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Chronik Wien
06/14/2020

Corona ade? Wenn (fast) alle Masken fallen

Der Handel atmet auf. Der von vielen Kunden und Mitarbeitern als lästig empfundene Mund-Nasen-Schutz ist Geschichte. In den Geschäften zeigt man sich erleichtert.

von Markus Strohmayer

Vladimir P. schlichtet gerade Spirituosen in das Regal einer Billa-Filiale in Mödling, als ihn eine ältere Dame und ihr Begleiter nach Apfelkren und Suppenwürfeln fragen. Ihren Mund-Nasen-Schutz tragen die beiden unter dem Kinn, sodass weder Mund noch Nase bedeckt sind. Zwei Tage vor der Lockerung der Maskenpflicht am heutigen Montag nimmt der junge Verkäufer die Situation gelassen und beschreibt dem Paar, wo die Produkte zu finden sind. Als die beiden hinter einem Regal verschwinden, meint er: „Das Anstrengendste an der Maskenpflicht waren die Reibereien mit den Kunden, wenn man sie darauf hingewiesen hat. Manche haben einen sogar geschimpft.“

Spätestens ab 6. April ist die Maske im Supermarkt Pflicht

Obwohl er die Maske beim Arbeiten nicht als Hindernis empfunden hat, begrüßt er den weiteren Schritt am Weg zurück in die Normalität.

Dass Schutzmasken seit heute, Montag, nur mehr in Öffis, im Gesundheitsbereich inklusive Apotheken sowie bei Dienstleistern, bei denen der Ein-Meter-Abstand unterschritten wird, zu tragen sind, regelt die neueste Novelle der Corona-Lockerungsverordnung, die auch sonst einige Erleichterungen bringt.

Abstand soll aber weiter gehalten werden und auch der Plexiglasschutz im Kassabereich bleibt, erklärt Vladimir P. Dass sich die Menschen dadurch beim Einkaufen beeinträchtigt fühlen, glaubt er nicht. „Vielleicht hatten die Menschen zu Beginn noch mehr Respekt vor Corona. Einkaufen sind sie aber trotzdem gekommen. Damals besonders, um Klopapier und Lebensmittel zu bunkern.“

Etwas anders gestaltete sich die Situation für Gabriele Reihs. Sie betreibt in der Mödlinger Altstadt die Boutique „Magazin“, in der sie Mode sowie Wohnaccessoires aus Skandinavien verkauft – also nicht unbedingt Gegenstände, die Menschen während einer Krise bunkern.

Angebot für Risikogruppe

Dass sie die Zeit des Lockdowns vergleichsweise gut überstanden hat, verdanke sie vor allem ihren Stammkunden, die ihr auch in schwierigen Zeiten die Treue halten würden. Die Tatsache, dass alle paar Minuten neue Kundschaft in das kleine Geschäft trudelt, verdeutlicht, wovon Reihs spricht.

„Es ist natürlich eine Herausforderung, da sich derzeit maximal vier Personen gleichzeitig im Geschäft aufhalten dürfen“, erklärt die Boutique-Besitzerin. Umso erfreulicher sei es, dass sie ihren Kunden – zumindest in Bezug auf den Mund-Nasen-Schutz – seit heute wieder ein Einkaufserlebnis bieten könne, wie diese es aus Vor-Corona-Zeiten kennen. Besonders für ältere Menschen sei das eine Erleichterung, da viele von ihnen mit Maske Schwierigkeiten beim Atmen hätten.

Um aber genau auf diese Risikogruppe Rücksicht zu nehmen, bietet Reihs ein sogenanntes „Private Shopping“ an. Also die Möglichkeit, außerhalb der regulären Öffnungszeiten einen Termin auszumachen und sich persönlich beraten zu lassen. In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage groß gewesen.

Ein weiterer Grund, dass es für Reihs trotz Corona-Regelungen besser lief, als erwartet, war, dass viele Menschen die vermehrte Zeit zu Hause für Renovierungen nutzten: „Wir haben während des Lockdowns mehr Bilder verkauft als sonst.“

Jenes Bild in den Geschäften, das vorerst einmal wieder Geschichte ist, sind Menschen, die beim Einkaufen an ihren Masken zupfen und mit angelaufenen Brillen in Regalen nach Produkten suchen. Was sich sicherlich auf die Kauflust auswirken wird.

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