Chronik | Wien
01.12.2017

City-Chef ließ Anrainerparkplätze prüfen: Stärkste Auslastung zu Mittag

Stadt will Stellplätze untertags öffnen. Doch da brauchen sie Anrainer am dringendsten.

Das Tauziehen um die Nutzung der Anrainerparkplätze in Wien geht in die nächste Runde. City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) übt nun mit seiner eigenen Evaluierung Druck auf Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) aus und ruft einmal mehr dazu auf, den Status quo unverändert zu lassen.

Zur Erinnerung: Vassilakou hat im Mai mit Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck eine Öffnung der Bewohnerparkplätze zwischen 8 und 16 Uhr angekündigt.Da jedoch die Bezirksvorsteher für das Aufstellen der Straßenschilder verantwortlich sind, ist Vassilakou auf deren Einverständnis angewiesen. Die Bezirksvorsteher reagierten aber großteils mit Ablehnung. Grund dafür dürfte auch der Umstand sein, dass sie erst vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind. Sie wurden zeitgleich mit der Öffentlichkeit per eMail über die Änderung informiert.

Zwei runde Tische endeten bis dato ergebnislos. Dazu kommt: Bereits genehmigte Bewohnerparkplätze – etwa in Mariahilf – werden, zum Ärger der betroffenen Bezirksvorsteher, aktuell nicht umgesetzt. Die Erklärung der zuständigen Magistratsabteilung: Man will abwarten, bis die Causa geklärt ist. Für Figl ist das Erpressung.

Er wird nun selbst aktiv. Figl hat die Bewohnerparkplätze in seinem Bezirk ein Jahr lang überprüfen lassen – und zwar einmal pro Quartel an jeweils fünf Tagen und zu drei Uhrzeiten .

Das Ergebnis: Die 1540 Bewohnerparkplätze sind im Schnitt (inklusive Falschparker) zu 81,41 Prozent ausgelastet.

Stadt sieht das anders

Interessant ist vor allem der Zeitpunkt der Hauptauslastung. Maria Vassilakou rechtfertigt die Öffnung der Anrainerparkplätze mit dem Argument, dass diese untertags nicht so stark genützt werden (weil die meisten Anrainer da nicht zu Hause und folglich die Autos nicht vor der Tür stehen würden). Das habe auch eine aktuelle Umfrage der Stadt ergeben.

Das Ergebnis der City-Befragung zeigt nun jedoch: Am stärksten ist die Auslastung immer in den Mittagsstunden (zwischen 11 und 13 Uhr).

"Warum das so ist, können wir nicht belegen", sagt Figl. "Meine Theorie ist: Die klassischen Jobs von neun bis fünf Uhr gibt es nicht mehr. Die Arbeitszeiten werden flexibler. Vor allem in einem Bezirk mit so einer hohen Akademikerrate wie dem Ersten."

Figl sieht sich mit diesem Ergebnis mehr als betätigt, das bestehende System beizubehalten. Sein Plan ist es nun, die laut Umfrage weniger ausgelasteten Parkplätze an Stellen mit großer Parkplatznot zu verschieben. "Ich hoffe, dass wir dabei nicht durch die Stadt behindert werden", sagt Figl. "Und ich hoffe, dass es ein generelles Einlenken geben wird."

Aus dem Büro der Vizebürgermeisterin heißt es, dass die Gespräche laufen und man um eine Lösung bemüht sei, die alle Beteiligten zufriedenstellt.