Chronik | Wien
16.03.2018

Das Protokoll eines unmoralischen Angebotes

Gerichtsstreit. Ärztin wirft AKH Mobbing vor.

Adelheid E. würde lieber im Operationssaal stehen. Stattdessen liefert sich die Thorax-Chirurgin aus NÖ seit 2010 einen juristischen Kampf mit ihrem Arbeitgeber. E. arbeitete am Wiener AKH. Doch zuletzt durfte sie kaum noch operieren, musste bei Sitzungen in der zweiten Reihe sitzen. Die Chirurgin nennt das Mobbing – und klagte die Republik Österreich auf 235.000 Euro. Am Donnerstag traf man sich wieder im Gericht. Da sorgte ein Gesprächsprotokoll für Überraschungen.

Es handelt sich um die Niederschrift einer Tonaufnahme, die bei einem Acht-Augen-Treffen entstand. Neben der Chirurgin (die damals mit einer Vertrauensperson kam) waren eine Personalverantwortliche und ein Sachverständiger anwesend. Dass die Vertrauensperson – es handelte sich um einen Detektiv – das Gespräch aufzeichnete, wussten sie nicht. Doch das Protokoll, das nun vom Richter zugelassen wurde, lässt wenig Spielraum für Interpretationen.

Angebot

Demnach soll die Personalverantwortliche ein finanzielles Zuckerl angeboten haben, falls E. das AKH verlässt. "Ich könnte ein kleines finanzielles Angebot machen. Also, ein halbes Jahresgehalt, das wär so ungefähr um die 50.000 Euro."

Der Gutachter wiederum wird so zitiert: "Also Sie sind (...) nicht so, dass ich sage, Sie dürfen nicht arbeiten. Auf der anderen Seite sind Sie zweifellos depressiv in Folge dessen, was passiert ist und was Sie erlebt haben. Aus meiner Sicht ist es für Sie völlig unzumutbar, dass Sie jetzt dorthin zurückkehren (...) Wenn Sie dort hineingehen in dieses Wespennest, dann geht’s Ihnen genau so wie vorher." Er soll von Mobbing sprechen – den Vorwurf hatten die Verantwortlichen bis zuletzt immer bestritten. "Die haben sich ja nicht geändert, die letzten fünf Jahre. Sie gehen da rein und vom ersten Tag an werden’S wieder gemobbt von vorn bis hinten. Das halten Sie nicht aus. (...) Ich gebe Ihnen völlig Recht, dass Ihnen Unrecht geschehen ist."

Er bietet laut diesem Protokoll eine Lösung an – Depression als Attest, mit dem eine Pensionierung eingeleitet werden kann. Aber die Depression könne geheilt werden – und die Ärztin später anderswo arbeiten.

Zu Wort kommt am Donnerstag auch ein ehemaliger Arzt-Kollege. Der schildert die damalige Situation so: "Es gab Gerüchte, dass es nicht erwünscht war, dass Frau Dr. E. im OP war. Das Verhältnis zwischen ihr und dem Vorgesetzten war offen feindselig bis abcancelnd und ignorierend."