Blendende Aussicht: Die Negativschlagzeilen am Cobenzl
Der Latisberg, auch Cobenzl genannt, ist eine 492 Meter hohe Erhebung, die die vielleicht beste Aussicht auf Wien bietet. Und daher seit Jahrhunderten Anziehungspunkt für Städter und Touristen ist. Schon Mozart ist dort oben gelustwandelt und war vom „schönen Blick vom Cobenzl“ fasziniert. Doch so blendend die Aussicht von dort auf die Stadt, so ist doch vieles, das die Stadt in den vergangenen Jahren dort gemacht hat, auch Blendwerk. Denn hinter dem schönen Schein der runderneuerten Fassaden blieb vieles verborgen, das nach und nach an die Oberfläche drängte und seither beständig für Negativschlagzeilen sorgt.
Weitsicht Cobenzl: Ein weiter Weg bis zum Erfolg.
Den Ausgang nahm die Misere bereits 2012: Damals begann der Rechtsstreit der Stadt Wien mit dem Gastronomen und Cobenzl-„Schlossherrn“ Olaf Auer. Der hatte einst das Cobenzl zur Blüte geführt und Show-Größen wie Peter Alexander angelockt; doch wer nicht mit der Zeit geht, der geht bekanntlich mit der Zeit. Oder wird gegangen.
Etwas Neues
Statt des altmodischen, etwas schmuddeligen Interieurs brauchte es etwas Neues, Moderneres – jedenfalls in den Augen der zuständigen Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) und der ihr untergebenen Forstverwaltung (MA 49).
Das Prestige-Weingut Cobenzl spielt alle Stückln.
Weitsicht ohne Weitblick
Nach erfolgreicher Räumungsklage ging man rasch ans neu Planen und neu Benennen. „Weitsicht Cobenzl“ wurde das opulente Sanierungs- und Ausbauprojekt zu einer Event-Location hoch über Wien getauft. Doch am nötigen Weitblick fehlte es. Denn eigentlich sollte die Stadt selber nichts und Private alles investieren – am Ende kam es genau umgekehrt.
Investoren sprangen ab
Denn der erste Investor (Martin Rohla) sprang mitten in der Corona-Krise ab. Der zweite (Bernd Schlacher) eröffnete zwar im September 2022 die „Weitsicht“, um nur wenige Monate später plötzlich das Weite zu suchen. Wie sich später herausstellte, war der „Motto“-Chef mit null Risiko am Cobenzl eingestiegen, weil er sein Investment – 13,5 Millionen Euro – wie vertraglich fixiert zurückbekam.
Unschuldige Lämmer: Zu finden nur im Streichelzoo.
Das 20-Millionen-Projekt musste also von der Stadt de facto alleine gestemmt werden – wobei nunmehr der dritte Investor für pralle Pacht-Erträge sorgen soll, damit sich das medial schon geschaufelte „Millionengrab“ nicht erfüllt. Catering-Riese Josef Donhauser hat im März 2024 übernommen und war zumindest so erfolgreich, dass er die Verlängerungsoption zog.
"Temporäre Bauwerke"
Dass die „Weitsicht Cobenzl“ eigentlich ein riesiger Schwarzbau war, der erst nachträglich legitimiert wurde, passt da ins schiefe Bild einer verunglückten Planung. Im Februar 2025 deckte der KURIER auf, dass Panoramahaus und Café Rondell die gültige Widmung im streng geschützten Wald- und Wiesengürtel sprengten, weshalb ein Kunstgriff angewendet worden war: Per Paragraf 71 („temporäre Bauwerke“) kam es erst zur zweifelhaften Baugenehmigung, die in der Form wohl nur die Stadt sich selbst ausstellen durfte.
Lange Jahre eine schillernde Erfolgsfassade hat auch das städtische Weingut Cobenzl aufgebaut – und auch die bröckelt gerade. Spätestens mit dem vom KURIER enthüllten „Bio-Weinskandal“ ist es vorbei mit der Ruhe im Prestigebetrieb an der Höhenstraße, der in den vergangenen Jahrzehnten einen rasanten Aufstieg genommen hat – vom „Sauerampfer“-Produzenten zum Verkostungs-Seriensieger.
Intrigen im Weinkeller
Verantwortlich dafür waren nicht nur die üppigen Steuermittel für den Betrieb, sondern auch das Geschick eines Mannes: Thomas Podsednik. 35 Jahre leitete er das Weingut, ehe er 2024 still und heimlich gekündigt wurde – von Forstdirektor Andreas Januskovecz. Der dann – aus Rache der Podsednik-Getreuen – seinerseits abdanken musste.
Ob der Chemie-Einsatz am Bisamberg (auf 30 der 60 Hektar) Grund oder Folge des Podsednik-Abgangs war, wird wohl erst der Stadtrechnungshof klären. Fakt ist: Weingut und Forstdirektion taumeln führungs- und verantwortungslos durch die Krise, die noch nicht ausgestanden ist.
Wer am Cobenzl (Unschulds-)Lämmer sucht, findet sie übrigens im benachbarten Streichelzoo. Auch der gehört der Stadt Wien.
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