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Chronik Wien
11/19/2019

BVT-Visite in Wiens Krankenhäusern

85 Prozent der KAV-Mitarbeiter waren bereits Opfer von Aggression. Beamte suchen nach Sicherheitslücken in den Krankenhäusern.

von Josef Gebhard

Besuch von Beamten des Verfassungsschutzes (BVT) bekommen neuerdings die Wiener Gemeindespitäler. Die Verfassungsschützer, die zuletzt wegen möglicher

Sicherheitslücken in ihrer eigenen Behörde in die Schlagzeilen gerieten, sollen dafür sorgen, dass die Krankenhäuser sicherer werden.

Gemeinsam mit einem Team des Krankenanstaltenverbunds (KAV) analysieren sie, wie gut geschützt die einzelnen Standorte bzw. deren Mitarbeiter sind. Konkret geht es dabei um Hacker-Attacken genauso wie um gewaltsame Übergriffe auf das Personal.

Das BVT ist zuständig, weil es sich bei Spitälern um kritische Infrastruktur handelt, heißt es beim KAV. Das SMZ Süd hatte bereits eine Visite, die weiteren Häuser sollen 2020 folgen.

Messerangriff

Dass vor allem Gewalt ein ernst zu nehmendes Problem ist, zeigt der Messerangriff eines Patienten auf einen Arzt des SMZ Süd im vergangenen Juli, den dieser nur knapp überlebte. Heute, Mittwoch, wird vor Gericht entschieden, ob der unzurechnungsfähige Tatverdächtige in eine Anstalt eingewiesen wird.

„Wir sind nach diesem Vorfall nicht zur Tagesordnung übergegangen“, sagt KAV-Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb. Neben den Standortbegehrungen startet man auch eine große Befragung der rund 30.000 KAV-Mitarbeiter.

Demnach haben bereits 85 Prozent Gewalterfahrungen gemacht. Wobei der Bogen von Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Attacken geht. Letzteren war rund jeder zweite Mitarbeiter ausgesetzt, im Laufe der vergangenen zwölf Monate waren es noch rund 24,8 Prozent.

Besonders häufig zu solchen Vorfällen kommt es in den Notfallaufnahmen und in der Psychiatrie.

„Die KAV-Mitarbeiter liefern hier ein Bild, das wir in ganz ähnlichem Ausmaß auch in anderen Ländern sehen“, sagt Studienautorin Sabine Hahn von der Fachhochschule Bern.

Ein wichtiger Faktor, der laut der Expertin solche Zwischenfälle begünstigt, seien lange Wartezeiten: „Patienten können aggressiv werden, wenn sie sich in ihrer schwierigen Situation nicht ernstgenommen fühlen.“ Der KAV will unter anderem mit verbessertem Bettenbelagsmanagement gegensteuern.

Deeskalation

Um mit aggressiven Patienten richtig umgehen zu können, werden KAV-Mitarbeiter seit mehr als zehn Jahren in Deeskalationstechniken geschult. Trotzdem hat der Spitalsträger hier noch Aufholbedarf: Insgesamt 40 Prozent der Befragten wurden mindestens einmal geschult, nur in der Psychiatrie sind es mit knapp 80 Prozent zufriedenstellend viele.

Hier will der KAV ansetzen – etwa mit Teamtrainings. Daneben wird es voraussichtlich im kommenden Jahr für die einzelnen Häuser maßgeschneiderte Sicherheitspakete geben – je nachdem, was die Risikoanalysen vor Ort ergeben.

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