Horst Scheuer und Constance Fehle vom Skopik & Lohn

┬ę novy gilbert

Tradition(sbruch)
04/05/2014

Das Beisl muss ein Wiener sein

Innovative Wirte erfinden das Beisl gerade neu. Schank und Schnitzel bleiben.

von Anna-Maria Bauer

Im "Steman" in der Otto-Bauer-Gasse (6. Bezirk) hei├čt der Caff├Ę Latte noch H├Ąferlkaffee und das Wiener Schnitzel ist vom Kalb. Auch in Josefine Zawadils Beisl findet sich kein Cappuccino auf der Speisekarte. Und nach Pommes oder Ketchup wird der Gast im "Zu den 3 Hacken" im 1. Bezirk ebenfalls vergebens fragen. F├╝r Gastronomin Zawadil geh├Ârt in ein Beisl nun Mal traditionelle Wiener K├╝che ÔÇô und sonst nichts.

Was in ein Beisl allerdings auch geh├Ârt, ist eine Holzschank samt K├╝hlschrank mitten im Lokal sowie gem├╝tliche Tische, an denen Besucher oft stundenlang plaudernd Bier trinken. Und ein Wirt, der seine G├Ąste beim Namen kennt. Genau das sch├Ątzen Stammg├Ąste an Beisln wie dem Steman oder dem "Gasthaus zu den 3 Hacken".

Neue Wege

Doch einige Gasthausbesitzer interpretierten in letzter Zeit bewusst das Beisl neu, um weiter G├Ąste anzulocken. W├Ąhrend Wien zu einer Gro├čstadt w├Ąchst und immer mehr Restaurants mit internationaler K├╝che aufsperren, wird das ├ťberleben f├╝r traditionelle Wiener Beisln schwieriger. Die Gr├╝nde sind vielf├Ąltig. "Die Leute haben einfach nicht gen├╝gend Geld, um dauernd essen zu gehen", meint etwa Zawadil. Dazu kommt, so Harald Riedl, Chef und Koch des Dom-Beisl (1. Bezirk): "Wir schlagen uns unter unserem Wert." Im Ausland ist die Wiener K├╝che beliebt, doch in der Stadt selbst wird oft gejammert.

Das sieht Horst Scheuer vom k├╝rzlich renovierten Skopik & Lohn in der Leopoldsgasse (2. Bezirk) ebenso. Deshalb wollte er New York als Standort f├╝r sein Wiener Beisl w├Ąhlen. Sogar das Lokal gab es schon. Doch im letzten Moment klappte das Vorhaben doch nicht und er er├Âffnete sein Lokal stattdessen in der Leopoldstadt.

Ein richtiges Beisl ist das Skopik & Lohn nicht; aber der Bruch mit einigen Wiener Codes ist absichtlich, die Irritation gewollt. F├╝r das kreative Deckengem├Ąlde beauftragte Scheuer beispielsweise Otto Zitko, den wildesten K├╝nstler, den Scheuer finden konnte.

Das Lokal gilt zudem als teuer, weil die Kellner wei├če Sch├╝rzen tragen und es Tischw├Ąsche gibt, dies jedoch Zitate der gehobeneren K├╝che sind. Hauptspeisen gibt es ab zw├Âlf Euro.

Mediterraner Einfluss

Tischt├╝cher gibt es auch im Dom-Beisl. Und auf der Speisekarte finden sich mitunter Beisl-un├╝bliche Speisen wie Seeteufel und Parmesaneier. Chefkoch Riedl: "Die Leute sehnen sich zwar wieder nach Wiener K├╝che, aber sie wollen etwas Au├čergew├Âhnliches." Deshalb gibt es auf der einen Seite die Eichenschank und das traditionelle Schnitzel. Aber eben auch Speisen aus der mediterranen K├╝che.

Der moderne Beisl-Typ komme bei den G├Ąsten jedenfalls gut an. Harald Riedl spricht von einem Umsatzplus. Auch Horst Scheuer kann sich ├╝ber die Nachfrage nicht beklagen. An ein Verschwinden der Beisln glauben die Gastronomen deswegen nicht. Harald Riedl: "Essen m├╝ssen die Leute schlie├člich immer."

Jederzeit und ├╝berall top-informiert

Uneingeschr├Ąnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare