"Bio-Weinskandal": Neue, brisante Details zur Cobenzl-Affäre

Eine orangefarbene Gartenschere liegt auf einem Haufen grüner Weintrauben.
Die Stadt Wien behauptet, den Chemie-Einsatz am Bisamberg nicht verheimlicht zu haben – doch im Gemeinderat wurde dezidiert eine Auskunft dazu verweigert. Der Stadtrechnungshof prüft die pikante Causa bereits.

Der KURIER-Bericht über den Einsatz chemischer Hilfsmittel am Bio-Weingut Cobenzl sorgte am Mittwoch für heftige Reaktionen. Wie berichtet, hat der städtische Großbetrieb 2024 die Hälfte seiner Rebflächen – 30 von 60 Hektar – „aus betriebsstrategischen Gründen“ doch wieder konventionell bewirtschaftet. Das, obwohl man sich kurz davor noch mit dem erlangten Bio-Zertifikat für alle Cobenzl-Weine gebrüstet hatte.

Aufgeflogen ist die höchst brisante Affäre erst durch eine Anfrage des KURIER nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Wobei der zuständige Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA 49) am Mittwoch neuerlich betonte, dass man diese „kurzfristige Umstellung“ der betroffenen Flächen am Bisamberg „weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert“ habe.

KURIER-Recherchen ergeben aber ein anderes Bild: Denn schon im Jänner 2025 stellte die Wiener ÖVP im Gemeinderat eine Anfrage an den zuständigen SPÖ-Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky. Eine Frage lautete konkret: „Wurden kürzlich Rebflächen des Weingutes Cobenzl von Bio auf Nicht-Bio zurückgewidmet?“

Doch Czernohorszky verweigerte damals eine konkrete Auskunft aufgrund von Betriebsgeheimnissen und meinte allgemein, am Cobenzl würde nach den „Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit“ agiert.

Aufgrund der zahlreichen Medienberichte auf die KURIER-Enthüllungen ist der (Reputations-)Schaden nunmehr freilich erst recht angerichtet; zudem könnte durch die wieder neu gestartete Öko-Umstellungsphase – Bio-Bisamberg-Weine sind erst 2028 wieder erlaubt – ein ganz konkreter Schaden im siebenstelligen Bereich entstanden sein.

Entsprechend scharf fielen daher die politischen Reaktionen aus: VP-Gemeinderätin Elisabeth Olischar erinnerte an die verweigerten Auskünfte und stellte fest: „Der jetzige Bio-Skandal zeigt, dass Transparenz und Aufklärung dringend notwendig sind.“ Sie hofft, dass nun der Stadtrechnungshof Licht ins Dunkel bringt; an diesen sei bereits im Vorjahr ein Prüfersuchen in Sachen Cobenzl ergangen. Wann genau hier Ergebnisse vorliegen, ist offen.

Weinskandal, Imageschaden

„Ständig predigt die Stadt, wie wichtig die biologische Bewirtschaftung in Wien ist – und setzt für private Landwirte strenge Ziele. Selber hält sie sich nicht daran“, kritisierte Olischar. Auch FPÖ-Umweltsprecher Michael Stumpf reagierte scharf: „Was der KURIER rund um das städtische Weingut Cobenzl aufgedeckt hat, ist ein Weinskandal ungeahnten Ausmaßes“, so Stumpf, der von Czernohorszky Aufklärung verlangt.

Ähnlich die grüne Umweltsprecherin Tina Wirnsberger: „Wenn eines der größten städtischen Weingüter Flächen konventionell bewirtschaftet, während es sich als Bio-Vorzeigebetrieb präsentiert, dann ist das nicht nur ein Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch ein Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung.“

Das Büro Czernohorszky verwies nur auf die Stellungnahme der MA 49, wonach die Chemie-Verwendung an Landwirtschaftskammer und Bio-Zertifizierungsstelle gemeldet worden sei. Zur verweigerten Auskunft im Jänner 2025 äußerte man sich nicht. Der Wiener Landwirtschaftskammer-Präsident Norbert Walter kann zur Causa aus Datenschutzgründen nichts sagen, hofft aber auf „Klärung“ durch den betroffenen Betrieb.

Immerhin ein Rätsel konnte schon gelöst werden: Der in der „Interspar“-Weinwelt offerierte Cobenzl-Grüne-Veltliner vom Bisamberg („BIO 2024“) war nur im Onlineshop falsch deklariert worden und tatsächlich kein falsch etikettierter Bio-Wein, wie eine Spar-Sprecherin erklärte; er ist derzeit online nicht erwerbbar.

Dafür tauchen auf Online-Weinshops auch 2025er-Jahrgänge aus Grinzing auf, die seltsamerweise nicht-bio sind. Dabei sollte dort weiterhin nach strengen Bio-Richtlinien bewirtschaftet worden sein.

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