Die Polizei vor dem weißen Wagen des Angreifers.

© Michaela Reibenwein

Wien
08/28/2013

Buttersäure-Attacke auf Tierschützer

Tierschützer wurden auf der Mariahilfer Straße mit Spritzpistole besprüht. Sie konnten den Täter überwältigen.

von Michaela Reibenwein

Der Geruch ist gewöhnungsbedürftig. Auf der Wiener Mariahilfer Straße riecht es nach Erbrochenem. Oder nach Buttersäure. Und die sorgte dafür, dass gestern gleich mehrere Personen von der Rettung versorgt werden mussten. Ein Mann hatte Tierschützer mit der Flüssigkeit aus der Spritzpistole beschossen. Er konnte überwältigt werden.

Rangelei

Gegen 10.45 Uhr bremste sich ein alter, weißer Mercedes mit ungarischem Kennzeichen vor der Kleider-Bauer-Filiale ein. Dort veranstalteten zu diesem Zeitpunkt Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) eine Aktion. Sie informierten über die angebliche Sittenwidrigkeit ihrer Maßnahmen – die hatte ihnen ein Richtersenat bescheinigt. Und die Tierschützer zogen sich aus. Auf den Hintern stand in großen roten Buchstaben das Wort „sittenwidrig.at“.

Der Fahrer des alten Wagens stieg mit einer weiß-orangen Wasserpistole aus und begann, die Aktivisten von hinten zu besprühen. Die Tierschützer reagierten schnell auf die übel riechende Attacke. „Einer hat den Mann am Arm erwischt, ich bin auf ihn drauf“, schildert Oliver Harrich. „Er hat sich massiv gewehrt“, erzählt Kathrin Weidum.

Dennoch: Die Tierschützer konnten ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Der mutmaßliche Täter, der 43-jährige Zoltan L., wurde festgenommen. „Er hat die ganze Zeit nichts gesagt, nur komisch gelächelt“, sagt Weidum.

Zweiter Übergriff

Es war bereits die zweite Buttersäure-Attacke auf die Tierschützer. Die erste ereignete sich am 3. August, ebenfalls vor der Kleider-Bauer-Filiale. Damals kam der Täter mit einem Fahrrad, trug eine schwarze Kappe und Sonnenbrillen – und er hatte eine Spritzpistole in Weiß-Orange dabei. So wie auch im aktuellen Fall. Deshalb geht die Polizei auch davon aus, dass es sich um den selben Täter handelt. Im Verhör gab der Verdächtige nur an, dass ihn die Tierschützer gestört hatten. Zum anderen Fall schwieg er sich aus.

Beim Verein gegen Tierfabriken mutmaßt man über mögliche Hintermänner.: „Bestimmt hat er im Auftrag von anderen gehandelt.“ An den Aktionen gegen den Verkauf von Pelz soll das allerdings nichts ändern. „Das nächste Mal stellen wir uns eben mit Schwimmbrillen hin.“ Und VgT-Obmann Martin Balluch sieht Handlungsbedarf im Justizministerium: „Der heutige Tag hat erneut klar gezeigt: Nicht die Aktionen von Tierschützern sind sittenwidrig, sondern vielmehr jene, die sich gegen Tierschutzanliegen stellen, nehmen es nicht so genau mit den Gesetzen.“

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