Chronik | Wien
11.07.2018

Verstärkung: Mehr als 300 Polizisten stehen heute für Kroatien-Match bereit

Die Polizei reagiert auf Ausschreitungen. Lokalbetreiber erwarten enormen Fanansturm.

Drei Festnahmen und 78 Anzeigen. So bilanzierte die Polizei die Krawalle der Fans am Samstag auf der Wiener Ottakringer Straße. Um erneute Ausschreitungen beim WM-Halbfinalspiel zwischen Kroatien und England am Mittwoch zu unterbinden, stockt die Exekutive massiv auf. Waren am vergangenen Samstag rund 100 Polizisten vor Ort gewesen, sind für Mittwoch zur Zeit mindestens 350 Beamte eingeplant. Darunter Beamte verschiedener Stadtpolizeikommanden, der Einsatzeinheit, der Bereitschaftseinheit, der Diensthundeeinheit, der Landesverkehrsabteilung und der WEGA. Auch sprengstoffkundige Beamte sowie Dokumentationsteams werden vor Ort für Sicherheit sorgen.

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Zudem weist die Wiener Polizei ausdrücklichdarauf hin, dass die Verwendung jeglicher pyrotechnischer Gegenstände im gesamten Wiener Stadtgebiet verboten ist. Es ist auch jederzeit mit Personenkontrollen und Identitätsfeststellungen gemäß den Bestimmungen des Sicherheitspolizeigesetzes zu rechnen. Auch diverse Tatprovokationen, durch die die öffentliche Sicherheit gefährdet werden könnte, sind zu unterlassen.

„Wir haben die vergangenen Vorkommnisse einfließen lassen“, sagt Sprecher Patrick Maierhofer. Die beiden finalen Besprechungen stehen aber noch aus, werden am Dienstag und am Matchtag geführt. Fix ist jedenfalls, dass Kamerateams das Geschehen aufzeichnen werden.

Auch die Betreiber in den Lokalen auf der Ottakringer Straße gehen von einem enormen Fanansturm am Mittwoch aus. „Es wird wieder so eine riesige Fan-Party“, sagt Filip Jurić, Chef des Café Face. In sein Lokal gingen bis zu 200 Menschen. Dass sich im Verlauf eines Spieles dann so viele Fans auf der Straße tummeln, liege daran, dass viele Lokale einfach zu klein seien für die vielen, die zuschauen wollen. „Das Problem sind nicht die alteingesessenen Kroaten, sondern die Gäste aus Kroatien, die extra auf die Ottakringer Straße kommen und dann Bengalen (Signalfackeln, Anm.) zünden“, sagt Jurić. Er rechnet damit, dass die Ottakringer Straße am Mittwoch deshalb wieder „notgedrungen“ von der Polizei abgesperrt werden muss.

Zwei Schwerverletzte

Nach Sieg waren hunderte kroatische Anhänger auf die Straße gegangen, hatten den Verkehr blockiert und pyrotechnische Gegenstände gezündet. Diese wurden teilweise in die eigene Fanmenge geworfen. Ein Böller und eine bengalische Fackel trafen eine 20- und 21-Jährige.

Dem jüngeren Opfer drohte der Verlust der Hörfähigkeit auf einem Ohr, die Frau konnte aber mittlerweile das Spital wieder verlassen. Das zweite Opfer wird weiterhin stationär behandelt. Bei der Erstdiagnose bestand der Verdacht, dass die junge Frau auf einem Auge erblinden könnte.

Wegen der Krawalle am Samstag ermittelt nun auch der Verfassungsschutz gegen einige Fans. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass sie entlang der Ottakringer Straße die in Kroatien verbotene Fahne des faschistischen Ustascha-Regimes gesichtet und „Sieg Heil“-Rufe gehört hätten. Auf Twitter wurde ein Bild gepostet, auf dem ein Fan mit erhobener, ausgestreckter rechter Hand zu sehen ist.