gewerbeordnung jedoch nichts.

Ausständig ist nun bloß noch eine naturschutzrechtliche Bewilligung der Umweltschutzabteilung (MA22) – die auf den Plan gerufen wurde, weil auf dem künftigen Gastroareal eine streng geschützte Orchideenart vorkommt: das „Wilde Waldvöglein“. Die Inbetriebnahme des Stöckls wird die seltene Pflanze zwar nicht verhindern, denkbar sind aber Schutzmaßnahmen.

Widerstand

Gegen die Genehmigung des Magistratischen Bezirksamts können die Anrainer-Vertreter nun binnen vier Wochen Beschwerde beim Verwaltungsgericht Wien erheben (und gegen dessen Entscheidung in letzter Instanz vor den Verwaltungsgerichts- oder den Verfassungsgerichtshof ziehen). Was sie auch tun werden, wie Hellmut Schneider von der Initiative „NEIN zum permanenten Oktoberfest beim Belvedere“ im Gespräch mit dem KURIER ankündigt. „Wir behalten uns alle Schritte vor, um dieses Monstrum zu verhindern“, sagt er.

Dass das „Stöckl im Park“ bewilligt wird, überrascht die Projektgegner. „Wir konnten uns das nicht vorstellen, weil das Lärm-Gutachten des Betreibers vor Ungereimtheiten, Fehlern und Lücken nur so strotzt“, widerspricht Schneider der Darstellung der Behörde.

Bei der Betreiberfamilie überwiegen dagegen natürlich Freude und Erleichterung. Trotz des Restrisikos, dass das Verwaltungsgericht die erstinstanzliche Genehmigung zurücknehmen könnte, wollen Walter und sein Sohn Albert Welledits das Projekt nun ehebaldigst auf Schiene bringen. Vor der Berufung der Projektgegner habe man keine Angst, wird betont.

Das „Stöckl im Park“, das mit einer Maximalkapazität von 880 Verabreichungsplätzen, täglich von acht bis 24 Uhr geöffnet haben wird, soll im Oktober 2019 den Betrieb aufnehmen. 

Nun gehe es nicht nur darum, „das Areal des ehemaligen Belvedere-Stöckls neu zu beleben, sondern auch darum, den wunderschönen Park des Weltkulturerbes behutsam einzubinden und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen“, heißt es in einer Aussendung der Familie Welledits.

Investiert werden „in die Neubelebung des Grätzels“ sechs Millionen Euro. Unter anderem in die Revitalisierung des 3000 Quadratmeter großen Gartens rund ums Belvedere-Stöckl. Neupflanzungen von Bäumen, Sträuchern und Blumen sollen „dem Kleinod neuen Glanz verleihen“. Zudem entstehen 60 neue Arbeitsplätze, betont Welledits.

Infos: www.stoecklimpark.at