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Chronik | Wien
05/17/2019

Böller verletzte drei Frauen: 15 Monate bedingte Haft

Nach dem WM-Fußballsieg der Kroaten über Russland wurde 17-Jähriger „von der Stimmung mitgerissen“. Urteil nicht rechtskräftig.

Zwei junge Frauen werden vermutlich nie wieder vollständig hören können. Eine weitere verlor fast ihr Augenlicht. Und das nur, weil der nunmehr 18-jährige Angeklagte „von der Stimmung mitgerissen“ wurde. Heißt: Er schnappte sich einen Böller, der am Boden lag, holte weit aus und schmiss ihn in die jubelnde Menschenmenge. Was er angerichtet hat, sieht er am Freitag im Landesgericht in Wien. Da versteckt er sich zuerst hinter einer blauen Mappe, später zeigt er sich „immens bedrückt“.

Es war der 7. Juli 2018. Kroatien hatte soeben das WM-Spiel gegen Russland gewonnen. In der Ottakringer Straße waren Tausende im Freudentaumel. Menschen tanzten auf der Straße, bengalische Feuer wurden gezündet, Böller geschossen. Der Wiener wollte die Feier mit dem Handy filmen. Bis ihm ein Böller vor die Füße flog. „Ich hab’ mich wie in Trance gefühlt“, schildert er. Er nahm das „kleine Ding“ und entzündete es.

Polizei-Video

„Es war nie geplant, dass ich jemanden damit verletze, ich wollte es nur zurück auf die Straße schmeißen.“ Daran hegt Richterin Alexandra Skrdla Zweifel: „Die Art, wie Sie geworfen haben, spricht Bände.“ Der junge Mann – so ist wenig später auf einem Polizeivideo zu sehen – schnappt sich den Böller, geht zurück in die Menge und holt mit dem Arm weit aus. „Sie waren schnell weg, nachdem Sie den Böller geworfen haben“, stellt die Richterin fest.

Tatsächlich: Erst, nachdem Medien das Bild des jungen Mannes veröffentlicht hatten, stellte er sich bei der Polizei. „Ich hab’ mich richtig schlecht gefühlt. Ich hatte Angst, dass ich das wirklich war. Darauf bin ich auf keinen Fall stolz.“ Er habe nicht mitbekommen, dass sein Böller Menschen verletzt habe.

Die Opfer, drei junge Frauen, werden ihr Leben lang unter den Folgen leiden. „Ich habe gespürt, wie plötzlich meine Haare brennen und ich taub war. Dann bin ich in Ohnmacht gefallen“, schildert eine. Erst nach einer Operation könne sie nun wieder zu 50 Prozent hören.

„Ich habe den Knall gehört, dann ist ein Mädchen umgefallen. Ich wollte nur weg, nach vier bis fünf Metern bin ich aber auch zusammengebrochen“, schildert eine andere. Ihr Hörvermögen ist seither um 47 Prozent gemindert.

Der Böllerwerfer – er macht gerade eine Lehre und holt die Matura nach – entschuldigt sich. „Ich finde das ja auch nicht cool von mir.“ Urteil: 15 Monate bedingte Haft. Nicht rechtskräftig.